Die Pudelkönige erfinden die Tradition neu

Von: Dettmar Fischer
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Die Pudelkönige sind einer der jüngsten Kegelclubs weit und breit. Im Pfarrzentrum Haus Vossen gehen sie ihrem Sport nach. Alexander Beemelmanns (kleines Foto) konnte beim Gruppenfoto nicht dabei sein, er notiert als Schriftführer die Fortschritte. Foto: Dettmar Fischer
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Tobias Göttges ist amtierender Kaiser und Präsident auf Lebenszeit der Pudelkönige Gillrath. Da müssen „alle Neune“ schon mal drin sein.

Geilenkirchen-Gillrath. Montagabend, 19 Uhr, Pfarrzentrum Haus Vossen, Pfarrer-Lowis-Straße in Gillrath. Einmal im Monat ist das ein fester Termin für zehn junge Männer, die der „Männersport“ Kegeln eint. Pudelkönige nennt sich der Club. Und die Pudelkönige haben ein Ziel. Das Ziel heißt Mallorca.

Irgendwann einmal in der nicht mehr allzu weit entfernten Zukunft werden die Pudelkönige am Strand von Mallorca liegen, höchstwahrscheinlich ohne weiblichen Anhang, weil Kegeln eben ein Männersport ist. Diese Tatsache dürfte dem ein oder anderen Kegler und auch der ein oder anderen Keglerin vielleicht neu sein. Es ist aber so, darauf schwören zumindest der Präsident auf Lebenszeit, Tobias Göttges, und seine neun Pudelkönige.

Erst das Wandern, dann der Wein

Die Clubabende im Haus Vossen lassen nichts an Traditionsbewusstsein zu wünschen übrig – genau wie das Ziel in fernerer Zukunft und das Ziel für den Kegelausflug in naher Zukunft: Ahrweiler. Das Weinfest in Ahrweiler haben sich die zehn jungen Männer, alle gut unterhalb der 30, als Ziel für den gemeinsamen Kegelausflug 2017 auserkoren – erst der Rotweinwanderweg und dann der Rotwein.

Die ganze Geschichte rund um die Pudelkönige, die einer der jüngsten Kegelclubs der Region sind, strotzt vor Tradition. Dennoch, irgendwie ist bei den Pudelkönigen etwas anders. Tobias Göttges ist amtierender Kaiser der Pudelkönige und ihr Präsident auf Lebenszeit. Wenn er so erzählt vom präsidialen Amt und seine Kegelfreunde ihm dabei wortreich auf die Schulter klopfen, weiß man nicht so genau, ob man nicht gerade veräppelt wird. Die Pudelkönige haben keine starren Regeln, eher vereinsinterne, die Schriftführer Alexander Beemelmanns auf geduldigem Papier verfasst. Ein paar feste Regeln gibt es aber doch: Montagabend, Punkt 19 Uhr, haben alle die Schwelle zum Kegelstübchen im Pfarrheim Haus Vossen überschritten zu haben, sonst droht ein Strafzoll. Der Präsident auf Lebenszeit nimmt sein Amt ernst. Auch wenn er noch ein wenig als Präsident übt. An diesem Montagabend fährt ein Partyservice Schweinefilet auf. Die Geselligkeit, Vereinszweck Nr. 1, braucht eine kräftigende Beilage.

Nach dem Schweinefilet folgt tatsächlich das Kegeln; die eine Bankreihe gegen die andere und dann andersherum. Auch das Kegeln üben die Pudelkönige ganz traditionell aus: neun Kegel gibt es und ausreichend Kugeln. Die Kugeln werden über eine lange Holzbahn in Richtung der Kegel gekugelt. Tobias Göttges gibt eine Kostprobe seines Könnens. Und er macht seinem Amt alle Ehre, erster Wurf: alle Neune. Göttges ist nicht Pudelkönig, weil er ständig die Ausweichbahn neben den Kegeln erwischte. Für alle Nichtkegler sei hierzu aus dem Kegellexikon zitiert: „Pudel bezeichnet umgangssprachlich einen Fehlwurf beim Kegeln, der die Kegelkugel in die Auffangrinne rechts oder links der Bahn befördert und an den Kegeln vorbei zielt.“ Die Bezeichnung Pudel für diesen Nullwurf geht laut Kegellexikon darauf zurück, dass sich früher die Kegelbahnen der Gaststätten nicht im Keller, sondern draußen befanden. Wenn es dann regnete, bildeten sich Pfützen links und rechts der Kegelbahn. Diese Pfützen sollen im Plattdeutschen mit dem Wort „Pudel“ bezeichnet worden sein. Der gemeine Pudel in weiß oder schwarz soll seinen Namen auch vom Wort „Pfütze“ haben, aber das zu erklären, wäre eher eine Aufgabe für lange Abende am Strand von Mallorca.

Zumal Präsident Tobias Göttges kein Pudelkönig im Sinne des Kegellexikons ist. Göttges beschreibt es so: „Ja, wie bin ich König beziehungsweise Kaiser und Präsident geworden? Durch das Erlangen der meisten Punkte am Abend bei der letzten Runde. Eine Strafe ist es nicht, es ist eine Ehre, für den Verein der erste Präsident zu sein, und es werden ein paar Aufgaben auf mich zukommen. Die Aufgaben stehen noch nicht fest, das muss noch intern geklärt werden.“ Es ist ihm also eine Ehre, das darf man getrost glauben.

Auch wenn die Pudelkönige in Gillrath die Tradition gerade ein wenig neu erfinden, findet man bei den zehn jungen Männern doch etwas, das vom Begriff der Traditionspflege gar nicht so weit entfernt ist. Die Pudelkönige haben als Ausweis der Zugehörigkeit neun kleine Kegel und einen größeren mit Krönchen für den Präsidenten. Diese fein gedrehten Stahlminiaturen hat Karsten Reinert angefertigt. Christian Derichs war, da sind sich alle einig, der beste Kegler der 2015 gegründeten Pudelkönige. Der beste Kegler ist jedoch leider schon mit 27 Jahren Ende 2016 verstorben.

Vorgängerclub wurde aufgelöst

Für Christian rückte Marko Ritterbex als zehntes Mitglied nach. Dem Präsidenten auf Lebenszeit stehen somit folgende Kegler zur Seite: Philipp Wienands, Alexander Beemelmanns, Martin Jansen, Michael Spehl, Stephan Jansen, Karsten Reinert, Thomas Roth, Peter Roth und Marko Ritterbex. „Wir hoffen, dass wir noch jahrelang hier kegeln können“, sagt Philipp Wienands und spricht damit für alle Zehne. „Jahrelang“ heißt zumindest so lange, wie ihre Vorgänger auf der Kegelbahn im Haus Vossen „alle Neune“ anpeilten. Seit 1964 hatte der Vorgängerclub, ebenfalls mit dem schönen Namen Pudelkönige gekennzeichnet, der Geselligkeit gefrönt, bis man dem Kegelsport vor drei Jahren ade sagte. Auch die Pudelkönige von 1964 unternahmen eine Kegeltour nach Mallorca. Ein Foto an der Wand des Pfarrzentrums Haus Vossen erinnert an die guten alten Zeiten. Mit den zehn jungen Männern gehen die Gillrather Pudelkönige in die Zukunft und sicherlich auch mal nach Mallorca.

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