Übach-Palenberg - Das letzte Alaaf mit Tränen in den Augen

Das letzte Alaaf mit Tränen in den Augen

Von: Markus Bienwald
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Die Bühne wird bei der KG „Scherpe-Bösch-Wenk“ am übernächsten Wochenende zum letzten Mal mit einem tollen Programm gefüllt. Foto: Markus Bienwald
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Die „Bolizei“ alias Dittmar Kollmer war bislang immer dabei, wenn es zum legendären Karnevalszug in Scherpenseel, Siepenbusch und Windhausen ging. Foto: mabie
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In Zivil: Jörg Schneider (v.l.), Silvia Börger und Tina Schneider. Foto: mabie
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„Abschied mit einen lachenden und weinenden Auge: Die letzte Session.“ Ein Wechselbad der Gefühle, findet Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke

Übach-Palenberg. Ein paar Tage ist es her, dass inoffiziell feststand, dass mit dieser Session auch die Karnevalsgesellschaft (KG) „Scherpe-Bösch-Wenk“ ihrem Ende entgegengeht. Wie bereits berichtet, löst sich die 1955 gegründete KG nach 62 Jahren auf.

„Wir haben schon ein paar Monate mit dieser Entscheidung gerungen“, sagt Silvia Börger, die in ihren zwei Jahrzehnten als Präsidentin der KG das Gesicht des Vereins entscheidend mitprägte. Ihr Mann Manfred ist sogar noch länger dabei, war mehr als 30 Jahre im Vorstand tätig, und bei beiden drehte sich das ganze Jahr über ziemlich viel um das Thema Karneval. Damit ist nun natürlich nicht Schluss, wohl aber mit der Geschichte der KG.

„Wir haben ein paar Tränen vergossen, und das wird auch sicherlich bei unseren letzten Veranstaltungen der Fall sein“, sagt Tina Schneider. Sie ist wie ihr Mann Jörg nicht nur Teil des nun letzten Vorstands in der Vereinsgeschichte.

Das letzte Prinzenpaar der KG

„Nach der Sitzung saßen wir Zuhause noch ein wenig zusammen, und da fiel uns auf, dass wir da letzte Prinzenpaar der Scherpe-Bösch-Wenk sind“, sagt Tina Schneider. Die Tränen schießen in ihre Augen, während sie davon erzählt, zu bewegend sind die Momente, die sie mit der Regentschaft verbindet. „Das war absolute Spitze“, wirft ihr Mann ein.

Und es sind an diesem Tag nicht nur die Versteinerungen in den Gesichtern dieser drei altgedienten Recken der KG, die sich breit machen. Es sind auch die vielen Anekdoten, die Histörchen, wie beispielsweise der Moment, als die damalige Präsidentin Silvia Börger vergeblich versuchte, dem damaligen Prinzen und Stadtprinzen Jörg Schneider den Federschmuck an den Hut zu stecken.

Laut lachen alle drei los, als sie davon erzählen, dass erst ein laut ausgesprochener Hinweis, dass Silvia nach dem falschen Loch an der Kopfbedeckung suche, half, den Prinzen in seiner ganzen Pracht auszustatten.

Es wird weiterhin gefeiert

Dass sie, die wie im Falle des Ex-Prinzenpaares 14 Jahre, und im Falle der ehemaligen Präsidentin genau drei Mal elf Jahre, nach ihrem Eintritt in die KG nach deren Ende in ein tiefes Loch fallen, ist aber nicht zu befürchten. „Wir werden uns weiterhin dem Thema Karneval widmen“, verspricht Tina Schneider, „allerdings mehr als lose Truppe, die gemeinsam herrlich feiern kann“, betont sie.

Einen Übergang in andere KGs oder eine Verschmelzung beispielsweise mit der Übach-Palenberger Karnevalsgesellschaft (ÜPKG) wird es nicht geben, da sind sich die drei sehr sicher. Sicher sind sie auch in einem Punkt: „Es hat nicht an den Finanzen gelegen, und auch nicht an unseren Gästen“, sagt Silvia Börger.

Bei beidem leuchtet noch bis zum offiziellen KG-Ende mit der Löschung aus dem Vereinsregister im dritten Quartal dieses Jahres das grüne Licht. „Es ist einfach so, dass es in den vergangenen Jahren immer weniger Leute gab, die Arbeit übernommen haben“, sagt Jörg Schneider. „Wir haben sogar einen Vorstand, der ohne Vertreter auskommen muss“, ergänzt Silvia Börger zur Personalsituation in der KG.

Wenn da mal einer an entscheidender Stelle ausfällt, lässt sich leicht ausmalen, dass das von einem Verein mit nur 22 Aktiven kaum aufgefangen werden kann. „Jeder ist ja schon mehrfach eingespannt“, sagt Tina Schneider, und bei dem Wust an Arbeit, der hinter den Kulissen eines erfolgreichen Betriebes mit Sitzungen, Vereinsleben und Karnevalszug zu erledigen ist, sei das vor allem in der laufenden Session eine Mammutaufgabe

. „Man kann ja kaum ahnen, was für eine Arbeit beispielsweise hinter einer Sitzung steckt“, sagt Silvia Börger. „Und die Auflagen werden ja auch nicht weniger“, betont Jörg Schneider den Aufwand.

Am Ende wurde bei der jüngsten Versammlung dann der Entschluss gefällt, dass es so nicht weitergehen kann. „Schweren Herzens und mit Tränen in den Augen“, sei das über die Bühne gegangen, sagt eine sichtlich bewegte Silvia Börger. Damit am Ende kein Schrecken bleibt, wird es noch die versprochenen beiden Sitzungen am Samstag, 21. Januar, und am Sonntag, 22. Januar, geben. „Dann ist aber Schluss, einen Karnevalszug organisieren wir nicht mehr, und auch nicht mehr das anschließende Karnevalstreiben in der Mehrzweckhalle an der Grundschule“, sagt Börger.

Gibt es einen Karnevalszug?

Falls es allerdings eine gute Fee gibt, die plötzlich ein paar Leute aus dem Hut zaubert, die wirklich dauerhaft mit im Verein anpacken wollen, könnten sich die KGler ihren Entschluss, die KG nach 62 Jahren aufzulösen, noch mal überlegen. Aber dass das passiert, halten sie nicht für möglich, bei allem Optimismus, den sie in ihrem bisherigen ehrenamtlichen Dasein für die KG ohnehin schon aufbringen mussten.

Allerdings könnte es zumindest für den Karnevalszug in Scherpenseel, der ebenfalls seit 62 Jahren zum Veranstaltungskalender einfach dazugehört, noch ein glückliches Ende geben. Denn hier haben sich hinter den Kulissen schon viele Vereinsmenschen aus Scherpenseel und Umgebung darüber unterhalten, wie dieser legendäre und längste Zug der Stadt durch alle drei im Vereinsnamen vereinten Stadtteile – Scherpenseel (Scherpe), Siepenbusch (Bösch) und Windhausen (Wenk) – noch stattfinden kann.

Dazu gibt es allerdings noch keine konkreten Maßnahmen, aber in den nächsten Tagen wird eine Entscheidung fällen müssen. Sonst wird es auch dafür zu knapp, da sind sich die drei Karnevalisten, die bald ohne Verein feiern werden, sicher.

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