Das soziale Umfeld der Kinder aufbauen

Von: Markus Bienwald
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Aktiv sein, etwas gestalten, die Kinder mit einbinden und vor allem aber keine Schwellen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aufkommen lassen: Das zeichnet den Förderverein für Kinder und Jugendliche Frelenberg aus. Fotos (2): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wenn Arnd Hansen in sein Büro geht, braucht er nicht vor die Türe. Er geht einfach ein paar Zimmer weiter, schon ist er im Zentrum dessen, was die Menschen in Übach-Palenberg und der Region als „Förderverein für Kinder und Jugend Frelenberg“ wahrnehmen.

Arnd Hansen gründete das Projekt im Jahr 2005, seit 2007 firmiert der Verein unter dem Namen und wuchs in dieser Zeit sehr stark. „Aktuell haben wir 165 Mitglieder“, sagt Hansen, der auf Anhieb viele Bereiche nennen kann, in denen der Verein tätig ist.

Vor allem die Arbeit für Kinder mit Behinderung haben sich die Mitglieder auf die Fahnen geschrieben. Und das ist längst nicht nur auf die ehemalige Zechengemeinde beschränkt, sondern mittlerweile im gesamten Kreis Heinsberg und auch in der angrenzenden Städteregion ein Thema. „Wir arbeiten beispielsweise mit der Roda-Schule in Herzogenrath oder auch mit der Rurtalschule in Oberbruch zusammen“, sagt der Vorsitzende.

Von seinem Büro in der Frelenberger Schildstraße aus zieht er die Fäden hinter der organisch gewachsenen Vereinsstruktur. Und die sind gewaltig gespannt, ein echtes Netzwerk ist daraus geworden, eigene Benefizveranstaltungen gehören beispielsweise dazu. Stolz darf Arnd Hansen sicherlich darauf sein, er ist sich als gelernter Kaufmann aber auch der professionellen Umsetzung seines Anspruchs, Ansprechpartner für alle zu sein, bewusst.

„Wir haben festgestellt, dass der Bedarf immer größer wird, weil es immer mehr Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung gibt“, so Hansen. Damit meint er den sogenannten Familienunterstützenden Dienst (FUD) des Fördervereins. Aber er meint damit auch seine eigene Familie, denn mit dem zwölfjährigen Fabian hat der Familienvater auch einen Sohn, der durch seine Behinderung viel Aufmerksamkeit, Zeit und Energie einfordert. Darum will Hansen seine Arbeit auch ein wenig anders verstanden wissen, als es vielleicht andere Anbieter auf diesem Gebiet tun. „Wir versuchen, einen familiären Ansatz in unsere Arbeit hereinzubringen“, sagt er.

Das heißt auch, dass vom Verein zurzeit 15 Kinder betreut werden. Priorität hat dabei, das soziale Umfeld der Kinder aufzubauen, und auch durch gemeinsame Aktionen oder Sport für eine gute Struktur zu sorgen. „Ich sehe es bei Fabian: Wenn die Kinder über den gesamten Kreis Heinsberg verstreut sind, ist es schwierig, ein soziales Miteinander aufzubauen“, sagt der Betreuungsspezialist.

Dabei ist gerade die Betreuung von Kindern mit einer Behinderung etwas, das Eltern wie Betreuer sehr fordert. „Für Kinder mit einer Behinderung muss man viel mehr tun“, weiß er aus eigener Erfahrung, „da muss man 24 Stunden am Tag emotional und physisch da sein“. So gehört zur Arbeit des Vereins auch dazu, durch Betreuung Freiräume für Eltern zu schaffen. Für den professionellen Ansatz spricht die Verpflichtung eines Sozialpädagogen, der darauf achtet, dass der Verein auch gemäß den Richtlinien des Sozialgesetzbuches abrechnen kann.

Doch mit dem Projekt FUD tut sich auch ein großes Problem im Verein auf. „Wir brauchen einen eigenen neunsitzigen Bus“, macht Hansen deutlich. Derzeit wird ehrenamtlich mit Privatautos gefahren, und da kommen, bei der breiten Ausrichtung des Fördervereins, schnell mal 250 Kilometer pro Woche zusammen. Und mehr, „denn wir wollen den Bereich Behindertensport noch weiter ausbauen“, ergänzt Hansen.

Das heißt, es muss ein rollstuhlgeeigneter Bus angeschafft werden, damit die seit 2010 in Frelenberg und seit Anfang dieses Jahres eingerichteten Sportgruppen in Hückelhoven auch angefahren werden können. „Nach den Osterferien sind wir zudem in Herzogenrath vertreten und zwei weitere Sportgruppen im Selfkant und im Kreis Heinsberg sind in Planung“, verrät der Vorsitzende. Sponsorengelder sind da natürlich jederzeit herzlich willkommen, aber auch die sind immer dünner gesät.

Große Pläne, viel Ehrenamt, aber zu wenig Bekanntheit sind weitere Sorgen, die dem 43-jährigen Hansen ein paar Sorgenfalten auf die Stirn zaubern. „Wir haben geschulte und zertifizierte Betreuer und viele Ehrenamtler, dazu sind wir offiziell auch von der ‚Aktion Mensch‘ anerkannt“, zählt Arnd Hansen die weiteren Vorteile des Vereins auf. Aber beispielsweise einen eigenen Ergotherapeuten zu beschäftigen, ist dem Verein finanziell nicht möglich. „Das würde uns 4000 Euro im Monat kosten, wie sollen wir uns das leisten?“, fragt er.

Denn Geld spielt im Verein nur insofern eine Rolle, wenn es den Kindern zugutekommt. „Das große Geld machen wollen wir bestimmt nicht“, schließt Hansen.

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