Die letzten Besucher bringen Bücher und Geschenke

Von: jpm
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Bibliotheksleiter Martin Berghoff hatte gestern alle Hände voll zu tun. Die Besucher brachten Medien zurück und bedankten sich. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Am letzten Tag seines alten Arbeitslebens haben Martin Berghoff und seine Kolleginnen noch einmal richtig viel zu tun. Die Besucher stehen Schlange beim Leiter der Stadtbücherei, man könnte ihn für den Inhaber eines florierenden Geschäfts halten.

Das liegt allerdings nur daran, dass Hunderte von Mitgliedern noch ihre ausgeliehenen Bücher zurückgeben müssen. Andere wollen Bücher kaufen. Es ist der Dienstag nach Karneval, und wenn Martin Berghoff am Abend die Türen abschließen wird, dann für immer.

Viele der zuletzt genau 1020 Mitglieder kommen nicht nur wegen der Bücher. Sie kommen auch zum Abschiednehmen. Manche geben Geschenktüten ab, eine Besucherin hat ihre Bücher in einen kleinen, selbstgebastelten Sarg verpackt. „Eine Stadt ohne Bücherei geht gar nicht“, sagt sie. „Ich wäre gerne bereit gewesen, doppelte Gebühren zu zahlen, damit den Kindern etwas zum Lesen geboten wird.“

„Wenn ich mal zusammenrechnen würde, wie viel Zeit ich hier verbracht habe...“, sagt eine andere Frau und blickt nachdenklich um sich. Zu den Besuchern am letzten Tag der Bücherei zählt auch der Heimatforscher Jürgen Klosa. Er hat ein Gedicht geschrieben, das er den Angestellten und den Wartenden vorträgt (siehe links).

Wie geht es nun weiter? Mit den Mitarbeitern, mit den Büchern, mit den Räumen? Unserer Zeitung wurden diese Fragen von der Stadt bislang nicht beantwortet. Und wer denkt, dass zumindest der Leiter der Bücherei es wissen müsste, liegt falsch. „Ich habe keine Ahnung, mit mir hat niemand gesprochen“, gesteht Martin Berghoff.

Er muss noch zwei Jahre arbeiten, bis die Pension ansteht. Wo? Das weiß er nicht. Auch seine beiden Kolleginnen, 60 und 35 Jahre alt, hätten hierzu noch nichts erfahren, sagt er. „Am Mittwoch habe ich meinen freien Tag. Wenn ich nichts anderes höre, sitze ich am Donnerstag wieder hier und verkaufe weiter die Bücher.“

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