Die Prummerner Glocke ist seit dem Krieg stumm

Von: Johannes Gottwald
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Die Katharinenglocke in der Pr
Die Katharinenglocke in der Prummerner Pfarrkirche St. Johannes wurde vor über 650 Jahren gegossen. Foto: Johannes Gottwald

Geilenkirchen-Prummern. Das Dorf Prummern kann als ältester Ort im Stadtgebiet von Geilenkirchen nicht nur auf eine über 1100-jährige Geschichte zurückblicken, sondern besitzt auch einen bedeutenden Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert.

Zur Ausstattung von St. Johannes gehört aber ein besonders wertvolles Relikt aus dem Mittelalter: Die „Katharinenglocke” aus dem Jahre 1352 - sie ist die älteste Glocke in Geilenkirchen und Umgebung.

Als sie vor über 600 Jahren erstmals geläutet wurde, stand noch der Vorgängerbau der jetzigen Kirche. Erst um 1470 entstand das heutige zweischiffige Backsteingebäude im spätgotischen Stil. Damals kamen noch vier weitere Glocken hinzu, die der Glockengießer Jacob von Venrath 1476 schuf. 1575 erhielt die Kirche noch eine kleine Taufglocke.

Dieses prächtige Geläut blieb bis zum Zweiten Weltkrieg erhalten. Bei den Kämpfen im November 1944 wurde jedoch die Prummerner Kirche größtenteils zerstört, der Turm sogar von den deutschen Truppen gesprengt. Dabei mussten auch die Glocken schwere Schäden hinnehmen. Bereits 1942 hatte die NS-Regierung zwei von ihnen beschlagnahmt und zu Kriegszwecken einschmelzen lassen.

Die übrigen konnten glücklicherweise gerettet und restauriert werden. Die Katharinenglocke hatte allerdings beim Zusammensturz des Turmes einen Riss bekommen, so dass sie seitdem nicht mehr geläutet wird, sondern im Vorraum der Kirche aufgestellt wurde. Auf ihre Krone wurde dann ein Weihwasserbecken montiert. Ihren Klang kann man nur noch erahnen, wenn man vorsichtig mit einem kleinen Hammer dagegen schlägt. Dafür ist sie aber für jeden Kirchenbesucher frei zugänglich, während man ansonsten auf den Kirchturm steigen müsste.

Die älteste noch in Gebrauch befindliche Glocke in der Region befindet sich etwas außerhalb der Ortsgrenze: Sie hängt im Turm der Pfarrkirche von Uetterath. Die „Marienglocke” wurde 1441 von Meister Kloit in Köln gegossen. Sie überlebte den letzten Krieg wie durch ein Wunder fast ohne Schaden - denn auch der Turm der Uetterather Kirche wurde von der Wehrmacht gesprengt.

Zur Zeit der Entstehung der Prummerner Katharinenglocke stand das Handwerk der Glockengießer in hoher Blüte. Ein guter Meister konnte zu Reichtum und Wohlstand gelangen, musste aber auch „mobil” sein, da er häufig von Stadt zu Stadt zog. Anbetracht der regen Bautätigkeit im späten Mittelalter war die Auftragslage meistens gut, zumal viele Glockengießer auch Geschütze und Kanonen bauten.

Sogar in Geilenkirchen scheint es eine Werkstatt gegeben zu haben, denn im Jahre 1432 lieferte ein „Jan van Ghelkerke” eine besonders schön verzierte Glocke für die Kirche St. Sebastian in Würselen. Sie ist allerdings das einzige von ihm bekannte Exemplar.

Die heute übliche Glockenform hat sich erst allmählich entwickelt. Die ältesten in Deutschland erhaltenen Glocken aus der Zeit um 1030 haben noch das Aussehen eines Bienenkorbes. Um 1200 entwickelte sich die Zuckerhutglocke, die bereits wesentlich schöner klang. Auch von diesem Typ blieb ein wertvolles Unikat in der Würselener St. Sebastianskirche erhalten. Es dient heute als Wandlungsglocke bei der katholischen Liturgie.

Die heute geläufige Glockenform mit ihrer charakteristischen Wölbung nach außen und den Klangrippen entstand dagegen erst in der Zeit der Gotik. Die Glockengießer erreichten schon damals eine Meisterschaft, die bis heute nicht übertroffen werden konnte - noch heute beruht die Technik des Glockengusses im Wesentlichen auf den von ihnen entwickelten Methoden. Kein Geringerer als Friedrich von Schiller hat die Ausübung dieses Kunsthandwerks in seinem berühmten „Lied von der Glocke” äußerst präzise und detailliert beschrieben.

Als Gussmaterial hat sich seit alters her die Bronze bewährt, eine Legierung aus Kupfer und Zinn. Jeder Meister hatte dabei seine eigene Methode, um beide Metalle prozentual zu mischen - die verschiedenen „Rezepte” waren natürlich streng gehütete Berufsgeheimnisse. Erst in neuerer Zeit werden Glocken auch aus Stahl hergestellt, sie sind zwar wesentlich preisgünstiger, aber von geringerer Qualität.

Das Geläut von St. Johannes in Prummern wurde nach dem Wiederaufbau des Turmes durch zwei neue Bronzeglocken ergänzt und vermittelt heute noch einen markanten und eindrucksvollen Klang. Übrigens blieben noch in einigen anderen Kirchen im Stadtgebiet Glocken aus der Zeit der Gotik erhalten: Auch in Süggerath läuten seit 1477 zwei Glocken von Jacob von Venrath, 1511 kamen zwei weitere von Gregorius von Trier für St. Peter und Paul in Immendorf hinzu. Alle drei Geläute haben bemerkenswerte Ähnlichkeiten: Die Schlagtöne der historischen Glocken liegen meist nur einen Halb- oder Ganzton auseinander - typisch für das rheinische Mittelalter.
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