Der Dorfladen: Herz eines kleinen Ortes

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
10764579.jpg
Dem Autofahrer, der aus dem Stadtkern herausfährt, wird deutlich gemacht, dass er Geilenkirchen verlässt. Wenige Kilometer später kommt er ins idyllische Teveren außerhalb von Geilenkirchen. Dort befindet er sich in einem schmucken Heidedorf, die Nahversorgung wird aber lediglich durch einen Bäcker und durch einen Metzger gewährleistet. Und damit steht das Dorf Teveren noch gut da. Fotos (4): Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer
10764580.jpg
Dem Autofahrer, der aus dem Stadtkern herausfährt, wird deutlich gemacht, dass er Geilenkirchen verlässt. Wenige Kilometer später kommt er ins idyllische Teveren außerhalb von Geilenkirchen. Dort befindet er sich in einem schmucken Heidedorf, die Nahversorgung wird aber lediglich durch einen Bäcker und durch einen Metzger gewährleistet. Und damit steht das Dorf Teveren noch gut da. Fotos (4): Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer
10764582.jpg
Christian Klems, Stephan Pusch, Ronnie Goertz und Leonhard Kuckart (von links) auf dem Podium.
10764576.jpg
Aachen. Hier folgt der Grundtext.

Geilenkirchen. Haben die Geilenkirchener ihre Dörfer aus den Augen verloren? Gehören die Bewohner der kleinen Ortsteile überhaupt noch zu Geilenkirchen? Diesen Fragen muss sich Ronnie Goertz, Bürgermeister-Kandidat der CDU, häufig stellen.

Im Veranstaltungsraum der Metzgerei Plum in Teveren versicherte der Gillrather seinen Zuhörern: „Ich bin ein Junge vom Dorf. Ich werde die Ortsteile im Blick haben.“

In seinem Wahlkampf sei die dauerhafte Sicherstellung der Nahversorgung in Geilenkirchen und in den Dörfern ein zentrales Thema. Und so hatte er zu der Veranstaltung „Dörfer stärken – Nahversorgung sichern“ drei Experten als Redner eingeladen. Landrat Stephan Pusch, Leonhard Kuckart, Landesvorsitzender der Senioren-Union in Nordrhein-Westfalen, und Christian Klems, Vertreter des Dorv-Projekts (Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung) in Jülich-Barmen) sprachen über die Entwicklung des Dorfes vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. „Ein Dorfladen ist ein kleines Herzstück eines Ortes. Wir müssen in den Dörfern die Grundversorgung sicherstellen. Aber Dorfläden sind auch kleine Treffpunkte für die Menschen“, stellte Goertz fest.

„Wir werden älter, wir werden weniger und wir werden bunter“, sagte Stephan Pusch, der darlegte, wie der Kreis Heinsberg mit Sozialraummonitoring und Analysen den demografischen Wandel ständig im Blick hat.

„Der alte Mensch hat den gleichen Wert und die gleiche Würde, wie alle anderen Berufsgruppen“, sagte Leonhard Kuckart und forderte analog zum Jugendamt die Einrichtung eines Seniorenamtes als Anlaufstelle für die älteren Menschen. „Wenn die Gesellschaft sich ändert, müssen sich auch die Ämter ändern“, meinte er und forderte einen Rechtsanspruch auf Seniorentagesplätze analog zu Kita-Plätzen. Man dürfe Senioren nicht zu früh ins Altenheim bringen. „Die eigenen vier Wände sind ihre Heimat. Viele alte Menschen sind in Altenheimen lebendig begraben. Sie haben keinen Kontakt mehr zur Umwelt“, übte der Seniorenbeauftragte Kritik. Jahrzehnte habe man die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht beachtet. Kuckart sprach sich gegen ehrenamtliche Arbeit von Senioren aus: „Wer etwas tut, soll auch Geld dafür bekommen.“

Mit dem Dorv-Projekt, so Christian Klems, wolle man nicht nur Einkaufsmöglichkeiten im Dorf schaffen, sondern Lebensqualität ins Dorf bringen. Lebensqualität seien nicht nur Lebensmittel, sondern Kommunikation, ein Kulturangebot, Dienstleistung und sozialmedizinische Versorgung. „Lebensqualität heißt, aus nächster Nähe sich versorgen können. Mit einem Dorfzentrum kann man die Menschen am Ort binden“, sagte Klems.

Laden hat eine Chance

Sicherlich, so weiß auch Klems, machen nicht alle Dorfbewohner ihren Einkauf nur im Dorfladen, auch sie zieht es zu den Discountern. „Wenn Dorfbewohner nur 20 bis 30 Prozent ihrer Kaufkraft im Dorfladen lassen, dann hat dieser Laden eine Chance. Man muss die Menschen für ihr Zentrum begeistern.“ Mit einem Dorfladen schaffe man nicht nur Einkaufsmöglichkeiten. Hier treffe man Freunde und Bekannte, der Laden sei sozialer Mittelpunkt, biete eine Identifikation mit dem Umfeld und erfordere keine hohe Mobilität.

Backwaren, Brot, Wurst, Fleisch, Obst, Gemüse und Getränke müsse das Basisangebot eines Dorfladens sein, ergänzt werden solle der Lebensmittelbereich durch einen Paketdienst, durch eine Reinigung und einen Reparaturdienst. Geldautomat, Versicherungsleistungen, Lotto- und Annoncenannahmestelle und Fotodrucker sollten ebenso eingeplant werden wie Caféecke und Tauschbörse. Auch Handwerker-, Apotheken- und Pflegedienste sowie Essen auf Rädern sollten die Angebote erweitern. „Und mit so einem Laden könnte man Menschen aus der Gemeinde in den Job holen“, warb Klems für sein Modell, das mittlerweile mehrfach in Deutschland von Erfolg gekrönt wird. Den Pessimisten sagte er: „Wenn man sich auf den Weg macht, wundert man sich, was möglich ist. Aber oft ist es ein langer und steiniger Weg.“

„Wir müssen unsere Probleme gemeinschaftlich lösen und uns fragen, was uns wichtig ist. Das kann hier ein Dorfladen sein, im nächsten Ort kann es ein Café sein. Wir können nicht alle Dörfer eins zu eins kopieren“, meinte Goertz abschließend.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert