Die Sechziger kehren zurück auf die Bühne

Von: Stefan Reiners
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Die Band „The Doors in Concert“ macht Station in der Rockfabrik und ist mit ihrer Musik nah am Original dran. Foto: Stefan Reiners

Übach-Palenberg. „The Doors in Concert“ in der Rockfabrik: Diese Worte hätten in den Sechzigerjahren für Hysterie in der jugendlichen Bevölkerung gesorgt. Diesmal war es „nur“ der Name der eigens aus den Niederlanden angereisten Tributes der originalen „Doors“. Versprochen wurde allerdings absolute Authentizität. Und das wurde auch gehalten.

Es waren Fans der ersten Stunde vertreten, aber auch Spätberufene. Omas mit ihren Enkelinnen, ebenso wie deren Eltern. Und Danny van Veldhuizen (Gesang), Willem Vonhof (Keyboards), Jim Zwinselman (Gitarre) und Bobby Baudoin (Schlagzeug) zeigten eindrucksvoll, wie es damals gewesen sein muss, als „The Doors“ ihren „Psychedelic Rock“ zelebrierten.

Klar, da sind zunächst einmal die Kostüme. Die waren den Vorbildern stilecht nachempfunden. Für den heute nicht mehr machbaren Dunst der damals allgegenwärtigen Joints mussten brennende Räucherstäbchen in Kerzenständern herhalten. Die Instrumente und Verstärker waren ebenso dem Original nachempfunden. Willem Vonhof spielte die berühmte „Vox Continental Orgel“ und den Fender „Rhodes Piano Bass“, die den typischen Sound von „The Doors“ ausmachten.

Wem das vorher nicht bekannt war, der mochte zunächst gesucht haben, wo sich denn der Mann mit der Bassgitarre versteckte. Willem Vonhof spielte – ebenso wie seinerzeit Ray Manzarek – beides: Keyboard und Bass. Umso beachtlicher ist seine musikalische Leistung einzuschätzen.

Die vier Jungs sahen ihren Vorbildern auch selber ähnlich und sogar die Moves stimmten. Van Veldhuizen wiegte sich mal lasziv, mal fegte er wie ein Irrwisch über die Bühne, Vonhof hing wie seinerzeit Manzarek mit der Nase über den Tasten – mit der er tatsächlich in Ermangelung einer freien Hand die Klangregler betätigte – und spielte sich und das Publikum in einen wahren Rausch während der von Stück zu Stück opulenter werdenden Soloparts.

Das gesamte Konzert hatte eine wohldurchdachte und funktionierende Spannungskurve. Der erste Teil war zum Kennenlernen und Warmwerden. Einer der Höhepunkte war dabei sicherlich der Titel „Unknown Soldier“ mit seiner beklemmenden Exekutionsszene.

Überhaupt gelang es den vier Jungs von „The Doors in Concert“ tatsächlich im geschaffenen Ambiente das Gefühl der Sechziger, mit dem Drang nach Freiheit und Frieden, der aufwallenden und die Musik stark beeinflussenden Antikriegsbewegung nachvollziehbar wieder auferstehen zu lassen. Man konnte sich lebhaft vorstellen (oder erinnern), dabei (gewesen) zu sein.

Nach der Pause wurden dann die richtig großen Kaliber ausgepackt. Der „Roadhouse Blues“ machte den Anfang. Schon während „Break on Through“ holte Danny van Veldhuiz scheinbar das Letzte aus sich heraus, tanzte sich in eine Mischung aus Ekstase und Trance und sank mit dem Schlussakkord erschöpft in sich zusammen. Nur um dann dort liegend „Riders on the storm“ zu intonieren.

Dem folgte das ebenso frenetisch bejubelte „Light my fire“ mit seinen aufwühlenden und mitreißenden Instrumentalexzessen, die – wenn man sich nur richtig darauf einließ – heute wie damals schon völlig drogenfrei geeignet waren, Musiker und Fans richtiggehend „high“ werden zu lassen. Um den Deckel drauf zu machen, gab es dann noch das Rockopus „The End“ (inklusive der damals zensierten ödipalen Zeilen) als Zugabe und danach waren nun wirklich keine Wünsche mehr offen. Im Verlauf des Konzerts kaufte wohl auch der letzte Zweifler den Jungs auf der Bühne ab, die Musik zu fühlen und zu leben, so wie es deren Schöpfer Jim Morrison, Ray Manzarek, Robby Krieger und John Densmore getan hatten.

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