Das Knattern der alten Traktoren: 2000 Besucher beim Oldtimertreffen

Von: Georg Schmitz
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Alte Schätzchen: Die gab es b
Alte Schätzchen: Die gab es beim Oldtimer-Treffen zu bewundern. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Waurichen. Aus allen Himmelsrichtungen knatterten und bullerten die mächtigen Gefährte landwirtschaftlichen Traktorbaus heran und hatten alle das selbe Ziel: Waurichen. Der kleine Geilenkirchener Stadtteil erwachte jüngst aus seiner Besinnlichkeit, denn neben rund 450 alten Traktoren, Anhängern und Landmaschinen und zusätzlich fast 200 Kirmes-, Wohn-, Zirkus- und Bauwagen bevölkerten auch geschätzte 2000 Besucher das Golddorf.

Alle waren der Einladung der Interessengemeinschaft „Alte Traktoren” Waurichen zum 9. Oldtimer Traktor-Treffen gefolgt. Und was sich da an alten Schätzchen auf dem Dorfplatz präsentierte, hielt bei strahlendem Sonnenschein den Blicken der Oldtimer-Freunde stand. IG-Vorsitzender Franz-Josef Reuters freute sich, dass so viele landwirtschaftliche Maschinen von weither den Weg in den äußersten Westen gefunden hatten. „Die weiteste Traktor-Anreise hatte Paul Rüther aus Steinfurt. Nach acht Stunden reiner Fahrzeit war er mit seinem Lanz Bulldog pünktlich zum Fest in Waurichen eingetroffen.

Rüther kennt die Freunde historischen Traktorbaus aus dem äußersten Westen schon seit Jahren, denn die kommen auch regelmäßig in seine Heimat. „Es ist wichtig, Freundschaften zu knüpfen und sich gegenseitig zu besuchen”, erzählt Werner Skornia von der OG Alte Traktoren Waurichen und berichtet, dass die Vereinsmitglieder schon seit 1999 zu den Treffen nach Westfalen fahren.

So ist es nicht verwunderlich, dass Geselligkeit, gepaart mit Fachsimpelei und viel Spaß bei den Oldtimerfreunden ganz obenan steht. Die Veranstaltung in Waurichen hat sich zu einer der publikumsträchtigsten in der Region entwickelt. IG-Vorsitzender Franz-Josef Reuters erinnert sich noch an die Anfänge, als beim ersten Treffen gerade einmal 135 Traktoren ausgestellt wurden. Reiters erkennt viele Teilnehmer an Geräusch ihres Traktors. „Den Lanz Bulldog von Heinz Willms aus Beeck hört man schon meilenweit heraus”, nennt er ein Beispiel. Unter den chromblitzenden, aber auch angerosteten Schmuckstückchen auf den Freiflächen um das Bürgerhaus sind die Bulldogs quasi der „Mercedes” unter den Traktoren.

Aber auch viele andere alte Schätzchen ernten immer wieder erstaunte Blicke. Wer hätte schon gedacht, dass es Traktoren mit dem klangvollen Namen „Porsche” gibt? Auch Fabrikate wie Ursus, Bautz, Holder, Krieger, David Brwon (DB), Farmall, Allgaier, IFA, Bungartz, Schlüter, Vierzon, IHZ, Eicher, Hatz, Güldner, Steyr, Mulag oder Bolinder Munktel (BM) zählen beim normalen Volke nicht gerade zu den bekanntesten Herstellern. BM beispielsweise ist ein schwedisches Produkt und hat sich als Vorgänger von Volvo einen Namen in dem skandinavischen Land gemacht. Dann stand da noch ein Dutra, ein ziemlich großer Traktor aus Ungarn, der erstmals hier ausgestellt war.

Aber, wer kennt sie nicht, die auch in heimischen Regionen früher viel eingesetzten Traktoren von Deutz, Fendt, McCormick, Fahr, Hanomag, Massey Ferguson, MAN oder Kramer? Bestaunt wurde der riesengroße Schlüter Profi Trac 2500, dessen Räder einen Durchmesser von 1,85 Meter aufweisen. Alle genannten Traktoren und Landmaschinen fanden ihre Bewunderer, und in Waurichen wurde nur über landwirtschaftliche Gerätschaften gefachsimpelt. Hermann-Josef Delahaye musste sich als Besitzer des ältesten Traktors vielen Fragen stellen lassen.

„Das ist ein Lanz HL12, Baujahr 1923 mit 8 PS, und Kettenantrieb”, erfuhr der aufmerksame Zuhörer. Das Ein-Zylinder-Gefährt sei früher beim Dreschen, Kartoffelroden oder Ziehen von Lasten verwendet worden. Rosemarie und Werner Vetter aus Karlsruhe waren stolz auf das älteste landwirtschaftliche Gerät der Ausstellung: Eine Maiskolbenschälmaschine mit Fachnamen „Maisreppler” aus dem Jahre 1910. Das Ehepaar hat aber auch noch eine Strohseilmaschine, Baujahr 1920 mit nach Waurichen gebracht. Innerhalb einer Minute können mit dieser Maschine sechs Seile aus Stroh mit bis zu 2,4 Meter Länge gefertigt werden.

Ein besonderer Hingucker war der riesige U-Boot-Motor, der sich im Besitz von Heinz Davids befindet. Den regelmäßigen Vorführungen an allen drei Tagen wohnten immer viele Besucher bei. Wer aber dachte, dass sich der 720 PS starke, acht Zylinder Diesel-Motor laut knatternd in Bewegung setzte, der lag daneben.

Für ein derart großes, 14 Tonnen schweres Teil tuckerte der U-Boot-Motor relativ leise vor sich hin. Der Motor wurde 1944 bei MAN in Augsburg gebaut, kam aber aufgrund des Kriegsendes nicht mehr in einem U-Boot zum Einsatz. Der über Pressluft zu startende Motor wurde bis 1961 als Stromaggregat genutzt. Beim Bummel über das Ausstellungsgelände eröffneten sich dem Betrachter zusätzlich Blicke in die Welt der Gaukler und Marktschreier, denn auch alte Zirkus- und Schaustellerwagen gab es zu sehen. Daneben wurden auch Ersatzteile für die alten Gefährte angeboten, Handarbeiten verkauft und die Besucher mit frischem Brot aus dem Wauricher Backes versorgt.

Beim Frühschoppen am Sonntagmorgen spielte die Aachener Zollkapelle auf, die Bürgermeister Thomas Fiedler vermittelt hatte. Darum war es nicht verwunderlich, dass der Verwaltungschef am gleichen Morgen dem Traktorfest einen Besuch abstattete. IG-Vorsitzender Franz-Josef Reuters und die 135 freiwilligen Helfer aus den Dorfvereinen und der Bevölkerung zeigten sich am Ende begeistert über die Resonanz auf das 9. Oldtimer-Traktortreffen.
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