Geilenkirchen - Deutlich weniger Inobhutnahmen in Geilenkirchen

Deutlich weniger Inobhutnahmen in Geilenkirchen

Von: Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
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Entgegen dem Landestrend sank die Zahl der Inobhutnahmen von verwahrlosten und sexuell missbrauchten Kindern in Geilenkirchen deutlich. Foto: ddp

Geilenkirchen. Im Jahr 2009 haben die Jugendämter in NRW 9932 Kinder und Jugendliche vorläufig unter Schutz gestellt. Das waren 6,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl habe damit einen neuen Höchststand erreicht, teilte Information und Technik NRW als Statistisches Landesamt nun mit.

Wie ist die Lage vor Ort? Darüber informierte Wilfried Schulz, Leiter des Jugend- und Sozialamtes der Stadt Geilenkirchen, auf Anfrage dieser Zeitung.

Zunächst einmal wies Schulz darauf hin, dass die Inobhutnamen durch die Jugendämter nur einen kleinen Teil der geleisteten Erziehungshilfe darstelle. „Das sind Sofortmaßnahmen, die im Falle von Verwahrlosung der Kinder, Gewalt oder sexuellem Missbrauch durch die Eltern, ergriffen werden.”

Unterschieden werde zwischen den Inobhutnahmen, die mit Einwilligung der Eltern und ohne eine solche durchgeführt werden. Bei letzteren entscheide das Familiengericht, ob das betroffene Kind unter Schutz gestellt wird.

Im Jahr 2009 habe es insgesamt 19 Betroffene in Geilenkirchen gegeben -Êdavon 18 Kinder unter 14 Jahren und ein Jugendlicher. Fünf dieser Inobhutnahmen seien ohne Einwilligung der Eltern erfolgt, das heißt auf gerichtlichem Beschluss hin.

„Im Jahr 2008 gab es 26 Fälle, bei uns ist die Zahl also gesunken”, analysiert Schulz die Zahlen im Vergleich zum Landestrend. Die rückläufige Zahl führt er auf den präventiven Ansatz der Stadt zurück. So nehme die sozialpädagogischen Familienhilfe die größte Stellung ein.

106 Kinder wurden im vergangenen Jahr von Fachkräften ambulant betreut, weitere 23 wurden bei Pflegefamilien untergebracht, 33 in Heimen.

„Durch diese Erziehungshilfen sind wir vor Sofortmaßnahmen weitgehend geschützt”, erklärt Schulz: „Außerdem guckt die Gesellschaft inzwischen genauer hin, es gab viele Hinweise durch Kindergärten und Schulen, Nachbarn, aber auch durch die Eltern selbst.” Es sei nicht so, dass das Jugendamt über die Köpfe der anderen hinweg entscheidet. „Denn”, so betont der Sozialamtleiter, „die meisten Erziehungshilfen werden im Einvernehmen zwischen Jugendamt und Eltern getroffen, es besteht eine gute Zusammenarbeit.”

Im vergangenen Jahr seien 35 Verdachtsfälle auf Kindeswohlgefährdungen gemeldet worden. Nicht bei allen aber kam es zu Inobhutnamen - eben weil man sich häufig gemeinsam auf andere Lösungen habe einigen können. Wie dem auch sei: Es gibt sie, die Fälle von Verwahrlosung, Gewalt oder sexuellem Missbrauch in der Familie. Auch in Geilenkirchen. Das will Schulz nicht abstreiten. Bei der Suche nach den Gründen will er nicht pauschalisieren, will nicht behaupten, dass die Probleme nur bei sozial schwächeren Familien auftreten.

Was in vielen Familien fehle, das sagt er deutlich, sei ein geregelter Tagesablauf, eine Vorbildfunktion, die die Eltern ihren Kindern gegenüber einnehmen. Deshalb befürwortet Schulz den Ausbau der Betreuungsangebote und das längere gemeinsame Lernen. Dadurch erhielten alle Kinder gleiche Chancen auf einen geregelten, strukturierten Alltag.

Am meisten gefährdet seien Kinder unter drei Jahren, da sie noch nicht im Kindergarten betreut werden und es so noch keine kontrollierende zweite Instanz gebe. Schulz empfiehlt daher, auch in der Nachbarschaft die Augen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung offen zu halten.
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