Geilenkirchen - Die Karawane zieht weiter durch die Stadt

Die Karawane zieht weiter durch die Stadt

Von: Udo Stüßer
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Wie eine Karawane rollt der Verkehr durch die Geilenkirchener Innenstadt, kritisieren die Grünen. Foto: Udo Stüßer
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Eigentlich sollte der Durchgangsverkehr An der Friedensburg abbiegen und an Hommerschen vorbei auf die Herzog-Wilhelm-Straße stoßen. Das geschieht aber nicht. Foto: Udo Stüßer
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Ein Verkehrshindernis sind auch die Eltern, die ihre Kinder morgens zum St.-Ursula-Gymnasium bringen und im Kreisverkehr stoppen, damit sich die Kinder direkt am zur Schule führenden Fußweg befinden. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Zu viel Durchgangsverkehr durch die Innenstadt, zu hohes Aufkommen an Lkw und Bussen, Rückstau vom Kreisverkehr am Markt in alle Richtungen zu den Stoßzeiten, Parkplatz-Suchverkehr in der Innenstadt: Die Geilenkirchener Grünen üben Kritik am Verkehrsaufkommen in der City und bezeichnen die Verkehrsdichte „als äußerst unbefriedigend“. Deshalb fordern sie die Fortschreibung der Verkehrsplanung.

„Hierbei soll insbesondere nach Möglichkeiten zur Änderung der innerstädtischen Verkehrsführung mit dem Ziel der Reduktion des reinen Durchgangsverkehrs gesucht werden“, heißt es in dem Antrag, mit dem sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung in seiner Sitzung am Donnerstag ab 18 Uhr beschäftigen wird.

Ziel der Grünen ist es, den Durchgangsverkehr auf der Konrad-Adenauer-Straße zu reduzieren und den Verkehr besser zu lenken. Damit sollen auch Engpasssituationen vor allem zu den Stoßzeiten vermieden werden. Die Grünen beantragen, eine interfraktionelle Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Fraktionen und der Verwaltung zu bilden und diese bei Bedarf durch externe Fachleute zu erweitern.

Auch die Bürger sollen in den Prozess einbezogen werden. „Hier gibt es sicherlich nicht die eine richtige Lösung, um alle Probleme in der Innenstadt zu beheben“, begründet Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden die Einrichtung eines Arbeitskreises. Ihm gehe es um die Frage, „ob es machbare und kostengünstige Möglichkeiten gibt, eine nachhaltige Verbesserung der Situation herbeizuführen“.

„In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht, das Konzept der Verkehrsführung ist nie aufgegangen“, erklärt Benden im Gespräch mit unserer Zeitung. Als größten Fehler bezeichnet er die Verkehrsführung auf der Wurmplatte in Höhe der Kreissparkasse.

Verlässt man die seitlich der Konrad-Adenauer-Straße befindlichen Parkplätze, besteht die Möglichkeit, links in Richtung Hünshoven abzubiegen. Da die Konrad-Adenauer-Straße von der Kreissparkasse bis zum Kreisverkehr am Markt Einbahnstraße ist, kann der Autofahrer nicht über die Konrad-Adenauer-Straße in Richtung Hünshoven fahren und sollte eigentlich den Weg über die Herzog-Wilhelm-Straße/Haihover Straße/Theodor-Heuss-Ring/Konrad-Adenauer-Straße nehmen.

Um diese Strecke zu umgehen, so kritisiert Benden, würden viele Autofahrer den an den Parkplätzen vorbeiführenden Zufahrtsweg nutzen, um dann an der Kreissparkasse den Weg auf der Konrad-Adenauer-Straße fortzusetzen. „So macht man es den Leuten leicht: Vom Marktplatz in Richtung Hünshoven ist der kürzeste Weg über die Wurmplatte. Die ist dafür aber nicht ausgelegt.“

Das nächste Problem ergebe sich an der Kreuzung Nikolaus-Becker-Straße/Theodor-Heuss-Ring/Konrad-Adenauer-Straße. An der Ampelanlage staue sich der Verkehr. „Und die Autofahrer kommen nicht vom Friedlandplatz weg“, sagt Benden.

