Kreis Heinsberg - „Der Mega-GAU“: Züchter in Angst vor der Schweinepest

„Der Mega-GAU“: Züchter in Angst vor der Schweinepest

Von: disch
Letzte Aktualisierung:
16003009.jpg
Die Angst vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist groß. Dies wäre ein „Mega-GAU“, hieß es am Donnerstag bei den Schweinezüchtern. Foto: imago / Marius Schwarz
16003011.jpg
Wildschweine sind vor dem Hintergrund von ASP ins Visier geraten. Foto: imago / Oliver Willikonsky

Kreis Heinsberg. „Das wäre der Mega-GAU!“ Rudolf Hilgers, für seine klaren Worte bekannter Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Schweineproduktion für den Kreis Heinsberg, brachte es am Donnerstag auf einen kurzen Nenner: Die Angst ist bei den Schweinezüchtern spürbar. Die Stimmungslage sei „sehr, sehr angespannt“, bestätigte Hilgers.

Und als Mega-GAU würde er es bereits betrachten, wenn irgendwo in Deutschland die Afrikanische Schweinepest (ASP) auftreten würde, denn: „Dann würden unsere Exportmärkte die Schotten dicht machen.“ Der damit verbundene Preisverfall würde alle Schweinezüchter empfindlich treffen.

Gibt es eine Steigerung von Mega-GAU? Ein Ausbruch von ASP im Kreis Heinsberg wäre für die betroffenen Züchter jedenfalls eine große Katastrophe. „Ein Alptraum“, so Hilgers.

Was dann passieren würde, erklärte auf Anfrage die Pressestelle des Kreises: „Bei einem Ausbruch im Wildschweinbestand würde um den Fundort des an Afrikanischer Schweinepest verendeten Tieres ein gefährdeter Bezirk mit einem Radius von 15 Kilometern eingerichtet sowie eine Pufferzone von etwa 30 Kilometern. Im gefährdeten Bezirk würde eine Fallwildsuche (weitere verendete Wildschweine) vorgenommen und später auch eine vermehrte Bejagung von Wildschweinen stattfinden.

Zunächst gilt für den gefährdeten Bezirk eine Jagdruhe von 21 Tagen, um unnötige Wildbewegungen zu vermeiden. Bei einem Ausbruch in einem oder mehreren Schweine­betrieben würden die betroffenen Bestände gekeult, ein Sperrbezirk mit Radius von drei Kilometern sowie ein Beobachtungsgebiet mit einem Radius von zehn Kilometern eingerichtet. Im Sperrbezirk gilt zunächst ein ,stand still‘: keine Schweinetransporte, keine Schlachtungen sowie Untersuchungen aller im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet liegenden Schweinehaltungen.“

Für die Schweinezüchter sei ASP kein neues Thema, sagte ihr Vorsitzender Hilgers. „Was uns beunruhigt, ist die Tatsache, dass sie immer näher auf uns zurückt.“ Und es gebe nun einmal keinen Impfstoff gegen ASP. „Das ist wie eine Lawine, die langsam und unaufhaltsam auf uns zurollt und der man nur schwer ausweichen kann.“

Das Veterinäramt des Kreises empfiehlt den Schweinehaltern „Herstellung der Bio-Sicherheit, wobei der Standard im Kreis Heinsberg als hoch bewertet wird“. Das bedeute, möglichst wenig fremde Personen in die Betriebe zu lassen und wenn, dann nur mit betriebseigener Schutzkleidung. Bei Landwirten, die in der Jagd aktiv seien, sollten Jagdgegenstände und Jagdkleidung vom Betrieb ferngehalten werden.

Auch mit Blick auf andere Krankheiten und Seuchen hätten Schutzvorkehrungen – im Zusammenwirken mit dem Veterinäramt getroffen – ohnehin schon eine große Bedeutung, so Hilgers. Da gehe es einerseits um Einzäunung der Höfe und vor allem um Hygienemanagement mit Schutzkleidung, Desinfektion und Führen von Besucherlisten. Vorsicht sei auch angeraten beim Zukauf von Tieren, ob Muttertiere oder Eber: „Nur aus bekannten Quellen!“

Hilgers hat für seine Kollegen die dringende Empfehlung, sich mit Blick auf den (hoffentlich nicht eintretenden) Ernstfall nicht alleine auf die Tierseuchenkasse zu verlassen, sondern zusätzlich eine Tier-Ertragsschadenversicherung abzuschließen. Denn ehe ein neuer Bestand wieder aufgebaut sei und auf den Markt gebracht werden könne, würde schnell ein Jahr ins Land gehen, aber die Kosten würden in dieser Zeit ja weiterlaufen. Ohne eine Absicherung könne das nicht jeder Betrieb überleben.

Wie bereitet sich die Kreisverwaltung auf den Ernstfall vor? Material für die Bekämpfung von Tierseuchen werde grundsätzlich in ausreichender Menge vorgehalten, heißt es dazu. Bei einem größeren Ausbruch würde gegebenenfalls auf Mitarbeiter der Veterinärbehörden aus NRW zurückgegriffen. Ein Krisenstab würde eingerichtet, wenn die Größe des Ausbruchs und die damit verbundenen umfangreichen Koordinierungsmaßnahmen es erforderten.

Der Kreis Heinsberg hat – nach einem für alle unteren Jagdbehörden geltenden Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen – die Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert