Die Unfallchirurgie: Rund um die Uhr in Notbereitschaft

Von: Udo Stüßer
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Spezialisten vor dem 220 000 E
Spezialisten vor dem 220.000 Euro teuren 3D-Röntgenbildwandler: Dr. Günter Kaspers, Leitender Arzt für Orthopädie, Dr. Michael Lörken, Leitender Arzt für Unfallchirurgie, und Dr. Norbert Schiffers, Leitender Arzt für Minimal-invasive Gelenkchirurgie (von links).

Geilenkirchen. Die nackten Zahlen sprechen für sich: ein Chefarzt, drei Leitende Ärzte, drei Oberärzte, zwölf Assistenzärzte, 100 medizinische Mitarbeiter, drei Operationssäle, in denen 4000 Operationen im Jahr vorgenommen werden, 70 Betten.

Damit ist die Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses nicht nur die einzige orthopädisch-unfallchirurgische Klinik im Kreis Heinsberg, sondern auch die größte in der gesamten Region. „Wir können uns mit einer Großstadtklinik messen”, sagt Chefarzt Dr. Achim Dohmen nicht ohne Stolz.

Als das Geilenkirchener Krankenhaus vor 140 Jahren gegründet wurde, war an eine orthopädische Klinik noch nicht zu denken. „Erst Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts begann man Fehlbildungen an Wirbelsäulen und Füßen von Kindern zu richten. Dies geschah mit Streckapparaturen und Gipsbehandlungen”, wirft Dohmen einen Blick in die Geschichte.

Die moderne orthopädische Behandlung begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Einsatz von Implantaten, Platten, Schrauben und Nägeln. Im Körper fachgerecht platziert, konnten nun Fehlstellungen und Verletzungen behandelt werden. „Der große Boom begann allerdings erst in den 60er und 70er Jahren mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese, also mit der operativen Versorgung von Knochenbrüchen und anderen Knochenverletzungen mit Implantaten, und der Einführung von künstlichen Gelenken”, erläutert der Chefarzt.

Bis dahin konnten viele Erkrankungen nicht behandelt werden: Ein Leben im Rollstuhl oder die Amputation von Gliedmaßen waren die Folgen für den Patienten. „Platten und Schrauben waren für uns Unfallchirurgen und Orthopäden der große Durchbruch. Der Einsatz war auch durch die verbesserten Hygieneverfahren in den Krankenhäusern möglich.”

Im Jahre 1998 kam Dr. Achim Dohmen damals noch als „Einzelkämpfer” an das Geilenkirchener Krankenhaus und begann mit dem Aufbau der unfallchirurgischen Station. In der neuen Abteilung hatte er neben dem vorhandenen medizinischen Personal zunächst lediglich mit Dr. Martinus Diekema einen Oberarzt an seiner Seite. Dieser wurde im Dezember vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger sowie weiteres medizinisches Personal hinzu. Im Jahre 2004 wurde schließlich die Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie gegründet. „Die Fachgesellschaften haben sich zusammengeschlossen, weil sich viele gemeinsame Arbeitsgebiete ergeben haben. Es handelte sich um eine sinnvolle Zusammenlegung”, so Dohmen.

Von 8 bis 16 Uhr wird in seinen drei Operationssälen täglich planmäßig operiert. „Aber wir sind 24 Stunden am Tag in Notbereitschaft. Mindestens ein Unfallchirurg ist immer vor Ort”, erklärt Dohmen, der selbst nur 200 Meter vom Krankenhaus entfernt wohnt und oftmals im Notfall auch in der Nacht in den OP eilt.

Er selbst operiert zwischen drei und zwölf Stunden am Tag. „Wir sind als Traumazentrum zertifiziert und erfüllen die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie für die Behandlung von Schwerverletzten”, sagte der Chefarzt, der mit seinen Mitarbeiten ständig auf die Einlieferung eines Schwerverletzten und mehrerer Leichtverletzer eingerichtet ist. Immerhin sind für die Behandlung eines Schwerverletzten 14 Personen erforderlich. „Ein Visceralchirurg, ein Unfallchirurg, ein Anästhesist, OP-Schwestern, Anästhesieschwester und Medizinisch-technische Assistenten für Röntgen und Labor müssen zur Stelle sein. Bei der Einlieferung eines Schwerverletzten wird sofort, auch in der Nacht, Alarm ausgelöst”, sagt Dohmen.

700 künstliche Gelenke

15.000 Patienten behandeln Achim Dohmen und seine Kollegen. 700 künstliche Gelenke, überwiegend Hüften, Knie und Schultern, werden im Geilenkirchener Krankenhaus im Jahr eingesetzt. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten liegt bei sechs Tagen. Neben der Behandlung von Unfallpatienten, gelenkersetzenden oder -korrigierenden Maßnahmen und der Minimal-invasiven Chirurgie, bei der nur noch rund fünf Millimeter große Schnitte bei Meniskusbehandlungen, Sehnenrekonstruktionen und Knorpelbehandlungen erforderlich sind, zählt die Sportmedizin zu den weiteren Schwerpunkten der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. So ist die Abteilung auch „Olympiastützpunkt Rheinland”. „Wir betreuen Sportler, die sich auf internationaler Ebene qualifizieren wollen, vor, während und nach Wettkämpfen oder bei Verletzungen”, so Dohmen.

Personell und technisch sieht der Chefarzt seine Abteilung auch für die Zukunft gut aufgestellt. „In dieser für ein solches Krankenhaus verhältnismäßig großen Abteilung können wir ein solch breites Spektrum medizinischer Betreuung anbieten, weil in unserer Klinik die verschiedensten Spezialisten arbeiten”, blickt Dohmen auch angesichts medizinpolitischer Diskussionen sehr zuversichtlich in die Zukunft.

So hat Dohmen mit Dr. Michael Lörken einen Leitenden Arzt für Unfallchirurgie, mit Dr. Günter Kaspers einen Leitenden Arzt für Orthopädie, darüber hinaus Spezialist für Rheumaorthopädie und Wirbelsäulenchirurgie, und mit Dr. Norbert Schiffers einen Leitenden Arzt für Minimal-invasive Gelenkchirurgie mit im Team.

„Ich bin stolz darauf, dass wir in einem Krankenhaus sind, das wirtschaftlich gut arbeitet und wir uns deshalb gut qualifiziertes und ausreichend viel Personal leisten können und im Sachbereich für die Patienten die optimalen Lösungen anbieten können”, freut sich der Chefarzt und blickt dabei auf die jüngste Investition. Für 220.000 Euro hat das Krankenhaus im vergangenen Jahr einen hochauflösenden 3D-Röntgenbildwandler gekauft, der im Operationssaal dreidimensionale Bilder erzeugt.

„Solche Bilder kann man ansonsten nur mit Hilfe eines Computertomographen erzeugen. Mit dem Röntgenbildwandler kann die Qualität der Arbeit im OP genau überprüft werden”, erklärt Dohmen die neueste Errungenschaft. Denn er weiß: „Wir Unfallchirurgen blicken jetzt auf eine 25-jährige Erfahrung bei der Operation von Hüften und Knie. Diese gehören zu den erfolgreichsten Operationen. Trotzdem muss man ständig seine Arbeit und die Qualität überprüfen.”

Auch wenn im Laufe der Jahre die Behandlungs- und Patientenzahlen verdoppelt wurden, hat der 48-jährige Chefarzt noch viel vor: „Wir möchten den unfallchirurgischen und orthopädischen Schwerpunkt weiter ausbauen. Es gibt noch viel zu tun, und es gibt unendliche Möglichkeiten...”
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