Die Integration findet auch an der Werkbank statt

Von: Franz Windelen
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Sägen, hobeln, bohren: Noueddin Gannon (l.) hat einen so genannten betriebsintegrierten Arbeitsplatz in der Schreinerei von Hartwig Bardenhewer erhalten. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Chance bekommt nicht jeder. Noueddin Gannon hat den Sprung von der Caritas-Behindertenwerkstatt auf den Arbeitsmarkt geschafft. Damit betritt auch die Caritas im Kreis Heinsberg Neuland.

„Noueddin ist nämlich der Erste aus unserer Werkstatt, der in einem Unternehmen im Kreis Heinsberg beschäftigt ist”, freut sich Fredi Gärtner, Diplom-Sozialarbeiter und Leiter des Sozialen Dienstes, über diese Premiere. In der Schreinerei von Hartwig Bardenhewer im Niederheider Gewerbegebiet packt der 23-Jährige emsig mit an, hobelt, sägt, bohrt, leimt und schraubt. Fredi Gärtner und sein Caritas-Kollege Wolfgang Wiesen, Bereichsleiter Außenarbeitsplätze, sind begeistert vom handwerklichen Fortschritt Noueddins.

Der junge Mann aus Setterich profitiert von den Bestrebungen der Caritas, Menschen mit Behinderung gesellschaftlich zu integrieren. „Das Caritas-Behindertenwerk bietet in sechs Werken in der Städteregion Aachen 986 Menschen mit Behinderung einen Werkstattplatz”, erläutert Gärtner.

Doch damit nicht genug: Gemäß einer Rahmenvereinbarung, die vor einigen Jahren mit dem zuständigen Kostenträger, dem Landschaftsverband Rheinland, getroffen wurde, sollen die Behinderten in einem „Übergangsprozess” für den allgemeinen Arbeitsmarkt qualifiziert werden. „Es geht darum, durch eine intensive Förderung in einer Übergangsgruppe - etwa in der hauseigenen Druckerei, Wäscherei, Schreinerei oder Gärtnerei - gute individuelle Möglichkeiten für Behinderte zu finden”, sagt Fredi Gärtner. Und eine solche individuelle Möglichkeit, von der der Werksleiter spricht, ist auch die Aufnahme Noueddins in der Schreinerei von Hartwig Bardenhewer.

Für den Meister, der sich im Ausbilden junger Menschen auskennt, ist die Erfahrung mit dem Caritas-Schützling äußerst positiv: „Noueddin ist hochmotiviert, in ihm steckt noch genügend Potenzial, das nur gefördert und gefordert werden muss. Auch die Kunden sind zufrieden mit ihm und seiner Arbeit. Das zeigt die Tatsache, dass er nicht selten ein Trinkgeld kassiert.” Der Schreinermeister hatte Gelegenheit, Noueddin genauer kennenzulernen. Vier Wochen lang absolvierte er ein Praktikum im Niederheider Betrieb. So gut, so zufriedenstellend für alle, dass Hartwig Bardenhewer zum Schluss kommt, dem 23-Jährigen eine weitere Perspektive, sprich einen so genannten betriebsintegrierten Arbeitsplatz anzubieten.

„Langfristiges Ziel eines betriebsintegrierten Arbeitsplatzes kann der Übergang des Behinderten in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sein”, erläutert Gärtner. „Betriebsintegrierte Arbeitsplätze haben den Zweck, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft einzugliedern”, verweist Gärtner auf den vielzitierten Inklusionsgedanken. Wolfgang Wiesen ergänzt: „Dabei wollen wir in keinster Weise in Konkurrenz zu den Leiharbeiterfirmen treten. Die Menschen sollen durch die Arbeit ihr Selbstwertgefühl stärken. In großen Firmen, mit Fließbandarbeit lässt sich der Inklusionsgedanke deshalb nur schwer umsetzen.”

Fast familiäre Atmosphäre

In der fast familiären Atmosphäre der Schreinerei Bardenhewer indes geht das Konzept des Caritas-Behindertenwerkes offensichtlich auf - wie Noueddin Gannons Zwischenbilanz belegt: „Fünf Jahre habe ich in der Behindertenwerkstatt gearbeitet. Aber es ist toll, hier in der Schreinerei arbeiten und dazulernen zu können.” Dabei nimmt der 23-Jährige die werktägliche strapaziöse An- und Heimreise von bzw. nach Setterich per Bus gerne in Kauf. Er weiß um seine Chance. Und nutzt sie.
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