Ein Hauptübel sei, dass der aus Richtung Loherhof kommende Durchgangsverkehr den Weg über den Bahnübergang hinweg durch die Stadt in Richtung Bauchem nehme und nicht vor dem Bahnübergang An der Friedensburg abbiege und dann an Hommerschen vorbei zur Herzog-Wilhelm-Straße fahre. „Stattdessen zieht die Karawane am Markt vorbei Richtung Amtsgericht. Und wenn dann noch Lieferverkehr herrscht, ist das Chaos vorhanden.“ Weiter sagt er: „Und auf dieser Strecke ist Außengastronomie angesiedelt. Die Menschen bekommen den Lärm, die Abgase und den Gestank des Staus zu spüren. Das macht eine Stadt nicht attraktiv.“

Mit einfachen Mitteln

Die Situation könne mit einfachen Mitteln geändert werden. Für denkbar hält Benden beispielsweise eine von der Konrad-Adenauer-Straße aus Richtung Hünshoven abknickende Vorfahrtsstraße An der Friedensburg. Mit einer anderen Beschilderung könne schon viel erreicht werden. „Darüber möchte ich eine Diskussion, denn es gibt nicht den einen Königsweg. Das muss durchdacht, besprochen und getestet werden. Auf jeden Fall muss der Ortsunkundige besser geleitet werden“, sagt Benden.

Der Grünen-Fraktionschef fordert auch eine bessere Ausweisung der Parkplätze: „Wir haben ausreichend Parkplätze, wir müssen sie nur finden“, sagte er. In Geilenkirchen herrsche ein regelrechter Parkplatz-Suchverkehr. „Ein Parkleitsystem sollte auf Kurzzeit- und Langzeitparken hinweisen.“

Es seien oft kostengünstige Maßnahmen, mit denen eine nachhaltige Verbesserung erreicht werden könne: „Man denke nur an den Fußweg vom Kreisverkehr am Markt zum St.-Ursula-Gymnasium. Die Eltern halten im Kreisverkehr und lassen die Kinder aus dem Auto aussteigen, damit sie zur Schule gehen. Vorher wird dann noch die Schultasche aus dem Kofferraum geholt. Diese Eltern gefährden sich und ihre Kinder und behindern den Verkehr.“ Die einfache Lösung seien nette Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die diese Eltern auf ihr Fehlverhalten hinweisen.

Die Verwaltung schlägt dem Ausschuss vor, den Antrag der Grünen zur Überprüfung der innerstädtischen Verkehrsführung abzulehnen. Die Umgestaltung des Stadtkerns auf der Basis eines integrierten Handlungskonzeptes sei erst im vergangenen Jahr durch die Realisierung des letzten Bauabschnittes fertiggestellt worden. Die Stadtkernumgestaltung und die mit ihr verbundene Verkehrsführung habe sich bewährt.

Wolle man den Vorschlag der Grünen aufgreifen, müssten nach wissenschaftlichen Methoden durchzuführende Untersuchungen vorgenommen werden, um im Rahmen einer Verkehrsplanung zu belastbaren Informationen zu kommen. Dazu gehöre, so argumentiert die Verwaltung weiter, die Erfassung und Analyse des Ist-Zustandes, die Darstellung und Untersuchung von Lösungsansätzen mit ihren Auswirkungen im Stadtkern und in der Peripherie.

„Für solch eine Untersuchung einschließlich Beteiligungsprozess wären gemessen am Grad der Ausführlichkeit erfahrungsgemäß mindestens 30 0000 Euro einzuplanen“, begründet die Verwaltung ihre Ablehnung. Die Umgestaltung des Stadtkerns einschließlich der damit konzipierten grundsätzlichen Verkehrsführung sei eine mit Städtebaufördermitteln geförderte Maßnahme gewesen. „Den Fördererfolg jetzt grundsätzlich in Frage zu stellen, hieße auch den Bestand der Förderung zu gefährden“, befürchtet die Verwaltung.

Dieses Argument lässt Benden nicht gelten: „Es geht doch nur darum, Kleinigkeiten bei der Verkehrsführung zu ändern. Da ist unsere Bezirksregierung aufgeschlossen.“ Ein Linksabbiegen auf der Wurmplatte sei im Förderantrag ohnehin noch nicht vorgesehen gewesen, sondern nachträglich als Versuchsphase eingerichtet worden. „Das war damals umstritten und ist jetzt eine verkehrte Dauereinrichtung“, kritisiert Benden.

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