Geilenkirchen - Der Finanzexperte des Kurfürsten in Geilenkirchen

Der Finanzexperte des Kurfürsten in Geilenkirchen

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Eine weitläufige Anlage bis in das 18. Jahrhundert: Schon im 16. Jahrhundert konnte Reinhard von Goltstein das Schloss Breill bei Geilenkirchen erwerben. Heute gehört die Anlage den Grafen von Hoensbroek, die im Jahr 1838 in die Familie Goltstein einheirateten. Foto: Johannes Gottwald.
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Letzte Ruhe: Diese neugotische Gruft dient den Nachkommen der Familie Goltstein bis heute als Grabstätte. Über dem Torbogen erkennt man das in den Stein gemeißelte Familienwappen.

Geilenkirchen. In einem verborgenen Winkel von Hünshoven, schon am Rand der Felder, trifft man auf die Graf-Goltstein-Straße. Eine ruhige und beschauliche Wohngegend, die nur gelegentlich von den vorüber rauschenden Regionalzügen der Eisenbahnstrecke Aachen-Düsseldorf aufgestört wird. Hier gibt es keine großen Mietshäuser, sondern ausschließlich individuell gestaltete Eigenheime.

Aus ihrer Bauweise spricht Statusbewusstsein, was auch gut zum Straßennamen passt – denn die Familie Goltstein war ein bedeutendes und weitverzweigtes deutsches Adelsgeschlecht.

Seine Ursprünge liegen wahrscheinlich in Köln, wo schon um 1180 ein „Heinrich Goldstein“ als Bürger dieser Stadt nachgewiesen ist. Einer anderen Theorie zufolge sollen die Goltsteins aus Mähren stammen und dann über Österreich und Polen an den Rhein gelangt sein.

Als sicher gilt, dass die Familie um die Mitte des 15. Jahrhunderts bereits den Adelstitel führte und auch ein eigenes Siegel zur Beglaubigung und Unterzeichnung von Urkunden verwendete. Im Jahre 1465 schloss Johann von Golt-stein, Herr zu Drimborn, eine Ehe mit Agnes von Wyenhorst. Sein Enkel Reinhard von Goltstein erwarb bereits das Schloss Breill bei Geilenkirchen durch seine Heirat von dessen Erbin Aleid von Moelenbach.

Besitz geschickt vermehrt

Nach der Reformationszeit nutzte die Familie die religiösen und politischen Verwicklungen geschickt zur weiteren Vermehrung ihres Besitzes aus. Im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit trat Wilhelm von Goltstein auf die Seite des Markgrafen Johann Ernst von Brandenburg-Ansbach, den er 1610 persönlich kennen lernte.

Der Markgraf zeigte sich für die Unterstützung erkenntlich: Wilhelm von Goltstein wurde 1615 zum Amtmann von Feuchtwangen, 1621 zum Oberamtmann von Crailsheim ernannt.

Im Dreißigjährigen Krieg trat Wilhelm von Goltstein für die protestantische Sache ein, wurde Generalleutnant der Kavallerie und schließlich Obrist zu Pferde in der schwedischen Armee. Dieser Schritt sollte ihm letztlich zum Verhängnis werden, denn am 16. November 1632 fiel er in der Schlacht von Lützen. Er wurde in der Kirche von Crailsheim begraben, wo noch heute sein Epitaph vorhanden ist.

Erhebung in den Freiherrenstand

Die übrigen Familienmitglieder scheinen der kaiserlichen Partei treu geblieben zu sein – und fuhren damit wesentlich besser. Johann Wilhelm von Goltstein brachte es bis zum Generalfeldzeugmeister und wurde für seine Verdienste 1657 mit der Erhebung in den Freiherrenstand belohnt.

Die nächste Generation erwarb dann schließlich auch den Reichsgrafentitel und durfte sich künftig mit „Euer Wohlgeboren“ anreden lassen. Der wohl bedeutendste Abkömmling des Geschlechtes wurde dann Johann Ludwig Franz Graf von Goltstein, nach dem auch die hiesige Straße benannt ist.

Im Oktober 1719 in Düsseldorf geboren, wurde er schon 1731 im Alter von zwölf Jahren nach dem Tod seines Vaters Ludwig Heinrich zum Amtmann von Geilenkirchen ernannt.

