Die Suche nach Vorfahren macht süchtig

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
ahnen
Gemeinsames Hobby: Ahnenforscher Horst-Dieter Jansen (rechts) erklärt Neuling Peter Boisten, welche Daten und Namen er für einen Stammbaum sammeln sollte. Foto: J. Küppers

Kreis Heinsberg. Familienforschung liegt im Trend. Die Anfragen in Standesämtern und Archiven häufen sich. Allein im Archiv Geilenkirchen landen pro Woche zwei bis drei Anfragen auf dem Tisch von Archivarin Melanie Vassen. Es sind Menschen, die an ihren Vorfahren interessiert sind und daher nach Geburts-, Heirats-, und Sterbeurkunden suchen. Aus diesem Grund melden sich auch im Gangelter Standesamt immer wieder Menschen aus ganz Deutschland.

Einer von ihnen ist Peter Boisten aus Hückelhoven. Sein Ziel ist es, einen umfangreichen Stammbaum für seine Familie zu erstellen. Sämtliche Standesämter und Archive hat er auf der Suche nach seinen Ahnen durchforstet. „Das ist eine Sucht“, sagt er. Wenn man einmal angefangen habe, könne man nicht mehr aufhören.

Seine Recherche führte ihn erst kürzlich ins Archiv nach Heerlen, weil seine Familie ursprünglich aus den Niederlanden stammt. Dort geriet die Suche zunächst ins Stocken. „Dort lernte ich einen jungen Mann kennen, der ebenfalls Boisten heißt, und wir haben festgestellt, dass wir gleiche Vorfahren haben“, sagt er. Dank dieses Zufalls kann er möglicherweise bald viele Lücken seines Stammbaums schließen.

Das hat sich auch Horst-Dieter Jansen aus Wegberg zur Aufgabe gemacht. Als Hobby-Genealoge – wie Ahnenforscher im Fachausdruck heißen – hat er sämtliche Kirchenbücher von Gangelt bis zum niederrheinischen Kempen abgeschrieben und gemeinsam mit Hubert Jansen, der sich mit einer speziellen Software auskannte, verkartet.

Durch dieses digitale Suchsystem, das er auf zwei externen Festplatten abgespeichert hat, wird er meist schnell fündig. Voraussetzung dafür ist, dass er im besten Fall einen vollständigen Namen und Lebensdaten von Angehörigen zur Verfügung hat.

Ohne die Hilfe des erfahrenen Familienforschers könnten viele Menschen mit den Einträgen in den Kirchenbüchern gar nichts anfangen. Denn die Heirats-, Sterbe- und Geburtsdaten wurden bis zum Jahr 1797 handschriftlich und in lateinischer Sprache eingetragen. Erst mit Napoleon wurden in Standesämtern entsprechende Urkunden auf Französisch und später auf Deutsch erstellt.

Das ist auch der Grund, warum man bei der Familienforschung nicht nur auf Archive und Standesämter, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt auch auf Pfarrämter und Ahnenforscher wie Horst-Dieter Jansen zugehen muss. Das Wissen darüber, wie man Kirchenbücher liest, hat er von einem Aachener Ahnenforscher gelernt. Den damals 88-jährigen Johannes Kauven hat er während der Erforschung seiner eigenen Familie kennengelernt.

Dieser sah in ihm einen begeisterten Genealogen und brachte ihm bei, wie man die Schrift deutet und übersetzt. Sechs Jahre lang arbeiteten die beiden Männer gemeinsam an den Kirchenbüchern, bis Kauven starb. Von da an übernahm Jansen sein „Erbe“ und setzte die Forschung auch in guter Zusammenarbeit mit sämtlichen Standesämtern im Kreis Heinsberg fort.

Bei der Stadt Übach-Palenberg war Jürgen Klosa lange für die Urkunden zuständig. Da die alten Personenstandsregister langsam auseinander fallen, hat die Stadt die Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein Baesweiler gesucht, der in Sachen Ahnenforschung sehr aktiv ist und auch über die Grenzen Baesweilers hinaus forscht.

In dessen Auftrag hat Klosa mit Hilfe von Karl Kraus begonnen, die historischen Urkunden der Stadt, die nicht mehr dem Datenschutz unterliegen, zu digitalisieren. Die Dauer des Datenschutzes ist abhängig von der Art der Urkunde. „Geburtsurkunden sind erst 10 Jahre nach dem Tod frei, Heiratsurkunden nach 80 Jahren und Sterbeurkunden nach 30 Jahren“, sagt Klosa.

Für Ahnenforscher sind Heiratsurkunden meist am interessantesten. „Heiratsurkunden sind der Schlüssel für Familienforscher“, sagt Klosa. Alte Exemplare enthalten neben den Namen und Daten der Brautleute noch die der Eltern sowie Namen der Trauzeugen, die wiederum Rückschlüsse auf Verwandtschaftsbeziehungen zulassen.

Klosa beantwortet viele Anfragen von Hobby-Familienforschern, die in ihren Stammbäumen einen Bezug zur Stadt Übach-Palenberg finden. Dass solche Anfragen mitunter tragische Familiengeschichten zum Vorschein bringen, zeigt eine E-Mail, die Klosa erst kürzlich aus Koblenz erhalten hat.

Peter Wings, Enkel einer Anna-Maria Altdorf aus Übach, hat sich bei Klosa gemeldet, um eine Sterbeurkunde seiner Großmutter einzusehen. Wings hat die Übacherin nie persönlich kennengelernt und wollte mehr über diese Frau erfahren.

Todesursache: Herzeleid

Es stellte sich heraus, dass die Tochter eines hoch angesehenen Schmieds ein uneheliches Kind mit einem Aachener Kaufmann bekommen hatte, was nach Ansicht der Familie ein Unding im streng katholisch geprägten Übach war. Daher gab sie das Kind zur Adoption frei und starb im Jahr 1904 wenige Wochen nach der Entbindung im Alter von 26 Jahren. Grund dafür sei Gram oder Herzeleid gewesen, wie der Enkel über Verwandte erfuhr, denn Mutter und Kind – Wings Vater – sollen sehr unter der Trennung sehr gelitten haben.

Auf solche Zusammenhänge stößt auch Jansen bei seinen Recherchen manchmal. Bemerkenswert sei, dass viele Kinder nur wenige Monate nach einer Heirat zur Welt kommen. Es seien demnach „Muss“-Heiraten gewesen.

Boisten steht mit der Rekonstruktion seiner Familiengeschichte noch am Anfang. Auch wenn er noch viele Rätsel zu lösen hat, treibt ihn die Neugier immer weiter an, mehr über sich und seine Wurzeln herauszufinden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert