Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte: Von wegen Ruhestand!

Von: Markus Bienwald
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Ein auch mit Braille-Schrift versehenes Geländer am Eingang zum Nebengebäude des Rathauses trägt die Handschrift von Heinz Pütz
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Der barrierefreie Zugang zur Kirche St. Marien im Zentrum von Geilenkirchen war für Pütz ein Anlass, sich zu engagieren.
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Heinz Pütz ist auch nach seinem Eintritt in seinen beruflichen Ruhestand weiterhin als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen aktiv. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wenn bei einem Menschen das viel zitierte Wort vom „Unruhestand“ passt, dann wohl bei Heinz Pütz. Denn der 63-Jährige ist nun ein Mensch im Ruhestand, der dennoch nicht auf Arbeit verzichtet. „Ich hänge mit Leib und Seele am Ehrenamt“, sagt er. Und das zeigt auch ein Blick auf seine neue Amtszeit als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen, die noch bis 2019 reicht.

Die Basis für das, was ihn seit Jahrzehnten freiwillig umtreibt, legte er schon während seiner knapp 43 Berufsjahre. 39 davon verbrachte er in verschiedenen Funktionen in der Schwerbehindertenvertretung in Finanzämtern.

Von Geburt an sehbehindert, traf er bei seiner Ausbildungsstelle auf Zustände, die ihm gar nicht gefielen. „Ich durfte nur niedrige Arbeiten erledigen, doch als dann ein Platz für eine Telefonisten-Ausbildung frei wurde, bin ich in den Verwaltungsdienst eingetreten“, blickt er zurück.

1978 wurde er zum Schwerbehindertenvertreter gewählt, trat damals gegen einen etablierten Steueramtmann an, und gewann die Wahl. „Schon nach meinen ersten Aktionen wurde ich in der Oberfinanzdirektion in Köln ernst genommen“, freut er sich heute noch. Dabei betont er allerdings immer wieder, dass es ihm nie um die Person Heinz Pütz geht. „Es geht mir definitiv immer nur um die Sache“, sagt er heute noch. Und dabei blitzt sein Lächeln auf, das für manche der Umstehenden auch als Kampfansage gewertet wird.

Aber sich viele Freunde machen, auf der Welle der Gleichförmigkeit mitschwimmen oder auch mal abseits des Protokolls die bekannten „Fünfe“ gerade sein lassen, sind seine Sache nicht. Vielmehr wollte er schon immer im Sinne der Menschen mit einer Behinderung oder körperlichen Einschränkungen tätig sein. „Warum können wir es nicht einfach umsetzen, wenn etwas gesetzlich vorgeschrieben ist?“, fragt er.

Und so drehen sich seine Gedanken und Beobachtungen immer wieder um Fragen der Barrierefreiheit, im baulichen wie auch im sozialen und gedachten Sinne. „Ich konnte schon immer gut Schutt wegräumen“, sagt er über sich, das ist natürlich im übertragenen Sinne gemeint.

Das sei schon 1984 so gewesen, als er zum Haupt-Schwerbehindertenvertreter der Oberfinanzdirektion Köln wurde, und das im Alter von gerade einmal 31 Jahren. Und das sei auch so gewesen, wenn ihm von Kollegen und anderen Mitmenschen eine eigentlich schlechte Prognose gestellt wurde.

„Als ich zum Vorsitzenden der Schwerbehindertenvertretung der Obersten Landesbehörden gewählt wurde, sagte mir mein Vorgänger, dass ich das nicht eine Amtsperiode lang überlebe“, erzählt Pütz. 25 Jahre später gab er dann diesen Posten ab, und auch 2006, als es darum ging, einen Behindertenbeauftragten in Geilenkirchen zu installieren, riet er dem damaligen Ersten Beigeordneten Hans Hausmann schon, sich einen Ehrenamtler zu holen.

„Nehmt keinen Hauptamtlichen, der ist zu sehr abhängig von seinen Vorgesetzten“, riet er der Verwaltungsspitze. So wurde es der ehrenamtliche Heinz Pütz, der sich ums Amt bewarb, und den Posten auch bekam. Ob da eine Rolle gespielt hat, dass er schon 1996 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, weiß Pütz nicht, es ist ihm auch nicht so wichtig, obwohl er die Auszeichnung als Ehrung seines Wirkens versteht.

Dennoch gab es im Moment, als seine Wahl feststand, ein kurzes Durchatmen bei dem durchaus streitbaren Geilenkirchener. „Ich muss kreidebleich geworden sein, als mir bewusst wurde, was da auf mich zukommt“, berichtet er.

Nie politisch engagiert

Kritikern, die in diesem Amt des Behindertenbeauftragten den Steigbügel in die Politik sahen, strafte Pütz über alle Jahre Lügen. „Es gab genügend Leute, die wollten, dass ich mich politisch engagiere, aber das habe ich nie getan“, schließt er. Stattdessen agierte er lieber im Sinne der Menschen, die mit ihren Einschränkungen eine kleine bis gar keine Lobby haben.

So gibt es beispielsweise an der Stadtverwaltung schon gute Umsetzungen von Hilfen für Menschen mit Handicap im öffentlichen Raum. Eine auch in Braille-Schrift ausgeführte Beschriftung an Geländern zum Bürgerbüro ist dort beispielsweise zu finden.

Im öffentlichen Raum, zum Beispiel beim behindertengerechten Zugang zur Sparkasse in Geilenkirchen, ist Pütz‘ Handschrift unverkennbar. Dennoch sieht er noch Handlungsspielräume in Sachen Barrierefreiheit, was er eins zu eins auch auf den Bahnhof Geilenkirchen überträgt.

„Dort sind wir auf einem guten Weg“, lobt er, „allerdings brauchen wir weniger Politiker, die sich dort mit der Presse bewegen, als vielmehr eine Deutsche Bahn, die eine vernünftige technische Lösung anbietet“.

Erhöhten Blutdruck entlockte ihm auch das Thema „Zugang“ zur Kirche St. Marien im Herzen von Geilenkirchen. „Hier hätte sich die Kirche bestens präsentieren können, indem sie gleich bei den Ursprungsplanungen einen solchen Zugang mit eingebaut hätte“, sagt Pütz. Das wurde nicht getan, erst später folgten die entsprechenden Umrüstungen. „Eine vertane Chance, und ein Beispiel dafür, dass manche Leute einfach nicht über ihren eigenen Tellerrand blicken“, sagt er zum Abschluss.

Kein Rückzug auf das Altenteil

„Denken Sie doch mal drüber nach: irgendwann braucht jeder Mensch im Alter vielleicht diesen Zugang, dann freut man sich doch darüber“, sagt er mit erhöhter Stimmlage. Dass sein Rufen verstummen wird, oder dass er sich nach der aktuellen Wahlperiode im Jahr 2019 endgültig auf das Altenteil zurückziehen wird, ist von Heinz Pütz in dieser Form nicht zu erwarten. Denn auch, wenn seine Frau Rita sich manchmal vielleicht wünschen würde, dass er die Füße stillhält, ist das nicht mit seinem Engagement vereinbar.

„Es war für mich schon immer ein riesiger Antrieb aus ganz eigenem Willen heraus, Menschen zu helfen“, sagt Pütz abschließend. Und die nächsten Ideen hat er sicherlich auch schon in der Pipeline.

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