Die Ausbildung als beste Grundlage für Integration

Von: Udo Stüßer
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Sidiki Traore (links) und Mamadou Aliou Diallo (rechts) bitten Anika Evertz, Yvonne Wolf und Julia Lange (Mitte von links) ans Salatbuffet des Franziskusheimes. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Sidiki Traore lebt seit zweieinhalb Jahren als Flüchtling in Geilenkirchen. In seinem Heimatland Guinea ist der heute 21-Jährige nie zur Schule gegangen. Als Jugendlicher hat er im Straßenbau ausgeholfen. Auch der 22-jährige Mamadou Aliou Diallo stammt aus Guinea. Jetzt war er Teil des Flüchtlingsprojekts der Franziskusheim gGmbH.

Sieben Jahre hat Mamadou die Schule besucht und anschließend seinem Vater beim Verkauf von Lebensmitteln geholfen. Auch er lebt seit zweieinhalb Jahren als Flüchtling in Geilenkirchen. Eine Ausbildung haben beide nicht absolviert. Erst recht nicht als Koch. „In Afrika kochen nur Frauen“, lachen sie. Doch hier, in der Geilenkirchener Franziskusheim gGmbh, freuen sich beide auf ihre Ausbildung zum Beikoch, die sie im Sommer beginnen.

Überglücklich ist auch Julieta Metushaj, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Die junge Frau, die aus Albanien geflüchtet ist und hier auf Asyl hofft, hat im Franziskusheim bereits zum 1. Oktober eine Ausbildung in der Altenpflege begonnen. Und das mit Erfolg. Die erste Klausur wurde mit 2,1 bewertet. Auch ihre Ausbilderin ist mehr als zufrieden: „Sie arbeitet sehr engagiert“, lobt Julia Lange. Ohne den Ausbildungsplatz wäre sie ungeachtet ihres schweren Schicksales abgeschoben worden.

Traore, Diallo und Metushaij sind drei Menschen, die an einem ehrgeizigen und in der Region einmaligen Projekt der Franziskusheim gGmbH teilgenommen haben. 19 Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, aus Pakistan, Ägypten und dem Iran, aus Ghana, Guinea und Albanien haben zunächst fünf Tage in der Woche vier Monate lang Deutsch gelernt.

In einem zweiten Schritt wurden sie zwei Tage lang in Deutsch unterrichtet und haben drei Tage in der Woche in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens gearbeitet. Im haustechnischen Bereich, in der sozialen Betreuung der Bewohner, in der Pflege, in den Küchen und in der Wäscherei wurden sie eingesetzt. Nach dem Praktikum hatten sie die Chance, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu erhalten.

Bei den Verantwortlichen des Projektes – Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, Projektleiterin Julia Lange und Yvonne Wolf, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Geilenkirchen – ist die Enttäuschung derzeit groß: Von 19 Flüchtlingen haben nur fünf durchgehalten. Die 14 anderen haben auf der Strecke das Handtuch geworfen. Neben den Dreien wurde eine weitere Kursteilnehmerin in der Reinigung fest angestellt, eine weitere hat das Haus verlassen.

Für zwei Flüchtlinge, die das Handtuch geworfen haben, hatte Hanno Frenken sogar gemeinsam mit der IHK Aachen eigens zwei bis dato nicht vorhandene Ausbildungsplätze in der Haustechnik geschaffen, Haustechniker des Franziskusheimes haben sich zum Ausbilder schulen lassen. „Die beiden Flüchtlinge haben trotz aller Unterstützung der Mitarbeiter nach drei Monaten die Ausbildung abgebrochen. Das war für uns ein herber Rückschlag“, bedauert Frenken.

„Sie wollten schnell Geld verdienen und haben nicht verstanden, dass eine Ausbildung die beste Grundlage für Integration ist“, erklärt Yvonne Wolf. „Unser Ziel war ja nicht, die Menschen in Arbeit zu bringen, sondern wir wollten ihnen eine Perspektive verschaffen“, fügt Julia Lange hinzu. Derweil bedauert Hanno Frenken auch: „Die Männer in der Haustechnik haben viel persönliches Engagement eingebracht.“

Dass nicht mangelnde Sprachkenntnisse der Grund für das Scheitern war, sagt Anika Evertz, die Deutsch und Religion für das Gymnasiallehramt studiert und im Franziskusheim den Deutschunterricht für Flüchtlinge übernommen hat. Sie kennt auch Gründe dafür, warum so manche Frau aus dem Projekt ausgestiegen ist.

„Manchmal sind es unüberbrückbare kulturelle Unterschiede. Frauen haben aufgehört, weil sie geheiratet haben. Aus deren Sicht müssen verheiratete Frauen nicht arbeiten.“ Yvonne Wolf kennt auch einen anderen Grund: „Asylbewerber fallen in die Zuständigkeit der Stadt. Werden sie anerkannt, fallen sie in die Zuständigkeit des Job Centers. Dann beziehen sie eine eigene Wohnung und beenden ein solches Projekt. Ich persönlich finde das enttäuschend.“

Unverständnis herrscht auch bei Hanno Frenken: „Alle, Lehrer und Mitarbeiter, haben neben ihrem Job so viel persönliches Engagement in das Projekt gesteckt. Dann ist es schwierig zu verstehen, dass es nicht angenommen wird.“

Nicht nur die Flüchtlinge, zumindest die, die durchgehalten haben, haben von dem Kurs profitiert: „Ich habe einen Einblick in fremde Kulturen erhalten und konnte mich als Lehrerin ausprobieren“, sagt Anika Evertz. „Die Flüchtlinge waren auch eine Bereicherung für unsere Bewohner. Sie hatten keine Berührungsängste“, erklärt auch Julia Lange.

Wiederholt wird das Projekt in der Form nicht mehr. „Die große Flüchtlingswelle ist vorbei. Die Asylbewerber, die hier leben, haben alle einen Integrationskurs absolviert“, erklärt Julia Lange. „Heute sind alle zur Teilnahme an einem Integrationskurs verpflichtet“, ergänzt Yvonne Wolf, die das Projekt als einzigartig in der Region lobt.

Hanno Frenken will derweil bei Bedarf Praktikumsstellen zur Verfügung stellen. Auch ein drei- bis viermonatiges Praktikum kann der Beginn einer Festanstellung im Franziskusheim werden.

Sidiki Traore und Mamadou Aliou Diallo jedenfalls haben es geschafft. Sie freuen sich jetzt riesig auf ihre Ausbildung zum Beikoch. Und sie haben weitere Pläne: Schaffen sie die Ausbildung zum Beikoch, würden sie gerne die Ausbildung zum Koch anschließen.

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