Die Tafel ist auch für treue Helfer eine neue Hoffnung

Von: Udo Stüßer
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Antonio-Josef Schavesadao, Petra Carboni und Ismael Kirmizegül (von rechts) hoffen, einen Weg auf den Arbeitsmarkt zu finden. Rositha und Heinz-Dieter Bischaus loben ihren Einsatz bei der Tafel. Foto: Udo Stüßer

Übach-Palenberg. Sie gehören zu den Ärmsten in unserer Region: Die 1126 Stammkunden der Übach-Palenberger Tafel vertreten insgesamt 2811 Familienmitglieder und freuen sich Woche für Woche in den Ausgabestellen Boscheln, Palenberg, Geilenkirchen, Gangelt-Birgden und Selfkant-Saeffelen über frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Brot, Wurst und Käse, aber auch Kosmetik- und Babyartikel.

„Die Kunden werden immer mehr, die Waren aber weniger“, bedauert Roswitha Bischhaus, Vorsitzende des Vereins, deren Mitglieder dort helfen, wo Hilfe dringend benötigt wird. „Wir stellen fest, dass die Altersarmut größer geworden ist. Jetzt kommen auch vermehrt Rentner zu uns, die sich früher geschämt haben“, sagt ihr Mann Heinz-Dieter Bischhaus, ebenfalls Mitglied des Tafel-Vorstandes.

Zwei Transportfahrzeuge sind Tag für Tag unterwegs, fahren zu den Lebensmittelsponsoren, vom kleinen Bäcker bis hin zum großen Discounter, und sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess keine Verwendung mehr finden. Diese werden dann an Bedürftige gegen einen symbolischen Betrag von einem Euro für den Kunden und 50 Cent für jedes weitere Familienmitglied weitergegeben.

In den Ausgabestellen werden die Waren von 98 ehrenamtlichen Mitarbeitern säuberlich in den Regalen verteilt und später den Kunden angeboten. Hier arbeiten aber nicht nur gut situierte Menschen ehrenamtlich, sondern auch Menschen, die finanziell ebenfalls nicht auf Rosen gebettet sind, die genauso arm wie ihre Kunden sind. Es sind Ein-Euro-Jobber und Mitarbeiter im Rahmen des Projekts Bürgerarbeit. Das sind Menschen, die die Hoffnung nicht aufgegeben haben, anschließend auf dem Arbeitsmarkt eine Anstellung zu finden.

Arbeitslose erwerbsfähige Hilfeempfänger sollen bei der Bürgerarbeit Tätigkeiten von öffentlichem Interesse übernehmen. Bei dieser Beschäftigung sind sie allerdings nicht arbeitslosenversichert. Da ist zum Beispiel Ismael Kirmizegül: 1994 ist er aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Der gelernte Autolackierer konnte im Jahr 2005 aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben. Seitdem arbeitete er als Aushilfe in der Gastronomie, seit vier Jahren ist er arbeitslos. Die Geilenkirchener Agentur für Arbeit vermittelte ihm Bürgerarbeit bei der Tafel. Tag für Tag ist er hier im Einsatz.

Ab 8 Uhr ist er mit dem Transporter unterwegs, fährt zu den Sponsoren, 15 bis 20 an einem Tag, lädt die Lebensmittel ein und bringt sie zur Ausgabestelle. Dort angekommen, muss er den Wagen ausladen und hilft mit, die Lebensmittel einzuräumen. Um 16 Uhr ist Feierabend. 840 Euro netto ist sein Monatsverdienst. Da er damit seine Frau und drei Kinder nicht ernähren kann, erhält er aufstockende Leistungen.

Der 47-Jährige befürchtet aber jetzt schon: Wenn diese Maßnahme Ende April 2014 beendet ist und er bis dahin keinen Job auf dem Arbeitsmarkt gefunden hat, lebt er nur noch von Hartz IV. „Ich hoffe deshalb inständig auf einen Job als Fahrer oder Lagerarbeiter“, sagt er.

Ähnliche Hoffnungen hat auch Antonio-Josef Schavesadao. Hat sein türkischer Kollege gesundheitliche Probleme, so sind es bei dem Portugiesen die Sprachbarrieren, die ihn bisher bei der Jobsuche scheitern ließen. 1996 kam er nach Deutschland, ins gelobte Land, wie er glaubte, aber den erträumten Job hat er nie gefunden.

Verschiedene Gelegenheitsjobs waren es manchmal. Vor der Bürgerarbeit bei der Tafel arbeitete der 49-Jährige als Ein-Euro-Jobber im Bauhof der Stadt Übach-Palenberg. Er würde am liebsten im Gartenbau arbeiten, ist aber auch für alle anderen Jobs offen. Hauptsache Arbeit!

Petra Carboni ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der Lohn ihres Mannes, ein Lagerarbeiter, reicht nicht zum Leben. Deshalb wurde er durch Hartz-IV-Leistungen aufgestockt. Petra Carboni selbst hat in den vergangenen Jahren nicht gearbeitet. Ihre Ausbildung hatte sie wegen Schwangerschaft abgebrochen.

Als Ein-Euro-Jobber hat sie schließlich im Altenheim gearbeitet. Heute putzt sie die Räume der Tafel, wischt die Regale ab, sortiert die Ware. Für 20 Stunden in der Woche gibt es 500 Euro netto im Monat. Die 39-Jährige hofft nun auf einen Job, am liebsten im Einzelhandel, ansonsten ist die Familie im nächsten Jahr wieder Hartz-IV-Empfänger.

„Es ist schon beeindruckend was diese drei Mitarbeiter hier tun. Sie bekämen nämlich auch Leistungen, wenn sie keine Bürgerarbeit übernehmen würden“, lobt Roswitha Bischhaus. Sie muss es wissen, schließlich ist sie hauptberuflich im Jobcenter tätig. „Hier bekomme ich mit, was Armut bedeutet. Deshalb liegen mir diese Leute besonders am Herzen. Ich hoffe sehr, dass sie einen Job bekommen.“, sagt sie.

Auch ihr Mann hat nur lobende Worte: „Es ist doch bemerkenswert, wenn sie jeden Tag freiwillig zur Arbeit kommen. Sie waren in dieser Zeit keinen einzigen Tag krank. Und wenn sie mal eine Stunde länger arbeiten müssen, ist das kein Problem.“

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