Die Dritte der Darts-Weltrangliste lebt in Breberen

Von: Jan Mönch
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Gestreckter Daumen, spitze Pfeile: Wenn Irina Armstrong aus Gangelt Darts in den Händen hält, ist sie in ihrem Element. Ihre Trophäensammlung wächst und wächst. Foto: Jan Mönch

Gangelt. Der Name Armstrong hat so manchen prominenten Träger. Zuvorderst zu nennen sind da sicherlich ein früher mal populärer Fahrradfahrer, ein legendärer Jazz-Trompeter sowie ein gewisser Astronaut. Eher selten kommt der Name in unseren Breiten vor, und wenn die Trägerin dann auch noch mit einem leichten, aber doch unüberhörbaren russischen Akzent spricht, ist das schon mal ein kleines Kuriosum für sich.

Wesentlich interessanter an Irina Armstrong – 43 Jahre alt, zweifache Mutter, wohnhaft im Gangelter Ortsteil Breberen – aber ist, dass sie Darts spielt. Und das ausgesprochen gut. Und vor allem: ausgesprochen erfolgreich. Kürzlich ist Irina Armstrong aus England in ihre Gangelter Wahlheimat zurückgekehrt. Bei der Weltmeisterschaft in Lakeside hatte sie es unter die besten Acht geschafft. In der Weltrangliste der World Darts Federation (WDF) steht sie momentan auf dem dritten Platz, in den vergangenen sieben Jahren war sie stets unter den ersten Fünf.

Für die Spitzenposition hat es allerdings noch nicht gereicht. Bislang jedenfalls – was nicht ist, kann ja noch werden. Irina Armstrong weiß das selbst am allerbesten. Als sie vor rund 20 Jahren aus Russland nach Deutschland kam, hatte sie mit Darts nicht das Geringste am Hut. Sie hatte eine ungefähre Ahnung, dass es da ein Spiel gibt, bei dem zumeist männliche Personen mit Pfeilen auf eine Scheibe werfen und hoffen, dass die Pfeile in der Scheibe stecken bleiben. Das war es auch schon. Und es sollten abermals einige Jahre ins Land ziehen, bis sie zum ersten Mal Darts in der Hand hielt.

Das ist 14 Jahre her, Irina Armstrong war also immerhin schon 29 Jahre alt. In einem Café drückte ihr jemand drei Darts in die Hand. „Und da habe ich schnell gemerkt, dass ich sehr gut bin“, erzählt Irina Armstrong. Das Café gehörte einem gewissen John Armstrong, womit auch geklärt wäre, wie die nach eigener Einschätzung „semi-professionelle“ Darts-Spielerin zu ihrem wohlklingenden Nachnamen gekommen ist. Selten hat ein Café-Besuch einen Lebenslauf so sehr verändert.

Dann ging alles ganz schnell. Nach ein paar Wochen des Übens hatte John Armstrong an der Dartscheibe bereits keine Chance mehr gegen seine Irina. Vor Turnieren trainiert sie heute täglich, donnerstags spielt sie in der niederländischen Ehrendivision. Bei internationalen Turnieren trat sie früher für Russland, mittlerweile für Deutschland an. Die wichtigsten Pokale und Medaillen werden im Wohnzimmer in Breberen zur Schau gestellt. Der allergrößte Teil lagert in Kartons im Keller. Reichlich viel Glanz für einen Sport, den noch immer ein wenig der Ruch der Kneipendomäne umgibt.

Die wenigsten ahnen, dass sich mit diesem Sport ab einem gewissen Level mehr als nur gutes Geld verdienen lässt – zumindest als Mann. Das Preisgeld für den Erstplatzierten bei der WM in Lakeside lag bei den Männern bei üppigen 100.000 Pfund. Die beste Frau musste sich mit vergleichsweise bescheidenen 12.000 zufrieden geben. John Armstrong, der seine Frau bei Turnieren durch die Welt begleitet, hat jedoch festgestellt, dass die Frauen immer mehr aufholen. Außerdem werde Darts in Deutschland immer populärer, immer häufiger seien Übertragungen auch im deutschen Fernsehen zu verfolgen. Und Irina Armstrong ist ein kleiner Teil dieses kleinen Trends.

Und was macht eigentlich der Nachwuchs? Irina Armstrong lacht und deutet auf ihre Wohnzimmerwand, an der – natürlich – eine Dartscheibe hängt. Darunter sind jede Menge kleine, runde Löcher zu sehen. Die achtjährige Tochter habe angefangen zu üben. Was nicht ist, kann ja noch werden. Das wissen die Armstrongs.

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