Geilenkirchen - Der Landarzt: „Menschlichkeit ist unser Rüstzeug“

Der Landarzt: „Menschlichkeit ist unser Rüstzeug“

Von: Udo Stüßer
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Vor 50 Jahren hat Dr. Klaus Hanhoff (im Vordergrund) seine Arztpraxis in Geilenkirchen gegründet. Auch seine Frau Hildegard (vorne Mitte) und seine Söhne Gunter (hinten rechts) und Volker (hinten links) sind als Fachärzte für Allgemeinmediziner in die Praxis eingestiegen. Neben den Arzthelferinnen gratuliert auch Dr. Günther Ferber (hinten Mitte), der in der Gemeinschaftspraxis tätig ist. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wenn der 82-jährige Dr. Klaus Hanhoff über seinen Beruf spricht, tut er das mit großer Begeisterung. Seine Liebe zur Medizin und die Verbundenheit mit den Menschen waren Gründe, warum der Geilenkirchener bis zu seinem 77. Lebensjahr in seiner Arztpraxis tätig war. Ein Blick auf das Leben eines Landarztes.

„Meinen Beruf habe ich stets mit großem Einsatz und mit Begeisterung ausgeübt. Die Entscheidung für ihn war das Beste, was ich je getan habe, nach der Hochzeit mit meine Frau natürlich“, schmunzelt er.

Vor 50 Jahren hat sich Klaus Hanhoff als Landarzt in Geilenkirchen niedergelassen. Das war in einer Zeit in der sich vier Allgemeinmediziner, ein Augenarzt und ein Röntgenarzt um das Wohlergehen der Geilenkirchener Bevölkerung sorgten. Heute sind es mehr als 40 Mediziner.

Nach dem Staatsexamen im Jahre 1961 war der junge Arzt Klaus Hanhoff fünf Jahre in verschiedenen Krankenhäusern tätig. „Es war immer schon mein Traum, als Landarzt zu arbeiten. Deshalb habe ich bereits während meiner Ausbildung einen Blick in alle medizinischen Fächer geworfen“, erzählt er rückblickend.

Während Klaus Hanhoff und seine aus Geilenkirchen stammende Frau Hildegard im hessischen Bad Wildungen lebten und arbeiteten, herrschte in Geilenkirchen medizinischer Notstand. „Freunde und Bekannte bedrängten uns, nach Geilenkirchen zu kommen und eine Praxis zu eröffnen. Hier war Diaspora“, sagt Hanhoff, der damals nicht lange zögerte und sich damit seinen Traum erfüllte. Am 2. November 1966 eröffnete der Facharzt für Allgemeinmedizin im Gebäude des heutigen Kindergartens an der Herzog-Wilhelm-Straße seine Praxis.

Doch die Anfänge waren schwierig. Während die anderen Ärzte über große Belastung klagten, blieb das Wartezimmer von Hanhoff anfänglich fast leer. Hanhoff war noch ein Unbekannter, ein Fremder. „Und wir waren mitten im Quartal gekommen, da konnten Patienten nicht den Arzt wechseln“, blickt auch Hildegard Hanhoff, ebenfalls Ärztin, auf schwierige Zeiten zurück.

Doch schnell gewann Hanhoff das Vertrauen der Menschen. Hatte er im ersten Quartal gerade einmal 175 Patienten, so waren es im zweiten Quartal schon 400 und im dritten Quartal bereits 800. Zwei Jahre später platzte seine Praxis aus allen Nähten, und Hanhoff kaufte das Haus an Frankenruh 1. Auch heute noch ist hier die Praxis untergebracht.

In der Anfangsphase kümmerte sich Dr. Hildegard Hanhoff um den Haushalt, um ihre beiden Söhne Gunter und Volker und um die Buchführung der Praxis. 1989 stieg die Ärztin mit in die Praxis ihres Mannes ein. Sehr zur Freude der Eltern hatten die Hanhoffs auch bei ihren Söhnen die Liebe zur Medizin geweckt und die Begeisterung für den Arztberuf übertragen. Nach dem Studium trat zunächst Gunter 1998, dann Volker im Jahr 2001 in die Praxis ein.

„Wir konnten von den Erfahrungen unserer Eltern profitieren, sie konnten aber auch von uns etwas lernen. Wir haben uns alle gut ergänzt“, lobt Dr. Volker Hanhoff die gute Zusammenarbeit. Im Jahre 2007 verkaufte Hildegard Hanhoff ihren Praxisanteil, mit Dr. Günther Ferber stieg ein Internist aus dem Geilenkirchener Krankenhaus mit in die Praxis ein.

Wenn Hanhoff heute ein halbes Jahrhundert später zurückblickt, denkt er an Arbeitstage von 8 bis 20 Uhr, an manchen Tagen bis 24 Uhr. Bis zu 20 Hausbesuche am Tag waren keine Seltenheit. „Unser Telefon musste immer besetzt sein. Wir waren verpflichtet, bis Samstagmittag rund um die Uhr erreichbar zu sein“, so Hanhoff. „Das Wochenende war dann wie eine Befreiung für uns“, meint Hildegard Hanhoff. Erst 25 Jahre später richtete ein kleiner Kreis von zehn Ärzten einen nicht von offizieller Seite geregelten Notdienst ein. Die Hanhoffs haben diese Zeit aber nie als große Belastung gesehen. „Als junger Arzt habe ich einmal sechs Wochen lang Tag und Nacht im Krankenhaus zugebracht.“

Bis zu seinem 77. Lebensjahr arbeitete Klaus Hanhoff in der Praxis, auch Hausbesuche waren für ihn immer noch eine Selbstverständlichkeit. Und auch heute noch, fünf Jahre später, fährt er jeden Montag in die Praxis und gibt einen großen Strauß rote Rosen ab. „Mein Mann liebt Blumen. Damit drückt er seine Reverenz an die Praxis und Mitarbeiterinnen aus“, erklärt Hildegard Hanhoff.

Auf den Ärztemangel in ländlichen Gebieten angesprochen meint Hanhoff: „Hier in Geilenkirchen sehe ich auch in den nächsten Jahren keinen Handlungsbedarf. Die Ärztedichte ist ausreichend, und viele Ärzte haben die Freude an diesem Beruf an ihre Kinder weitergegeben.“ Sicherlich biete die Stadt für junge Ärzte einige Vorteile: „Es gibt mehr Annehmlichkeiten wie Kino und Theater.“ Und Volker Hanhoff weiß: „Und auf dem Dorf kommen die Leute auch abends noch beim Doktor vorbei. Die kann man nicht wegschicken.“ Dabei hat er stets eine Maxime seines Vaters vor Augen. „Menschlichkeit ist unser Rüstzeug, sonst kann man kein Arzt sein.“

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