Die Obdachlosenhilfe lebt von ihren Spenden

Von: Markus Bienwald
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Bilder vom Helfen gibt es bei Uschi Hartmann nicht, sie respektiert die Menschen, denen ihre ehrenamtliche Arbeit gilt. Stattdessen lässt sie sich immer gerne beim Spendensammeln ablichten, denn da kommt einiges zusammen für die Arbeit bei der Obdachlosenhilfe. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Uschi Hartmann ist ein Mensch, dem die Herzen zufliegen. Wer sie trifft, der merkt schnell, dass sie aber nicht nur ein ausgesprochen höfliches und einnehmendes Wesen hat. Die „Chefin“ hinter der Obdachlosenhilfe Übach-Palenberg weiß genau, dass ihre durch und durch ehrenamtliche Hilfe auch einen Überzeugungstäter braucht, der dahinter steht.

„Chefin“ ist wahrscheinlich so ein Wort, das sie zwar öfter hört, das sie aber nicht wirklich mag. „Ich bin doch einfach nur die Uschi“, sagt sie gerne.

Die gelernte Hotelfachfrau hat früher einmal in Mönchengladbach im Bruno-Lelieveld-Haus Menschen mindestens einmal im Monat mit einer warmen Mahlzeit versorgt. „Nicht so eine dünne Plörre, sondern mit allem“, beschreibt Uschi sehr lebendig die mit Fleisch und Gemüse frisch zubereiteten Köstlichkeiten. Schon damals war es aber mehr als nur die Idee, zu helfen, die sie bewegte. „Menschenwürde ist ein großes Thema“, so Hartmann weiter, „denn nur, weil sie obdachlos sind, bedeutet das nicht, dass diese Menschen weniger Wert sind, ganz im Gegenteil.“

So bittet sie darum, den Menschen auf der Straße auch mit Würde zu begegnen. Es gebe nichts Schlimmeres, als wenn die Menschen wortlos an fragenden Obdachlosen oder Bettlern vorbeigehen, das wissen die Helfer vom Verein ganz genau. „Geben Sie den Menschen eine Antwort, denn ein höfliches Nein ist immer noch besser als das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden“, sagt Uschi Hartmann. Leuten, die ihr mit dem Misstrauen begegnen, dass sie die Hilfe auch für sich alleine macht, begegnet Hartmann übrigens mit einem entwaffnenden Lächeln und ein paar Worten. „Ich mache es nicht für mich, sondern für die Obdachlosen und für die eigene Stadt“, sagt sie.

Denn auch in Übach-Palenberg und Umgebung gibt es Menschen ohne einen festen Wohnsitz, ohne Obdach und in sozialen Schwierigkeiten. Dazu kommen Familien, die aus unterschiedlichen Gründen am Ende des Geldes noch sehr viel Monat übrig haben, und sich über jede Hilfe freuen. „Es gibt da eine richtig hohe Dunkelziffer“, weiß Hartmann.

Und genau da setzt ihre ehrenamtliche Hilfe an. Denn der offiziell „Obdachlosenhilfe – Gemeinsam für Menschen in Not“ genannte Verein ist nicht nur beim gemeinsamen Essen im Mehrgenerationenhaus (MGH) am Palenberger Bahnhof gerne einmal der Gastgeber. Seit geraumer Zeit hat der Verein, der übrigens als gemeinnützig anerkannt ist, ein eigenes Lager. „Das wurde einfach nötig, denn alles zu Hause sammeln, das geht einfach nicht“, sagt Uschi Hartmann.

Sie spricht da aus Erfahrung, denn am Anfang lief noch die gesamte Hilfe nicht nur koordinatorisch von ihrem Haus in Marienberg aus. Auch die Mahlzeiten wurden zubereitet, der Küchenbereich glich manchmal einer Ausstellung für Haushaltsgeräte, um natürlich die Vorschriften in Sachen Kühlkette und Hygiene einzuhalten, das sind Dinge, die waren für Hartmann von Beginn an wichtig.

Das Lager auf dem früheren Schulgelände an der Schulstraße in Marienberg ist übrigens nicht nur eine Anlaufstelle für alle, die etwas brauchen, was sie sich vielleicht sonst niemals leisten könnten: Einen neuen Tisch zum Beispiel oder auch Futter für ihr Tier. „Tiere spielen bei unseren Leuten eine ganz große Rolle“, sagt sie voller Respekt über die Klienten, die von der Hilfsorganisation versorgt werden. „Denn Tiere sind meist die einzigen Partner im Leben unserer Menschen“, weiß Hartmann zu berichten. Und da Uschi Hartmann keine eigenen Reichtümer angehäuft hat, die sie nun in die Hilfe investieren kann, lebt die Hilfe im Verein von Spenden und den regelmäßig stattfindenden Basaren.

Zu Weihnachten hatte sie beispielsweise ins MGH geladen, ein tolles Essen für die Menschen inklusive. Eine Spende der Krombacher-Brauerei kam ihr kürzlich da sehr zupass, „so etwas ist ein einfach toller, warmer Regen für unsere Arbeit“, sagt sie. 2500 Euro war der Scheck dick, doch für dauerhafte Hilfe muss ständig auch was reinkommen. „Wir brauchen immer Spenden“, so Hartmann, und dabei meint sie vielleicht gar nicht so die Leute mit den dicken Scheckbüchern. „Denn wir bekommen oft auch kleinere Spenden, beispielsweise die Zutaten für ein leckeres Abendessen für unsere Leute oder auch mal Süßigkeiten, die wir dann verteilen können“, berichtet sie.

Und Freude huscht so immer wieder über ihr Gesicht, denn ob groß, ob klein, alle Spenden sind für sie wichtig. Wer sich wie über 600 Follower via dem sozialen Netzwerk Facebook mit dem Verein verknüpft, sieht wöchentlich, manchmal sogar täglich, wie Spenden hereinkommen, mit denen die Hilfe zur Selbsthilfe über den Verein möglich gemacht wird.

„Wir müssen nur wissen, wo wir helfen können, dann sind wir dabei“, macht sie klar, und das meint sie auch so. Egal, ob als Freiwillige bei der letzten Auflage der „Übach-Palenberger Familientage“ (ÜPF) oder beim Sommerfest der Karnevalsgesellschaft „Frelenberger Esel“: Der Obdachlosenverein ist so selbstverständlich dabei, dass es schon fast normal ist.

Dabei ist die Hilfe nicht normal, gerade für Menschen ohne Lobby. „Obdachlose müssen sich Tag für Tag viel anhören, die haben ein dickes Fell“, weiß Uschi Hartmann, die schon seit vielen Jahren Menschen in Not hilft. Den Satz „die sollen doch froh sein, dass sie überhaupt was haben“, hat sie im Zusammenhang mit ihrer Arbeit schon mehr als einmal zu oft hören müssen.

Und darum appelliert sie an die Menschen, die helfen und geben wollen, nicht irgendetwas zu spenden, sondern das Ganze gezielt zu machen.

Was da meist nachgefragt wird, sind Gebisskleber als Nummer eins, generell Hygieneartikel und alles, was man selbst auch in seinen eigenen vier Wänden benutzen würde, um sich gut zu fühlen. Und wenn sie dann mit ihrem Bollerwagen loszieht, um Sachen zu sammeln, kann sie nun auch das Schreiben vorzeigen, das ihr offiziell bestätigt, für die gute Sache unterwegs zu sein. „Ein tolles Gefühl“, sagt sie.

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