Geilenkirchen - Das Ziel: Obstbaumgürtel um Städte und Gemeinden schließen

Das Ziel: Obstbaumgürtel um Städte und Gemeinden schließen

Von: Renate Kolodzey
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Schlechte Prognose: Wenn man nichts ändert, würde im Jahr 2024 kein Obstbaum mehr in der Region stehen, hat Josef Backhaus ausgerechnet. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Diesen, der Überlieferung nach Martin Luther zugeschriebenen Satz hatte Josef Backhaus vielleicht im Sinn.

Kürzlich erst pflanzte er auf der Streuobstwiese des Krüger-Hofes in Süggerath zusammen mit dessen Besitzer Ingo Krüger zwei Apfelbäume der Sorten „Roter Boskoop“ und „James Grieve“ sowie eine „Hauszwetsche“.

Vielmehr sorgt er sich um den Bestand der Streuobstwiesen und möchte die Eigentümer animieren, mehr derartige Gewächse anzupflanzen. Auf fünf Wiesen hat er im vergangenen Jahr beim Setzen von insgesamt 25 Hochstamm-Obstbäumen, die durch seine Vermittlung bestellt wurden, mitgeholfen. „Dies war die erste Pflanzaktion und ich hoffe, dass noch viele weitere folgen werden“, äußert er sich zuversichtlich.

Backhaus, seit über 30 Jahren Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu), hilft seit zwei Jahren aktiv beim Kopfweidenschnitt am Rodebach sowie bei der Pflege der Steinkauzröhren in den Gemeinden Gangelt, Waldfeucht und Selfkant, und seit einem Jahr setzt er sich für den Erhalt und Ausbau der Hochstamm-Streuobstwiesen in diesen Gemeinden als Projektleiter des Nabu-Selfkant ein. Doch warum liegen ihm Streuobstwiesen so am Herzen?

„Sie sind Biotope für viele Kleinlebewesen und Tiere wie Steinkäuze, Hamster und Wiesel“, erzählt er. Bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten können auf solchen Wiesen beheimatet sein. Außer den erwähnten sind dies beispielsweise Pirol, Stieglitz, Siebenschläfer, Fledermaus, Grasfrosch, Erdkröte, Blindschleiche, Waldeidechse, Honigbiene, Ackerhummel, Tausendfüßer, Labyrinthspinne, Schmetterlinge sowie Käfer. Zwischen den Gräsern finden sich blühende Wiesenkräuter wie Heilziest oder Gelber Hohlzahn.

Jedoch ist ein drastischer Rückgang der Streuobstwiesen zu beobachten: Im Jahr 2014 erstellte der Nabu eine Kartierung der Gemeinden Gangelt, Waldfeucht und Selfkant, in der jeder Obstbaum auf jedem Grundstück erfasst ist. Backhaus erschrak, denn in Gangelt konnte er eine Abnahme der Obstbäume gegenüber 2004 um 40 Prozent feststellen. „In den anderen Gemeinden sieht es nur marginal besser aus“, berichtet er besorgt, „und wenn ich das bis zum Jahr 2024 hochrechne, ist kein Obstbaum mehr da!“ Also müsse man dringend etwas tun, habe er gedacht, sich mit dem Kreis Heinsberg in Verbindung gesetzt und eine Vereinbarung ausgehandelt, dass der Kreis Pflanzgut inklusive Verbissschutz für geeignete Streuobstwiesen kostenlos zur Verfügung stellt. Im Angebot sind beispielsweise die Apfelsorten „Roter Boskoop“ und „James Grieve“, die „Hedelfinger Riesenkirsche“, die Birne „Clapps Liebling“, die „Hauszwetsche“, aber auch viele andere, zum Teil sehr alte Obstsorten.

Die Bäume werden so weit auseinander gepflanzt, dass Traktoren bequem daran vorbeifahren können. Wer später das Obst nicht pflücken möchte, kann durch mobile Saftpressen köstlichen Apfel- oder Birnensaft aus Fallobst gewinnen. Kirschen und Pflaumen, die nicht gegessen, eingeweckt oder zu leckeren Backwaren verarbeitet werden, können einfach auf dem Boden liegenbleiben und verrotten. Zunächst möchte der Naturfreund die Lücken im Ring der Obstbäume um die Dorfkerne schließen, denn ein blühender Obstbaumring sei wunderschön für das Ortsbild. Die großen Lücken seien entstanden, weil die verdorrten Bäume nicht nachgepflanzt würden. „Welcher Wiesenbesitzer kann Obstbäume brauchen – eventuell auch Doppelreihen hinter Häusern?“, fragt er.

Lediglich eine Vereinbarung mit dem Kreis Heinsberg müsse unterschrieben werden. Die Bäume würden Anfang September angefordert und im November oder Dezember gepflanzt. Man könne sich bis Anfang September melden, doch Backhaus rät, dies bei Interesse am besten gleich zu tun, da man es sonst leicht vergessen könne.

Ansprechpartner für die Gemeinden Gangelt, Waldfeucht und Selfkant ist Josef Backhaus, wohnhaft in Gangelt-Hastenrath, Telefon 02454-2654.

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