Die Maiherzenfabrik: Weil ein Herz ans Herz geht

Von: Dettmar Fischer
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Friederike Laumen widmet sich seit 20 Jahren mit viele Liebe zum Detail der Produktion von Maiherzen.
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Maiherzen werden, wie sollte es anders sein, in der Maiherzenfabrik hergestellt, auf die richtige Farbkombination kommt es dabei an. Foto: Dettmar Fischer
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Helden der Popkultur wie hier Snoopy bieten Alternativen zum traditionellen Herz.

Gangelt. Der schöne, alte Brauch, der Angeschmachteten ein Maiherz zu stecken, hat nichts an Attraktivität eingebüßt. Friederike Laumen ist froh darüber. Sie lebt davon, für kleine und größere Jungs das Traditionsgesteck anzufertigen. Ihre Maiherzfabrik in Gangelt (Franz-Savels-Straße 24) kommt ganz ohne Maschinen aus.

Lediglich ein ganz kleines Maschinchen dreht Krepppapier zu Spiralen. Daraus werden die „Blümchen“ gedreht, die dann zur Herzform auf eine Styroporunterlage gesteckt werden. Die Herzform in dekorativen Farbkombinationen ist der immer wieder gern genommene Klassiker, wenn es um die Gunst der Holden geht: Ein Herz geht eben ans Herz, und selbiges gilt es ja schließlich zu erobern.

Friederike Laumen ist seit 20 Jahren im Geschäft. Was bedeutet so ein Maiherz für die Beschenkte? Ihre Antwort kommt schnell und präzise: „Anerkennung!“ Aha, ein bisschen Krepp und Styropor und Frau fühlt sich anerkannt – günstiger geht es kaum noch. Kein Wunder, dass sich dieses Brauchtum hält.

„Ausgerechnet Du?,“ hatte meine Frau gesagt, als sie von der anstehenden Maiherzgeschichte hörte. Was soll das denn heißen? Gut, in den vergangenen Jahren wurden bei uns keine Maiherzen verschenkt, und davor eigentlich auch nicht. Friederike Laumen kann aber glücklicherweise nach wie vor Männer und alle vier Jahre auch Frauen – im Schaltjahr sind die ja dran – zu ihren Kunden zählen, deren Freude am Maiherzen- und Maiherzvariantenverschenken ungebrochen ist.

„Machen Sie mir doch mal eine Diddlmaus“, hörte sie vor Jahren oft. Snoopy und Tweety halten sich bis heute, und auch Filmheld Nemo wird gerne gesteckt. Zurzeit laufen die kleinen gelben Männchen mit den Glubschaugen sehr gut, die Minions aus dem gleichnamigen Film. Es müsse aber wieder mal ein schöner Film in die Kinos kommen mit einer richtig populären Figur, findet Friederike Laumen. Der Zeichentrickfisch Dori floppte jüngst leider im Maiherzengeschäft.

Friederike Laumen zeichnet alle Figuren selbst, bevor sie die Idee dann in Krepp umsetzt. Als gelernte Floristin gehörte das Maiherzenbasteln für sie noch zum Ausbildungsprogramm. Als ihre damalige Kollegin Maria ihr aber die Anfertigung der Maiherzen aufs Auge drücken wollte, entgegnete Friederike Laumen noch entrüstet: „Maria, wir machen keine Maiherzen.“ Erst als sie den kreativen Prozess für sich entdeckte und Janoschs Tigerente und der kleine Elefant aus der Sendung mit der Maus viel Freude bei den Kunden hervorriefen, war das Eis gebrochen.

Jägermeister, Bullys, Bier

Von Birgden aus, wo sie ihren ersten Laden hatte, ging es hinaus in die Welt der Maiherzen. Über Stahe und einige andere Stationen im Raum Gangelt gelangte Friederike Laumen schließlich in eine ehemalige Autohalle in der Nähe des Gangelter Stadttors.

Wenn in den Schaltjahren die Mädels an der Reihe sind, kommt auch Spielzeug für Jungs zum Zuge: Auf Platz eins stehen Autos. Ein VW-Bully wurde schon in Krepp gedreht. Und auch Maiherzen in Form von Jägermeisterflaschen und Biergläsern werden von der Damenwelt gerne bestellt. Frauen sind halt doch die wahren Romantiker. Wenn die Liebe rostet oder eine neue entflammt, räumt Friederike Laumen ein Umtauschrecht ein: „Die Jungs bringen dann einfach die Schleife rein, und wir machen eine neue mit einem anderen Namen.“

Ein Herz von der Qualität, wie Friederike Laumen sie liefert, hält gut und gerne zehn Jahre. Damit Herzen nicht zu früh brechen, rät Laumen vor allem ihren kleinen Kunden, das frisch erstandene Herz nicht zu früh rauszuhängen. Laumen: „Die älteren Jungs müssten doch wissen, das kleine Herzen kleinen Jungs gehören. Und sie waren doch selber mal klein, da sollten sie denen doch nicht die Herzen klauen.“

Elf- bis Zwölfjährige sind es, die mit ein bisschen Taschengeld ihre ersten Maiherzen erstehen. Sie kommen in den Laden, kriegen ganz große Augen, wenn sie die großen, bunten Herzen sehen, und gehen dann höchst zufrieden mit einem kleinen Zehn-Euro-Herzchen wieder ihres Weges. Die großen Maiherzen können auch schon mal 200 Euro kosten, aber ob die auch mehr Wirkung zeigen, da ist sich Friederike Laumen nicht sicher. Auch kleine Herzen können anrühren – eigentlich eine schöne Erkenntnis.

Am 1. Mai gilt für Friederike Laumen: Füße hochlegen. Bis dahin gehört zu ihrem Arbeitstag eine lange Nacht. Dann geht es weiter mit den verpennten Maiherzkäufer am 2. Mai (auch die gibt es) und mit den Hochzeits- und Jubiläumsherzen bis zur nächsten Maiherzensaison.

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