Nach einem Studium in der holländischen Universitätsstadt Leiden (1737 bis 1739) schlug er wie sein Vater die Beamtenlaufbahn ein und trat in die Dienste der pfälzischen Kurfürsten, die nach der Zerstörung Heidelbergs im Pfälzischen Erbfolgekrieg zeitweise ihre Residenz in Düsseldorf aufgeschlagen hatten. 1740 wurde Graf Goltstein Landkommissar des Herzogtums Jülich, 1751 zunächst Vizepräsident, dann 1757 Präsident der jülich-bergischen Hofkammer.

Offenbar war er ein fähiger Mann, denn am 11. November 1768 bestimmte ihn Kurfürst Karl Theodor zu seinem Statthalter der Herzogtümer Jülich und Berg. Damit besaß Goltstein eine bedeutende Machtstellung, denn er konnte die gesamte niederrheinische Region weitgehend unabhängig verwalten.

Seine Herrschaft erwies sich für das Rheinland als außerordentlich vorteilhaft: Getragen von den modernen Ideen der Aufklärung wurde das Finanz- und Steuerwesen gründlich reformiert und neu geordnet.

Die durch die Auswirkungen des siebenjährigen Krieges schwer geschädigte Wirtschaft nahm einen großen Aufschwung, das Verkehrswesen wurde verbessert und zahlreiche Maßnahmen zur Organisation des Bergbaus und zur Verbesserung des Rheinhandels ergriffen. Goltstein erwies sich auch als großer Förderer der Kultur und förderte die Bautätigkeit.

Öffentliche Bibliothek gegründet

Während seiner Regierungszeit wurde der ältere Hofgarten in Düsseldorf angelegt, die Schlösser Benrath und Jägerhof vollendet, die Düsseldorfer Kunstakademie und die erste öffentliche Bibliothek des Rheinlandes gegründet.

Nicht alle seine Maßnahmen waren allerdings populär: Die Abschaffung zahlreicher kirchlicher Feiertage und Wallfahrten erregte beim einfachen Volk vielfach Unmut.

Andererseits aber wurden viele Arbeitsplätze geschaffen und die Herzogtümer Jülich und Berg zählten zu den am besten verwalteten Regionen im deutschen Reich.

Auch das Schloss Breill bei Geilenkirchen wurde prunkvoll im spätbarocken Stil ausgebaut, kein Geringerer als der berühmte Aachener Architekt Couven wurde mit der Durchführung der Arbeiten betraut. Leider wurden große Teile der Anlage im 2. Weltkrieg zerstört, ein Seitenflügel wurde vor wenigen Jahren rekonstruiert.

1774 folgte Graf Goltstein dem Ruf des Kurfürsten in die neue Residenz nach Mannheim, wo er zum neuen Finanzminister befördert wurde.

Korruption und Intrigen

Dieses hohe Amt konnte er jedoch nur kurze Zeit ausüben. Ihm missfielen die Korruption und Intrigenwirtschaft am Hofe, und als er begann, energisch dagegen vorzugehen, fiel er in Ungnade.

Er trat deshalb schon nach einem Jahr von seinem Posten zurück und konzentrierte sich wieder auf seine Statthaltertätigkeit in Düsseldorf, wo er am 5. September 1776 kurz vor seinem 56. Geburtstag verstarb.

Heute würde man von einem allzu frühen Tod sprechen – damals entsprach dieses Alter der durchschnittlichen Lebenserwartung.

In Geilenkirchen scheint Graf Johann Ludwig Franz Goltstein nur wenige Jahre seines bewegten Lebens zugebracht zu haben. Dies galt jedoch nicht für seine Nachfahren, die sich unserer Region weitaus enger verbunden zeigten. Auch sie engagierten sich weiter in der Politik: So war Arthur Friedrich Graf von Goltstein (1813 bis 1882) Mitglied des preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts ließ er auf dem Friedhof der Hünshovener Kirche St. Johann eine prächtige Gruft im neugotischen Stil errichten, die bis heute erhalten geblieben ist und als letzte Ruhestätte der Familie dient.

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