Die Modellbahner: Ein eigenes Reich im Maßstab 1:87

Von: Markus Bienwald
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Thomas Hein (l.) und Detlef Kochs werkeln an einem Modul, das später einmal Teil der Bahnstrecke rund um Rimburg sein wird. Foto: Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist ein leises, zunächst kaum vernehmbares Sirren. Gleichförmig gräbt es sich in die Gehörgänge, um sich ein wenig zu steigern und dann wieder ein paar Dezibel leiser zu werden. Dieses Hintergrundgeräusch ist es, das die Mitglieder des Märklin-Stammtisches Übach-Palenberg so gerne hören. „Es hat eine herrlich beruhigende Wirkung“, sagt Detlef Kochs, „wenn man Stress hat, kann man so ganz prima runterfahren.“

Der Ort, wo sie ihr entspannendes Hobby ausüben, soll nicht genannt werden, klar ist jedoch, dass sie hier richtig viel Platz haben, um sich zu entfalten. Der Platz ist auch nötig, denn so eine Modelleisenbahn im Maßstab H0, der Halbnull bedeutet, so gesprochen wird und die Realität im Maßstab 1:87 in Klein abbildet, kann ganz schön raumgreifend sein. Und wenn Detlef Kochs, Thomas Hein, Willi Kallenberg und Frank Leitner in den eigenen Hobbyräumen zur Sache gehen, stören sie auch niemanden. So werden die Nerven der Ehefrau geschont, sagt einer mit einem verschmitzten Lächeln. Ein anderer freut sich, dass in den Stammtischräumen auch mal Staub aufgewirbelt werden darf, ohne dass es dafür Ärger gibt.

„Wir bauen alles selbst“, so Thomas Hein. Das Bauen, die Fachgespräche über Pläne, Neuheiten und Träume sind das Salz in der Suppe für den Stammtisch, der sich „LüP“ nennt, was „Länge über Puffer“ bedeutet und im Eisenbahnerdeutsch die Länge eines Schienenfahrzeugs beschreibt.

Staub wirbeln die Männer ohne Ende auf, wenn sie ihre „Module“ bauen. Dabei handelt es sich um kleine Ausschnitte der Wirklichkeit, maßstabsgetreu nachgebaut und so ausgelegt, dass sie an andere Module gekoppelt werden können, um den Spielspaß zu steigern. Willi Kallenberg hat beispielsweise ein Modell der Gleisanlagen der Nivelsteiner Sandwerke in Herzogenrath nachgebaut. „Dabei haben wir festgestellt, dass es zwei Hauptgleise gibt“, erzählt er voller Begeisterung, „das sieht man auf den ersten Blick nicht.“

Ärgerlich war es nicht, als er sein eigentlich schon fertig durchgeplantes Modellstück wegen dieser Änderung neu gestalten musste. Vielmehr machte es ihm Spaß, einem Ingenieur gleich die neuen Abmessungen und Gleisführungen zu planen. Danach waren dann die Details dran, wie beispielsweise Kipplaster und Bagger, natürlich die Begrünung, die mit grasähnlichen Flocken erstellt wurde, und eine so nah wie möglich am Original gehaltene Landschaftsform. Die passenden Loks und Güterwaggons waren dazu schnell gefunden, denn schließlich handelt es sich bei dem Stammtisch, den es nun schon seit mehr als drei Jahren gibt, um echte Experten.

Frank Leitner steht derweil am Leitstand, einem volldigitalen Steuerungssystem für die Schienenfahrzeuge, das nicht viel gemein hat mit den früher verwendeten Trafos. „Da steckt jede Menge Technik drin“, sagt er. Das bedeutet: Jedes motorgetriebene Fahrzeug hat eine per Digitalcodierung festgelegte Nummer und kann damit ganz individuell gefahren werden. „Darüber lassen sich dann auch die Zusatzfunktionen steuern“, so Leitner weiter. Bei Dampfloks ist das beispielsweise der Sound der Originalloks, dazu das passende Licht, akustische Signale und noch vieles mehr.

Dank der übersichtlichen Modultechnik, die mit einheitlichen Gleis- und Elektrikanschlüssen gebaut wird und somit immer zusammenpasst, wenn es die Schienenführung erlaubt, können sich die Herren über die Miniloks damit eine stattliche Anlage bauen. „Im Hobbykeller wäre das vielleicht gar nicht so möglich, von den Dimensionen her nicht und auch nicht von der Abwechslung her“, erklärt Detlef Kochs. Denn jeder von den Jungs, die sich komplett der Marke „Märklin“ verschrieben haben, hat so seine eigenen Interessen.

Und daher ziehen neben Güterzügen auch längst vergessene Schienenbusse aus den 1950er Jahren oder auch ein Trans-Europa-Express in der früher üblichen Farbgebung Weinrot-Creme ihre Bahnen. Doch die Vermutung, dass hier zu groß geratene Kinder am Werke wären, ist völlig fehl am Platze. „Ich bin erst spät dazugekommen“, gibt Detlef Kochs zu.

Natürlich gibt es hier auch die schon lange „Infizierten“, die ihr Hobby mit dem Papa erlebten und seitdem der Technik im Kleinmaßstab erlegen sind. Doch dank des Modulbaus, der beispielsweise die Bahnstrecke von Rimburg bis zu den Nivelsteiner Sandwerken im Detail erlebbar macht, steckt hier noch viel mehr dahinter.

Wer sich gerne einmal selbst einen Eindruck von dem Hobby verschaffen will, kann sich mit Detlef Kochs in Verbindung setzen. Er gibt unter Telefon 0172/9922089 gerne Auskunft zum nächsten Stammtischtreffen im Restaurant „Postwagen“. Das ist natürlich in Bahnhofsnähe gelegen – „wo auch sonst?“, fragt Kochs mit einem einladenden Lächeln.

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