Das legendäre Outbaix wird Wind, Wetter und Vandalismus überlassen

Von: Jan Mönch
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Ein zerfleddertes Sofa liegt vor dem ehemaligen Musikclub, fast alle Fenster sind eingeworfen und die Schlösser mit roher Gewalt zerstört worden. Dabei hält die Stadt das Gebäude für Flüchtlinge und Obdachlose vor. Foto: Jan Mönch
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Ein zerfleddertes Sofa liegt vor dem ehemaligen Musikclub, fast alle Fenster sind eingeworfen und die Schlösser mit roher Gewalt zerstört worden. Dabei hält die Stadt das Gebäude für Flüchtlinge und Obdachlose vor. Foto: Jan Mönch
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Auch das Gärtchen hinter dem Haus sieht kaum besser aus: Es ist völlig verwildert, ein Tank liegt herum.

Übach-Palenberg. Wieso das Thema gerade jetzt wieder aufkommt, lässt sich objektiv nicht klären. Doch was spielt das auch für eine Rolle, wenn es um einen Ort geht, der so mit romantisch-verklärten Erinnerungen an lange Nächte, wilde Partys und sicherlich auch den ein oder anderen richtig fiesen Kater behaftet ist? Und vor allem: an Musik, an Musik und an noch mehr Musik.

Dass die Szene ihr Outbaix auch dreieinhalb Jahre, nachdem der letzte Ton verklungen ist, nicht verloren geben will, sagt ja im Grunde alles über die Ausnahmerolle, die der Club im kulturellen Angebot Übach-Palenbergs, ach was, der ganzen Region einnahm. Nachdem es lange Zeit still war, regen sich nun wieder die alten Anhänger. Sie fragen: Was passiert eigentlich mit der Immobilie? Bei Facebook schlägt das Thema dieser Tage wieder einige Wellen, auch im Bauausschuss kam es kurz zur Sprache.

Vor Ort zeigt sich, dass vor allem Vandalen ihre Freude an dem Gemäuer haben: Die Wände sind über und über vollgeschmiert, fast alle Scheiben eingeworfen, Rollläden aufgehebelt und Türschlösser verbogen worden, es riecht nach Urin. Aus einem offenen Kamin schräg gegenüber ragen halb verkohlte Baumstämme, ein Sofa liegt umgeworfen und zerfleddert herum. „Drinnen ist alles kurz und klein geschlagen“, sagt einer, der sich die Bescherung kürzlich aus der Nähe angesehen hat.

Der Niedergang des Outbaix hat mit einem Inhaberwechsel begonnen. Jahrelang hatten Wolfgang Makowski und sein Geschäftspartner Fritz Knizia, der heute für die einstigen Konkurrenten von der Rockfabrik aktiv ist, die Lokalität höchst erfolgreich betrieben, zunächst als Tatort, später als Outbaix. Dann kam ein Kölner Musikmanager ins Spiel, nennen wir ihn J., und übernahm den Club, 2012 war das. Bereits im Jahr darauf wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet.

Was nach dem Inhaberwechsel geschah, muss für die einstigen Betreiber und Gäste auch heute noch wie ein Alptraum klingen. Die Schallschutzisolierung sei herausgerissen, die hochwertige Technik abgebaut und wahrscheinlich verschachert, Musiker und Kellner verprellt worden, so schildert es Wolfgang Makowski. Er scheint bis heute nicht sicher zu sein, was J., dem er damals vertraute und der „ein ausgezeichneter Musiker ist, das muss man wirklich sagen“, geritten hat. „Ich bin jedenfalls froh, dass ich seelisch damit abgeschlossen habe“, sagt Makowski.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens trat Anfang 2015 die Stadt auf den Plan. Sie kaufte die Immobilie bei einer Zwangsversteigerung am Geilenkirchener Amtsgericht für 120.000 Euro. Das waren 80.000 Euro weniger als der damalige Verkehrswert von 200.000 Euro. Vorangegangen war ein Dringlichkeitsbeschluss der Politik. Die Flüchtlingskrise, die ja vor allen Dingen für die Kommunen ein Riesenproblem war, steuerte damals auf ihren Höhepunkt zu. Die Ersteigerung des Outbaix sah nach einer naheliegenden Möglichkeit aus, sich in dieser Sache Luft zu verschaffen. Allerdings hat bis heute kein Flüchtling das Gebäude von innen gesehen.

Nach der Versteigerung witterten dafür die Musikfreunde aus Übach-Palenberg und den umliegenden Städten ihre Chance.

Ein möglicher Investor meldete sich, andere schlugen vor, das Outbaix als gemeinnütziger Verein oder als „Kultur- und Integrationshaus“ zu betreiben, um auch der vorgesehenen Nutzung für Flüchtlinge gerecht zu werden. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch kündigte bei einem Treffen mit den Musikfreunden im April 2015 eine politische Entscheidung an. Er sehe „eine gute Chance“.

Heute beantwortet das Rathaus unserer Redaktion nur wenige Fragen zum Thema, unbeantwortet bleibt beispielsweise, was aus dem vorgelegten Konzept geworden und wann die angekündigte politische Entscheidung zu erwarten ist.

Auch wird auf die Frage, ob bereits konkrete Angebote vorgelegt worden sind, nicht eingegangen. Dafür teilt die Stadt mit, dass die Immobilie „in Abstimmung mit der Bezirksregierung“ als „Reserve für Flüchtlings- bzw. Obdachlosenunterkünfte vorgehalten“ werde. Eine Wiederbelebung als Club sei „zum aktuellen Zeitpunkt“ nicht möglich. Durch die „zweckgebundene Nutzung“ komme auch kein Verkauf und keine Verpachtung in Betracht.

Für Fritz Knizia passt das alles nicht zusammen. Er ist einer von denjenigen, die zurzeit auf Facebook ihrem Ärger Luft machen. Er hat einen wütenden Kommentar veröffentlicht, versehen mit einigen Fotos von zerschlagenen Scheiben und beschmierten Wänden, andere Nutzer teilen fleißig. Natürlich sei es nicht Aufgabe der Stadt, einen Musikclub wiederzubeleben, den ein windiger Betreiber vor die Wand gefahren hat, gibt Knizia gegenüber unserer Zeitung zu.

Aber das Gebäude so verfallen zu lassen, wie es aktuell geschieht, sei doch wohl in niemandes Interesse. „Da stelle ich doch als Eigentümer wenigstens einen Bauzaun drum“, sagt er kopfschüttelnd.

Interessenten? Die gebe es jedenfalls nach wie vor. „Übach-Palenberg könnte an ein soziokulturelles Zentrum kommen, ohne einen einzigen Pfennig auszugeben.“

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