Geilenkirchen - Der Eisenmann: Triathlet Heinz Robertz (77) und seine 13 Ironmans

Der Eisenmann: Triathlet Heinz Robertz (77) und seine 13 Ironmans

Von: Udo Stüßer
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8000 Kilometer auf dem Rad gehören für Heinz Robertz zur Vorbereitung auf einen Triathlon. Foto: Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Der Ironman auf Hawaii ist das höchste Ziel der meisten Triathleten. Der Geilenkirchener Heinz Robertz hat dreimal an dem wohl spektakulärsten Wettkampf auf der Inselgruppe im Pazifischen Ozean teilgenommen: Mit 61, mit 65 und mit 70 Jahren hatte er sich zuvor als Bester seiner Altersklasse bei einem der weltweit stattfindenden Ironman für die Teilnahme qualifiziert.

Der Ironman: das bedeutet 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen. Die Strapazen sind so groß, dass die Sportler 12.000 Kalorien im Wettkampf aufnehmen.

Im vergangenen Jahr noch hat Robertz an einem Ironman in Österreich teilgenommen. Mit 76 Jahren war er ältester Teilnehmer und wurde in 15 Stunden Klassenzweiter. Insgesamt hat der heute 77-jährige Heinz Robert an 13 Ironman teilgenommen. „Die beste Zeit hatte ich einmal mit 11 Stunden und 44 Minuten in Österreich.“

Derzeit plant er eine Mitteldistanz Ende Juni in Luxemburg: 1,9 Kilometer im Wasser, 90 Kilometer auf dem Rad und 21 Kilometer auf der Laufstrecke werden ihm wieder einmal abverlangt. „Da muss man sich nicht groß vorbereiten“, lacht er angesichts der mehr als 50 Mitteldistanzen in seinem sportlichen Leben. Die 27 Radtouren quer durch Europa mit Ehefrau Inge nennt er angesichts dieser Zahlen scherzhaft „Erholungsphasen“.

Heinz Robertz ist nie in seinem Leben Berufstriathlet gewesen, im Gegenteil: Als Manager von United Parcel Service war er weltweit unterwegs, mal in den Vereinigten Staaten, mal im asiatischen Raum oder in Europa. Eine 60-Stunden-Arbeitswoche war Zeit seines Lebens eine Selbstverständlichkeit. Wohin ihn aber auch sein Job führte, egal in welchen Winkel der Welt: Seine Laufschuhe hatte er immer im Gepäck.

Eine große Portion Ehrgeiz und eine noch größere Portion Disziplin haben Heinz Robertz so weit nach vorne gebracht: beruflich und sportlich. Eine Ausbildung zum Großhandels- und Industriekaufmann absolvierte der junge Heinz Robertz bei der Buchdruckerei Gatzen in Geilenkirchen. Einige Monate trampte er mit seinem Freund durch Südeuropa und Nordafrika. Mit einem amerikanischen Straßenkreuzer transportierte er einheimische Händler durch Tunesien und Libyen, bevor er eine Anstellung bei Esso in Hamburg annahm.

Schon als ganz junger Mann zeigte sich Robertz sportlich. Mit 15 Jahren startete er die erste Radtour in die Schweiz; mit 16 ging es mit dem Rad durch die Schweiz und Österreich. Er kletterte durchs Höllental auf die Zugspitze und radelte zurück nach Geilenkirchen. Mit 18 folgte eine Soloradtour nach Rom – 4000 ereignisvolle Kilometer. „Ich habe immer meine Freiheit genossen. Ich wollte nicht reglementiert werden, der einzige Gegner war die Schule“, sagt Robertz rückblickend.

In Hamburg lernte er seine heutige Ehefrau Inge kennen. Das war auch die Zeit, in der er ein hoch gestecktes Ziel erreichen wollte: Arbeiten und Studieren in den USA. Durch Inge kam Heinz schließlich in Kontakt mit einem amerikanischen Professor, der für ihn bürgte. Mit 300 Dollar in der Tasche wanderte Robertz schließlich Anfang der 60er-Jahre aus und studierte an der Rooseveld University in Chicago Finance & Accounting und jobte bei einem Wertpapierhändler. Er kam zurück nach Deutschland, heiratete Inge und arbeitete hier zunächst dreizehn Jahre als Office Manager, Personalleiter und Finanzprokurist für zwei amerikanische Firmen.

Dann ging es steil bergauf: beruflich und sportlich. „Headhunter von UPS baten mich, ein Unternehmen in Deutschland mit aufzubauen. Ich war damals einer der Pioniere von UPS und begann als Controller, später als Direktor Finanzen und Geschäftsführer von vier UPS-Tochtergesellschaften“, blickt Robertz zurück, der sich zwischenzeitlich mit seiner Familie in Geilenkirchen niedergelassen hatte. „Nach zwei Jahren habe ich erstmals Urlaub gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Erfolg im Beruf, aber ich schlief schlecht. Vereinssport war nicht möglich.“

Heinz Robertz begann 1982 mit dem Laufen, anfangs mit seiner Frau Inge. Und dann setzte er sich ein nächstes Ziel. „Meinen ersten Marathon lief ich bereits 1983 in Huchem-Stammeln unter vier Stunden.“ Er lief und lief – drei- bis viermal in der Woche. „Ich konnte wieder schlafen, ich war wie ausgewechselt. Das Laufen gehörte zum Alltag, wurde zum Muss“, erklärt er.

1983 nahm er auch an seinem ersten Triathlon teil. 1000 Meter Schwimmen in der Mosel, 75 Kilometer Radfahren und 25 Kilometer Laufen standen beim „Großen Preis von Koblenz“ auf dem Programm. „Triathlon, der Ausdauersport in drei Disziplinen, genau das begeisterte mich sofort.“ Dass ich die hohen beruflichen Anforderungen über die Jahre ohne gesundheitliche Beeinträchtigung durchstand, habe ich dem Sport zu verdanken.“

Robertz kannte die Arbeitsweise seiner Kollegen in der UPS-Zentrale in Atlanta. „Rund um die Verwaltung gibt es einen Lauf-Trail, den die Kollegen schon vor Dienstbeginn nutzen. Dann geht es unter die Dusche, in den blauen Anzug und an den Schreibtisch. Viele laufen in der Mittagspause noch einmal.“ Diese Lebensgewohnheit machte sich auch der Geilenkirchener zu eigen.

Oft schnürte er sich morgens um sechs Uhr die Laufschuhe, und auch in der Mittagspause in der Zentrale in Neuss drehte er so manche Runde. Und auf dem Heimweg legte er an manchen Abenden am Brachelener Baggersee noch einen Stopp ein, um eine Stunde zu schwimmen. „Für einen Triathlon auf der Langdistanz muss man sich schließlich vorbereiten. Das heißt dann 2000 Kilometer Laufen, 8000 Kilometer Radfahren und 400 Kilometer Schwimmen, wenn man Hawaii-Ambitionen hat. Ein zeitaufwendiges Hobby, das in etwa der Jahres-Arbeitszeit eines deutschen Lehrers entspricht“, erklärt der Mann, der mehr als 30 Jahre keinen Tag krankheitsbedingt im Büro gefehlt hat.

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