Geilenkirchen - Das überlebenswichtige Wasser ist im Bürgerkrieg eine Waffe

Das überlebenswichtige Wasser ist im Bürgerkrieg eine Waffe

Von: Markus Bienwald
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Josef Latour (l.) und Sektionsleiter Herbert Wölfel (r.) von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) empfingen in Geilenkirchen den Wasser-Experten Jörg Barandat. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wie entscheidend die Ressource Wasser künftig nicht nur für das Überleben von Menschen in heute schon trockenen Regionen der Erde werden kann, das war nur eine Facette des jüngsten Vortragsabends bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Aachen/Heinsberg.

Gemeinsam mit der Deutsch-Atlantischen Gesellschaft hatte sie Jörg Barandat, Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, für eine komplexe Themenlandschaft aus Klima, Wasser und Energie gewinnen können. Wie knapp gerade das überlebenswichtige Wasser sein wird, stellte schon Sektionsleiter Herbert Wölfel im Bürgersaal von Haus Basten in Aussicht.

„Jedes sechste Kind weltweit wird bis 2040 in einer Region mit extremer Wasserknappheit leben“, erklärte er. Jörg Barandat griff diesen Gedanken aber nicht nur auf, er flechtete ihn in ein komplexes Modell aus Zusammenhängen lokal- und weltpolitischer Art ein. Aktuell gibt es beispielsweise in den Bürgerkriegsgebieten im Irak die Tendenz, Wasser vermehrt als Waffe einzusetzen: entweder durch Abschalten der per Wasserkraft erzeugten Energiezufuhr oder durch gezielte Überschwemmungen.

Wie wichtig eine geregelte Wasserwirtschaft ist, zeige auch, dass es zwischen Indien und Pakistan selbst in Kriegszeiten immer wieder Übereinkommen über die Wasserfracht des gemeinsamen Flusses Indus gibt. „Wasserknappheit ist aber nicht nur ein Problem von Ländern der Dritten Welt“, machte Barandat klar. In den USA und Australien geht die Wasserknappheit in manchen Regionen so weit, dass es eine spezielle Wasserpolizei gibt, die sich nur mit Straftaten rund um Wasserdiebstahl beschäftigt.

„Wir sollten das Thema aber auch bei uns nicht so weit weg schieben, denn aufgrund der klimatischen Veränderungen werden Polen und Teile Brandenburgs in die Wasserknappheit rutschen“, erläuterte der Referent. Mit der Sicherstellung der Wasserversorgung kommt nun die zweite Ebene dieses globalen Problems ans Licht.

Zum einen sei es nicht nur von militärischem Interesse, eine geregelte Wasserversorgung zu sichern. Barandat rechnete vor, dass eine 50.000 Soldaten starke Truppe, wie sie beispielsweise von der UN in Krisengebieten eingesetzt wird, einen Standard-Tagesbedarf von 70 Litern pro Kopf hat. „Darum ist Wasser mittlerweile ein operativer Faktor“, unterstrich er. Andererseits brauche es Energie, um beispielsweise Wasser wieder trinkbar zu machen oder per Entsalzungsanlage als Trinkwasser bereitzustellen.

Dass die von ihm „blaues Gold“ getaufte Ressource zwar überall auf der Welt vorkomme, aber jedes Grundwassersystem seine eigenen Belastbarkeitsgrenzen habe, sei ein weiteres Problemfeld. „Denn Wasser ist zwar ein an sich erneuerbarer Rohstoff, aber er ist nicht vermehrbar“, schloss Barandat. Nicht nur vor diesem Hintergrund hat für ihn die Planung einer auf lange Sicht ausgelegten Wasserversorgung politische Priorität. „Und darum ist es auch ein Unding, dass wir unseren Fäkalientransport mit Wasser bewerkstelligen“, machte Barandat deutlich. Denn künftig werde es auch wegen des sich ändernden Weltklimas nötig sein, Wasser effizient zu nutzen.

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