Den Freunden der Kammermusik droht die Auflösung

Von: Markus Bienwald
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Die laufende 45. Konzertreihe im Schloss Zweibrüggen ist nicht in Gefahr. Ob es darüber hinaus noch Nachwuchsförderung und klassische Gastspiele junger Menschen, organsiert von den Freunden der Kammermusik, geben wird, ist derzeit noch fraglich. Foto: Markus Bienwald
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Ein Bild aus den Zeiten vor dem Lift am Schloss Zweibrüggen: Hier waren die Freunde der Kammermusik der Motor hinter der Ausrüstung des denkmalgeschützten Gebäudes mit einem behindertengerechten Zugang. Foto: Markus Bienwald
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Hanns-Paul Jouck arbeitet nur noch kommissarisch als Vorsitzender der Freunde der Kammermusik. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Eigentlich hätte am Dienstagabend bei der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins „Freunde der Kammermusik“ ein neuer Vorstand gewählt werden sollen. Und eigentlich hätten alle wissen müssen, dass der bisherige Vorstand dann nicht mehr zur Verfügung stehen soll.

Denn an Hinweisen, dass die Zeit und Arbeitskraft, die dort ehrenamtlich investiert werden, vom alten Vorstand nicht mehr eingebracht werden können, mangelte es nicht. „Schon 2013 habe ich angekündigt, bald nicht mehr zur Verfügung stehen zu können“, so Vorsitzender Hanns-Paul Jouck. Und so sicher, wie der Buchstabe „n“ in seinem Vornamen doppelt vorkommt, so sicher war es auch, dass der bisherige Vorstand bei den turnusmäßigen Neuwahlen nicht mehr antreten wird.

Vereinsstruktur stimmt

„Aber einen neuen Vorstand gibt es nicht“, sagt Jouck und zuckt mit den Schultern. Darum bleibt der bisherige Vorstand mit dem Vorsitzenden Hanns-Paul Jouck, seinem Stellvertreter Hermann Bartel, Geschäftsführer Hans Krupp und Kassiererin Anne Jouck noch bis Ende September kommissarisch im Amt. „Das ist alleine schon nötig, um die aktuell laufende 45. Konzertreihe im Schloss Zweibrüggen komplett anbieten zu können“, so Jouck.

Was danach kommt, ist derzeit noch offen. Die zwischenzeitlich gehandelten Namen für die Vorstandsarbeit sind nach intensiven Gesprächen nicht mehr aktuell. „Es gibt aber durchaus Interessenten“, sagt der Noch-Vorsitzende. Neue Namen will er nicht nennen, er versichert aber, dass der neue Vorstand eine fertige Vereinsstruktur vorfinden wird. „Und wir vom alten Vorstand sichern jede Unterstützung zu“, so Jouck weiter.

Dass er als Gründungsmitglied des 1974 aus der Taufe gehobenen Vereins vielleicht der letzte Vorsitzende sein wird, schiebt er momentan noch gedanklich beiseite. Dass Leute, die mit frisch hoch gekrempelten Ärmeln die Ämter und die umfangreiche Arbeit für die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Konzertreihe übernehmen möchten, auf gesunde Strukturen treffen, lässt Jouck einigermaßen beruhigt in die faktisch noch ungewisse Zukunft schauen. Er selbst war dem Verein über Jahrzehnte in verschiedenen Ämtern ein treuer Diener.

Die Frage nach dem „Warum?“ der nun zu Ende gehenden Arbeit der bisherigen Vorständler beantwortet sich schon alleine mit dem Blick in die Ausweise. So ist der Vorsitzende 77 Jahre jung, „und ich bin in diesem Jahr seit 50 Jahren als Musiklehrer aktiv“, sagt er. Irgendwann ist eben einmal Schluss, die Arbeit wird nicht weniger, weil sich beispielsweise durch geänderte Strukturen bei den Konzerten viel mehr Tätigkeiten ins Ehrenamt verlagert haben. Und die Menschen, die hinter den aufwändig organisierten Veranstaltungen stehen, werden nicht jünger.

Früher, da blickt Jouck zurück, in der einst für alle Zusammenkünfte und Veranstaltungen genutzten „Hütte der Begegnung“ in Marienberg, sei es noch einfacher gewesen. Der damalige Küster der nun ehemaligen und anderweitig genutzten evangelischen Kirche in Marienberg, die auch in der „Hütte“ ihren Platz fand, konnte sich ruhig der Vor- und Nachbereitung des Programms widmen. Mit dem zwangsweisen Umzug ins Schloss Zweibrüggen, welches Bürgermeister Wolfgang Jugnitsch für die nun „Schlosskonzerte“ getaufte Reihe außergewöhnlicher Konzerterlebnisse öffnete, wuchs der Stundenplan aber rasant an.

Dort müsse von der grundsätzlichen Nutzungsabsprache über das Schlüsselholen bis zum Auf- und Abbau alles selbst und teils in sehr engen Zeitfenstern erledigt werden. „Umgekehrt haben wir aber auch viel zum Schloss beigetragen“, sagt Jouck. Da sind nicht nur die Konzerte, die vom Verwaltungschef gerne als Aushängeschild kultureller Arbeit abseits des städtischen Tuns genommen werden, da sind auch weitere Beiträge zur Nutzung des Schlosses. „Wir haben einen eigenen Flügel angeschafft, dazu eine Bühne, und nicht zuletzt haben wir über unsere Initiative dafür gesorgt, dass das denkmalgeschützte Gebäude einen per Speziallift behindertengerechten Zugang bekommt“, so Jouck.

Viel Geld und Herzblut hängt also an den Konzerten im Schloss - und natürlich viel Energie und Engagement. „Wer nur meine Person als Kopf der Freunde der Kammermusik ansieht, vergisst, dass wir eine großartige Mannschaft sind“, sagt er. Das Lob für die Mitstreiter in der Gegenwart und auch in der Vergangenheit sieht er auch als einen Schlüssel zum Erfolg des Vereins an.

Finanziell gibt es keine Probleme, die Konzerte sind dank einer stetig wachsenden Fangemeinde im gesamten Kreis Heinsberg bis nach Aachen und in die Städteregion hinein immer ruckzuck ausverkauft. Und dank seiner Idee, die musikalische Ausbildung von Kindern mit einer Mitgliedschaft der Eltern im Verein zu koppeln, sowie Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren kostenfreien Zugang zu den Konzerten zu ermöglichen, kommt auch die Nachwuchsförderung nicht zu kurz.

Kann die Stadt helfen?

Es ist also eine runde Angelegenheit, dieser Verein, nur mit der aktuellen Crux behaftet, dass alle Vorstandsposten nur kommissarisch besetzt sind. Werden keine Nachfolger gefunden, ist der Verein dann aber trotz einer gesunden Basis ein Fall für die Geschichtsbücher. Inwiefern hier die Stadt Übach-Palenberg helfen kann, vermag keiner der Freunde der Kammermusik sagen. Ob aber Wolfgang Jungnitsch hier die von ihm immer wieder gerne übernommene Rolle des Schirmherrn noch etwas ausweiten kann, bleibt abzuwarten.

Fest steht, dass der Verein, der es sich über Jahrzehnte hinweg zur Aufgabe machte, bekannte und unbekannte Künstler und dem Nachwuchs abseits des städtischen Kulturprogramms ein Podium zu geben, bald schon aufgelöst werden könnte, wenn niemand mehr anpacken will. „Das wäre wirklich schade“, sagt Hanns-Paul Jouck, dem für seinen unermüdlichen Einsatz für die Musik, deren Verbreitung und deren Nachwuchsförderung schon das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

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