Der seltene Eisvogel siedelt auch am Rodebach

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Fritz Leistner (l.) und Franz Oschmann haben eine Bruthöhle und weitere Nisthilfen für den Eisvogel erstellt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Die Leute vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) arbeiten ja üblicherweise nur für ein Dankeschön; wenn das aber so ausfällt wie bei der letzten Aktion, dann wollen die Naturschützer wohl auch gar nicht mehr.

„Es ist kein Vogelliebhaber-Latein”, lacht Franz Oschmann, als er über den Bau von Nisthilfen für Eisvögel berichtet. „Als ich mit Fritz Leistner bei der Arbeit war, flog mindestens viermal ein Eisvogel vorbei, ließ sich in der Nähe nieder und beobachtete unsere Arbeit.”

Das sei so gewesen, als habe der Vogel nur darauf gewartet, dass es endlich Nistmöglichkeiten im Rodebachbereich gibt.

Aus der letzten bundesweiten Erhebung, die einige Jahre alt ist, geht hervor, dass man mit rund 4000 Eisvögeln in Deutschland rechnet. Seit 1971 kürt der Naturschutzbund Deutschland alljährlich einen „Vogel des Jahres”.

Nach 1973 ist der Eisvogel auch in diesem Jahr wieder der Titelträger. Schade nur, dass es meist Rote-Liste-Arten sind, denen diese Ehre zuteil wird.

Hohe Sterblichkeitsrate

Denn nicht nur der zurückgehende Lebensraum der Tiere bereitet Probleme; die Sterblichkeitsrate liegt bei 80 Prozent und wird durch Raubwild (unter anderem Katzen) ebenso in die Höhe getrieben wie durch zahlreiche andere Umwelteinflüsse.

Wenn man einen Eisvogel sieht, fällt natürlich zuerst das leuchtende Gefieder auf. Aber auch die gedrungene Gestalt des 16 bis 20 Zentimeter großen Vogels ist markant.

Wie viele der herrlichen Tiere es im Rodebachtal gibt, ist nicht ganz klar. Mehr als eine Handvoll wird es nicht sein. Franz Oschmann sieht hin und wieder ein Exemplar im Bereich des ehemaligen Zollamtes.

„Aber ich habe noch nie einen eintauchen sehen”, erinnert er an die typische Art, wie der Eisvogel jagt. Stoßtauchen nennt man es, wenn sich der Vogel von seinem Ansitz aus kopfüber mit beschleunigenden Flügelschlägen ins Wasser stürzt, um kleine Fische, Insekten oder Kaulquappen zu erbeuten.

Nisthöhlen haben Franz Oschmann und seine Nabu-Mitstreiter im Rodebachtal noch keine gefunden. „Der Rodebach selber ist ja zumindest in den Sommermonaten eine Autobahn”, erinnert Oschmann an die vielen Radfahrer und Wanderer, die für zuviel Unruhe sorgen würden. Dabei hat der Rodebach an einigen Stellen die richtigen Voraussetzungen für Eisvogel-Bruthöhlen. Steil und aus Lehm oder festem Sand muss die Wand sein, in die der Vogel seine Bruthöhle baut, die 80 Zentimeter und länger sein kann. Unter optimalen Bedingungen schafft der Vogel von März bis September bis zu vier Bruten. Darauf sind die Nabu-Aktivisten in Gangelt jetzt gespannt. Wo genau eine fertige Bruthöhle eingebaut und an zwei weiteren Stellen entsprechende Steilwände vorbereitet wurden, soll nicht verraten werden. Absolute Ruhe ist das oberste Gebot für den erhofften Erfolg. „Wir sitzen jetzt aber nicht hier und warten auf den Eisvogel”, nutzt Franz Oschmann die Gelegenheit, Werbung für die letzte Aktionen zum Kopfweidenschnitt zu werben. Am 21. Februar trifft man sich um 9.30 Uhr am Fahnenparkplatz Wildpark. „Als wir 1979 mit dem Bund für Vogelschutz anfingen, bestand unsere Hauptaufgabe darin, Nistkästen aufzuhängen”, erinnert sich Oschmann.

Kontinuierliche Pflege

Die kontinuierliche Pflege der rund 800 Kopfweiden im Rodebachtal soll eines Tages dazu führen, dass die Vogelhäuser nicht mehr nötig sein werden und die Weiden als Ersatz dienen. Für den Eisvogel käme allerdings eine Weide als Brutplatz nicht in Frage.
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