Geilenkirchen - Das Ziel ist beim Thema „Gewalt gegen Frauen“ noch nicht erreicht

Das Ziel ist beim Thema „Gewalt gegen Frauen“ noch nicht erreicht

Von: Simone Thelen
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Nicht totschweigen, sondern der Gewalt gegen Frauen den Kampf ansagen: Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Heinsberg informieren auf dem Geilenkirchener Wochenmarkt. Foto: Simone Thelen

Geilenkirchen. Die Frauen stehen im Regen. Dies ist aber ausdrücklich nicht im übertragenen Sinne, sondern lediglich wörtlich zu verstehen. Denn beim Infostand der Gleichstellungsbeauftragten auf dem Geilenkirchener Wochenmarkt zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ spielt das Wetter überhaupt nicht mit.

Dennoch ist das Signal, das die Frauen senden, das genau gegenteilige: Niemand wird im Regen stehen gelassen. Frauen, denen physische oder psychische Gewalt widerfährt, sind nicht alleine. Es gibt Hilfemöglichkeiten. Man muss sich nur trauen.

Am 25. November ist der Internationale Gedenktag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Der Arbeitskreis der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Heinsberg hat sich entschieden, den Infostand schon einen Tag früher zu organisieren.

„Wir möchten möglichst viele Menschen für das Thema sensibilisieren“, sagt Monika Savelsberg, Gleichstellungsbeauftragte in Geilenkirchen. Leider hängen nun die Fahnen und Infoplakate doch etwas einsam am Pavillon. Aber dennoch trauen sich ein paar Menschen an den Stand, versorgen sich mit Infomaterial und kommen mit den Frauen ins Gespräch.

„Jede Aufmerksamkeit für das Thema lohnt sich“, meint Monika Savelsberg. „Und zudem ist es auch immer hilfreich, wenn wir uns untereinander austauschen.“

Das tun die Vertreterinnen der Städte Hückelhoven, Heinsberg, Geilenkirchen, Übach-Palenberg, Erkelenz und Wegberg, der Katholischen Frauengemeinschaft dann auch. Und es wird deutlich: Auch in der heutigen Zeit gibt es noch viele Formen von Gewalt gegen Frauen. Und viele Frauen trauen sich nicht, etwas dagegen zu tun.

In vielen Ländern Normalität

„Es gibt viele Möglichkeiten der Hilfe“, sagt Adele Müller, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Übach-Palenberg. „Aber viele Frauen wissen das gar nicht. Darum sind Aktionen wie diese auch so wichtig. Es ist eine Möglichkeit, Opfer zu erreichen und den Tätern zu zeigen: Das wird nicht totgeschwiegen! Zum anderen können wir auch nicht Betroffene sensibilisieren, die Augen offen zu halten und anderen ihre Hilfe anzubieten.“

Gewalt gegen Frauen sei weltweit noch in vielen Ländern gang und gäbe. „Ich selbst habe in einigen arabischen Ländern gelebt“, erzählt die Geilenkirchener Stadtverordnete Theresia Hensen. „Ich habe die Frauen gesehen, die unterdrückt werden. Aber sie empfinden das schon fast als normal.“

Diese Problematik habe sich auch zu uns nach Deutschland verlagert, weiß die Integrationsbeauftragte Yvonne Wolff. „Es ist ein großes Stück Überzeugungsarbeit nötig, um Frauen davon zu überzeugen, zu ihren Rechten zu stehen und sich helfen zu lassen.“ Oft seien es die Kinder, die den ersten Schritt machen. „Die Männer wissen im Gegenzug oft nicht, was an ihrem Handeln falsch sein soll. In der Heimat ist das ganz normal.“

Allerdings sei das Thema auch in Deutschland, speziell im ländlichen Raum, alles andere als ungewöhnlich. Theresia Hensen: „Was für junge Frauen heute selbstverständlich ist, war es für ihre Mütter und Großmütter noch nicht. Da hatte pünktlich das Essen auf dem Tisch zu stehen.“

Erst in den siebziger Jahren habe die Frauenbewegung erstmals durch lautstarken Protest klargemacht, wie erschreckend es ist, wenn das Tabuthema Recht auf Selbstbestimmung des Körpers und der Sexualität eingeschränkt, bedroht oder verletzt wird.

„Auch heute“, so wissen die Frauen des Arbeitskreises Gewalt gegen Frauen, „ist das Ziel, frei zu leben ohne Gewalt, noch nicht erreicht“, auch wenn die Frauenbewegung schon viel geschafft habe. „Mit Aktionen wie der am Samstag, gilt es, weiter an diesem Ziel zu arbeiten. Und je mehr Menschen wir erreichen, desto besser.“

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