Geilenkirchen - „Der Kalte Krieg ist Teil von Putins Politik“

„Der Kalte Krieg ist Teil von Putins Politik“

Von: mabie
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Russlandexperte Andrey Gurkov war auf Einladung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und der Anton-Heinen-Volkshochschule zu Gast im Geilenkirchener Haus Basten. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Zum Ende des Vortragsjahres bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) – früher als Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) bekannt – gab es im Bürgersaal des Hauses Basten noch einmal ein hochkarätiges Thema.

Und mit Andrey Gurkov fand die Sektionsleitung für Aachen/Heinsberg der GSP in Zusammenarbeit mit der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg noch einen Referenten, der wie kein zweiter in die russische Seele blicken kann.

Heißeste Phase

Der gebürtige Russe machte gleich zu Beginn seines knapp zweistündigen Vortrages klar, dass er zu der schätzungsweise 15-prozentigen Minderheit der Russen gehöre, die kein Anhänger der Politik von Präsident Putin sind. Er sah das Thema des Abends, die Russland-Ukraine-Krise, auch weniger als Krise an, sondern als heißeste Phase einer seit Jahren andauernden Wende in der Politik Russlands an. „Wir sind im Kalten Krieg“, sagte er, „und meiner Meinung nach ist er gewollt und ein Teil des Konzepts von Putins Politik.“

Hinter der breiten Unterstützung für Putin und dem, was vor allem die westliche Welt als Rückfall in die Tage des Kalten Kriegs empfindet, machte Gurkov den russischen Chef-Propagandisten Dmitri Kisseljow aus. „Was in russischen Medien berichtet, verdreht, gelogen und gehetzt wird, geht auf diesen Hetzprediger zurück“, machte der Referent klar.

Dazu passe Putins Empfinden, dass der Zusammenbruch der früheren Sowjetunion die größte geopolitische Tragödie des 20. Jahrhunderts gewesen sei. Und natürlich auch das ewige Streben nach Macht passe dazu. Macht sei in Russland alleine schon wegen der Dimensionen des Landes geradezu unendlich, und das sei ein Gefühl, so Gurkov weiter, „dass man nicht freiwillig weggeben will.“

So sei auch die durch eine Gesetzesänderung überhaupt erst ermöglichte Rückkehr Putins in das offiziell höchste Amt in Russland zu erklären. Der in Russland durch diese Mechanismen der letzten Jahre überall vertretene Putinismus sei aber nicht ohne Auswirkungen auf die Menschen in der Ukraine geblieben.

Zwar hätten sich, so Gurkov, in den letzten Jahren immer mehr Ukrainer der Hoffnung ergeben, das europäische, liberale Modell würde sich durchsetzen. Doch spätestens, als vier Tage nach Ende der Olympischen Spiele von Sotschi angeblich freiwillige Milizen mit der Eroberung der Krim begannen, seien diese Hoffnungen zu Grabe getragen worden.

Gurkov ist überzeugt davon, dass es sich bei den ohne Kennzeichen agierenden Soldaten um bestens ausgerüstete russische Elitesoldaten gehandelt habe. So seien Fakten geschaffen worden, aber Gurkov relativierte gleich auch deren Auswirkungen: „Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Mehrheit der Krim-Einwohner durch den Einfluss der Öffentlichkeit auch bei einer Wahlmöglichkeit für Russland gestimmt hätte“.

Auf die Frage, mit welchen Folgen Europa und die Welt zu rechnen haben, hatte Gurkov abschließend mehrere Antworten. „Die Energieversorgung wird funktionieren“, war er sicher, aber das Problem des derzeit sinkenden Ölpreises sei eines, das Putin nun lösen müsse.

„Der bisherige Ölpreisverfall kostet das russische Bruttosozialprodukt schon gut 100 Milliarden Dollar“, sagte Gurkov. Und das erkläre auch, warum die deutschen Geschäfte mit Russland derzeit nicht so gut liefen, denn der Rubel befindet sich im freien Fall.

Versorgung der Krim

Auch die Versorgung der nur schlecht angebundenen Krim sei ein Problem, mit dem sich Putin derzeit auseinandersetzen müsse. „Putin sollte sich eigentlich mit Wirtschaftspolitik beschäftigen, stattdessen beschäftigt er sich mit Geopolitik“, schloss Gurkov seinen informativen wie emotionalen Vortrag.

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