Gangelt - Der Blues-Bläser und das Krokodil Konrad

Der Blues-Bläser und das Krokodil Konrad

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Das ist ein guter Lohn für Manfred Breuers: Begeistert und mitfiebernd folgen die Kinder den Aufführungen. Auch die begleitenden Erwachsenen lässt das Puppenspiel nicht kalt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Herr Breuers, geht es Konrad wieder besser”, fragt ein kleines Mädchen voller Sorge den Puppenspieler auf der Straße, wenige Tage, nachdem Konrad, das Krokodil, ganz offensichtlich auf der Bühne ziemlich erkältet war. Wenn Manfred Breuers das oder anderes erzählt, dann klingt Begeisterung mit.

Musik macht er ja schon mit Leidenschaft, und wenn Kinder seinem Puppenspiel zusehen, dann sind sie gebannt, dann bringt Manfred Breuers sie dahin, wo er sie haben will: ins Land der Fantasie, in die Welt der Märchen. Für eine Stunde sind sie weg von allem, was blinkt, piepst und einen neuen Highscore einbringen kann.

Manfred Breuers ist ein Puppenspieler, der wortreich von Oma Hildegard berichten kann, die ihm, dem kleinen Manni, Märchen vorgelesen hat. Und wenn er sich eines bewahrt hat, dann ist es das Kindliche. „Die Figuren der Augsburger Puppenkiste kenne ich alle”, umschreibt er die Fernsehsendung, die ihn letztendlich zum Puppenspieler machte. „Da ist noch Herz drin”, freut er sich auch heute auf jede TV-Wiederholung.

Aus einem alten Radio baute er sich die erste Bühne, spielt darin mit Fingerpuppen. In der Zeit des Lehramtstudiums ruhte diese Leidenschaft, um dann stärker wieder aufzuflackern. Zwischen dem Klassiker „Kinder brauchen Märchen” des Kinderpsychologen Bruno Bettelheim und der eigenen Erfahrung mit der Tochter Evelyn, mittlerweile 27, ging es wieder los.

Zusammen mit Bruno Krieger erarbeitete er Stücke, die im Kindergarten, später in der Grundschule aufgeführt und begeistert angenommen wurden. Legendär ist zumindest eine Generalprobe, die in der Gaststätte des Gangelter Originals „Trautchen Franken” stattfand. Parallel dazu unterrichtete er als Lehrer das Neigungsfach Werken, baute mit den Kindern eine Bühne und spielt auch mit ihnen Puppentheater.

Das alles ist lange her und war zumindest zeitweilig eingeschlafen. Heute spielt er wieder alleine; nur wenn er mit der großen Bühne auftritt, ist seine Frau Tinny dabei, weil vier Puppen gleichzeitig auftreten. So noch im Advent in Gangelt: „Der Nikolaus und die Räuberfalle”. Das Stück hat er, wie die rund 20 anderen auch, selbst geschrieben.

Da war die Magie zu spüren, die er verbreitet. Etwa 40 Kinder und etliche Erwachsene rund 30 Minuten voll konzentriert auf das, was die Puppen da abspulen. Die Stücke haben eine eigene Atmosphäre durch den Lokalkolorit, den Manfred Breuers einbaut. Kleine Seitenhiebe auch auf aktuelle Strömungen, wie die Suche nach immer neuen Superstars, den Kult ums Handy oder dass man neben Nüssen und Lebkuchen im Geschenkesack des Nikolauses auch immer öfter Laptops findet, sind „breuerstypisch”.

Wie kommt man auf so was? „Ich bin überzeugt von dem, was ich tue”, sagt Manfred Breuers. „Ich identifiziere mich mit dem Blödsinn, den ich da mache”, lacht er und bezeichnet sich als „positiv verrückt”. Er ist überzeugt: „In jedem Kind steckt ein Genie, in jedem Genie ein Kind.”

Das will man jeder seiner rund 30 Figuren glauben, einige davon Unikate, wie das Muhrepennke, der wilde Riese Wronka, der Drache Schafuu oder das Krokodil Konrad, Letzteres Liebling aller Kinder. Dazu kommen echte Typen, wie Geen Täng (keine Zähne), König Heinrich (Heinrich Aretz), Pastor Gottfried Graaff, Bürgermeister Bernhard Tholen und Maria Scheeren, eine Gangelterin, die Manfred Breuers herrlich zu parodieren weiß. Und es braucht ein wenig Fantasie, um darauf zu kommen, wie er Klaus Nöthe auf Nikolaus reimt.

Warum macht man sich als 61-Jähriger noch diese Arbeit? „Den Kindern lange das Kindliche erhalten”, das möchte er. „Kinder haben etwas ehrlich Dankbares”, umschreibt er, was er aus solchen Auftritten mitnimmt.

Vergessen werden soll bei all seinem Puppenspiel, das es übrigens auch für Erwachsene gibt, nicht, dass Manfred Breuers auch ein Ausnahmemusiker ist. „Ich kann allerdings keine Noten”, gibt er gleich zu. Man muss ihn nur gehört haben, auf den Sessions, bei denen er spontan zu Saxophon, Klarinette, Zugposaune, Trompete greift und was es sonst noch an Blech gibt. Die nächste Gelegenheit dafür gibt es beim „Blues & more Meeting” am Freitag, 4. Februar, abends im Schützenheim Gangelt. Wer ihn da erwischt, soll sich auch mal erzählen lassen, wie er auf der Kloschüssel sitzend zur Musik gekommen ist.
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