Die „giftige Steigung” an der Copacabana

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Vor und nach dem Start hat Hor
Vor und nach dem Start hat Horst Heinrichs Zeit, sich mit den Freunden und guten Bekannten zu treffen und zu plaudern. Repro: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Er hadert mit der gelaufenen Zeit und er schwärmt von dem Land, das er mit einer Halbmarathonzeit von 2.15 Stunden verlassen hat: „Brasilien ist ein Traum”, erzählt Horst Heinrichs. „Die Zuschauer, die mich fortwährend anfeuern, die wunderbare Strecke entlang der Copacabana und die ganze Mentalität begeistern mich”, resümiert Heinrichs nach seinem elften Besuch am Zuckerhut.

„1.21”, lautet lachend die Antwort auf die Frage, wie denn seine Bestzeit gewesen sei, damals, als er vom Marathon auf die Halbdistanz gewechselt ist. Den ersten seiner rund 40 Marathonläufe bestritt er 1976 in Athen.

Da standen dann am Ende 3.13 Stunden auf der Urkunde. Diese Urkunde, viele andere, Medaillen, Pokale und andere Erinnerungen schmücken die Wände im Haus am Heinsberger Tor in Gangelt.

Ägypten 1983 war der sportliche Höhepunkt, als er nach zwei Stunden und 55 Minuten die bei allen Marathonläufern so wichtige Dreistundenmarke knackte. In diesen Jahren stand natürlich der sportliche Wettstreit im Vordergrund; die Sehenswürdigkeiten, die touristischen Ziele und die Bevölkerung spielten eine untergeordnete Rolle.

Heute ist das anders. In Brasilien hat er Freunde. Da steht dann natürlich auch die Geselligkeit im Vordergrund und der Sport ist eine angenehme Zugabe. Das heißt aber nicht, dass sich Horst Heinrichs nicht so professionell wie möglich vorbereitet. „Als es im April und Mai hier so heiß war, habe ich intensiv trainiert.”

Oft sah man ihn durch die Felder rund um Gangelt laufen. Der Lauf an der Copacabana habe das „gewisse Etwas”, so der Gangelter. Zum Beispiel eine zwei Kilometer lange „giftige Steigung”. Getragen wird er dabei nicht nur von den 7000 Teilnehmern, die sich mit ihm Meter um Meter dem Ziel entgegenkämpfen.

Besonders freute ihn aber das Anfeuern durch die vielen Zuschauer. „Alemao, Alemao”, werde da gerufen, wenn er als einer der wenigen deutschen Teilnehmer zu erkennen ist. Wie ist man als Deutscher zu erkennen, wenn es nicht auf der Startnummer steht? „Seit Jahren laufe ich im Ausland mit einer Sporthose in den Farben der deutschen Fahne”, kann Horst Heinrichs so manche Geschichte um dieses Stück Textil erzählen.

Laufen war schon zu Kindertagen für Heinrichs und seine Kameraden ein beliebter Sport. 1972 begann er sich ausführlich mit den langen Distanzen zu beschäftigen. In 36 Ländern ist er gestartet und hat einen enormen Schatz an Eindrücken und Stempeln im Reisepass gesammelt.

Blumig die Geschichten, die der inzwischen 71-Jährige zu erzählen weiß. Honolulu auf Hawaii, Jordanien, Tunesien, New York und Rio sahen ihn als Marathonläufer. Den Silvesterlauf im brasilianischen Sao Paulo bestritt er acht Mal. Um die ägyptischen Pyramiden hat es ihn ebenso getrieben wie auf die 110-Kilometer-Distanz zwischen Mönchengladbach und dem belgischen Verviers.

Den Ostblock bereiste er als Läufer ebenso, wie die nahe Heimat oder die beliebtesten Ferienziele der Deutschen, natürlich auch Mallorca. 2002 hat er einen Lauf an der chinesischen Mauer bestritten -einer der vielen Höhepunkt in einem an Höhepunkten reichen Läuferleben.

Ein Rennen in Jerusalem ist eines seiner nächsten Ziele: ”Davon hört man nur beeindruckende Berichte”, hat er sich schon schlau gemacht. Abgehakt hat er den australischen Kontinent. Der Flug dauert ihm zu lange und in einem Radius von drei bis vier Flugstunden gibt es noch einige weiße Flecken auf der Lauf-Landkarte des Horst Heinrichs.
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