Gangelt - Das Gangelter Flüchtlingscamp ist einsatzbereit

Das Gangelter Flüchtlingscamp ist einsatzbereit

Von: Udo Stüßer
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Am Freitagnachmittag noch wurden in der Kleiderkammer von Ehrenamtlichen die gespendeten Kleidungsstücke sortiert. Foto: Udo Stüßer
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Derweil warf Patrick Berger noch einmal einen prüfenden Blick auf die Betten. Foto: Udo Stüßer
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Der Speiseraum: Das Essen wird aus der hauseigenen Küche geliefert. Foto: Udo Stüßer
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Die komplette Beschilderung in der Halle ist in Deutsch, Englisch und Arabisch.

Gangelt. Patrick Berger, Wirtschaftsleiter der Katharina Kasper ViaNobis GmbH, kann an diesem Montagmorgen aufatmen: Innerhalb von zweieinhalb Wochen hat er mit Kollegen und mit großer Unterstützung von Ehrenamtlichen, örtlichen Firmen und der Gemeinde Gangelt die Turnhalle an der Gangelter Hauptschule in ein Flüchtlingscamp verwandelt.

So konnte der Gangelter Beigeordnete Gerd Dahlmanns am Freitag der Bezirksregierung in Köln die Einsatzbereitschaft melden. An diesem Montag werden 70 Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gangelt erwartet.

Vor etwa drei Wochen bat die Bezirksregierung in Köln in einem Rundschreiben die Kommunen um Amtshilfe. Die Städte und Gemeinden wurden aufgefordert, Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen und Beigeordneter Gerd Dahlmanns waren überzeugt, ein solches Camp in der Turnhalle einrichten zu können und fanden in der Katharina Kasper ViaNobis GmbH einen Betreiber. „Es ist ein Wahnsinn, was hier geschaffen wurde. Innerhalb von zweieinhalb Wochen haben wir das Camp förmlich aus dem Boden gestampft. Vor einer Woche fand hier noch Schulsport statt“, erklärt Berger, der den Aufbau des Camps geleitet hat.

Groß sei die Bereitschaft bei allen Beteiligten gewesen, sich am Aufbau zu engagieren, sagt er. Er selbst war in den vergangenen zwei Wochen täglich fast 16 Stunden im Einsatz. „Die Leute sind begeistert bei der Sache, und ich bin begeistert vom Einsatz der Leute“, lobt er.

In dieser Aufbauphase wurden der haustechnische Dienst von Via Nobis, die hauseigene Bauabteilung, die EDV-Mitarbeiter eng mit den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung Gangelt und des Gangelter Bauhofes verzahnt. Berger erfuhr aber auch so manche Unterstützung von Firmen. „Am Donnerstag benötigten wir 1000 Quadratmeter PVC-Boden. Ich habe mit mehreren Firmen telefoniert, keine sagte zu. Endlich konnte eine Firma den Auftrag spontan annehmen“, erklärt er und gibt den weiteren Dialog wieder: „Bis wann brauchen Sie den Boden?“, wurde gefragt. „Heute.“ „Geht nicht“, lautete die Antwort. „Muss, ist für unser Flüchtlingscamp.“ „Ok, 28 Euro der Quadratmeter.“ „Zu teuer, muss günstiger gehen.“ Berger: „Letztendlich haben wir den Boden für 4,50 Euro bekommen.“

Die Männer des Gangelter Bauhofes haben ihn am gleichen Tag abgeholt, am Abend wurde er innerhalb von drei Stunden verlegt. Berger hat aber auch schlechte Erfahrungen gemacht. Es gebe Firmen, die solche Situationen ausnutzen: „Die schlagen dann 300 bis 400 Prozent auf.“

Große Unterstützung erhielt ViaNobis auch von der Feuerwehr. Die Männer der Wehr verlegten 1200 Quadratmeter Filz und Holzboden, um den Hallenboden zu schützen. Heute besteht die Erstaufnahmeeinrichtung aus einem Registrierraum, vier Arzträumen, Umkleide- und Duschräumen, einem Gebetsraum, Personalbereich und Büro. 35 Hochbetten stehen in der Halle, notfalls bietet sie Platz für bis zu 150 Personen.

Versorgt werden die Flüchtlinge von der hauseigenen Küche. Von hier aus werden Frühstück, Mittag- und Abendessen geliefert. „In der Küche muss so gekocht werden, dass das Essen zu dem Kulturkreis der Flüchtlinge passt. Da können wir kein Schweineschnitzel servieren“, sagt Berger. Etwa 15 bis 20 hauptamtliche Mitarbeiter hat die Gangelter Einrichtung für das Camp abgestellt, die von Ehrenamtlichen unterstützt werden.

Neue Mitarbeiter eingestellt

Acht neue Mitarbeiter wurden auf das Projekt bezogen eingestellt. „Die sich hier qualifizieren, haben später eine Chance auf eine Festanstellung“, meint Berger. Am Freitag noch wurde die in der Halle eingerichtete Kleiderkammer von Ehrenamtlichen gut bestückt. Auch WLAN steht zur Verfügung. „Jeder hat doch Bedarf, den Kontakt zu Verwandten in der Heimat herzustellen“, so Berger. Auch für Dolmetscher ist gesorgt. „Wir haben viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund.“ Ein Security-Dienst sorgt 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche dafür, dass es sich bei dem Camp um einen geschützten Bereich handelt, aber auch dafür, dass im Camp Ordnung herrscht.

Wenn heute die Flüchtlinge wie angekündigt eintreffen, haben Patrick Berger und seine Kollegen hervorragende Arbeit geleistet. Diese Arbeit wird Christoph Ruetten als Campleiter fortsetzen.

Tausende Kilometer haben die ankommenden Menschen auf ihrer Flucht zurückgelegt. Nachdem sie mit Essen, Getränken und Hygieneartikeln versorgt und zur Ruhe gekommen sind, werden sie von ViaNobis-Mitarbeitern registriert. Es folgen in den Tagen darauf Untersuchungen und Impfungen durch Ärzte der Gangelter Klinik und niedergelassene Hausärzte.

Später erfolgt eine weitere, genauere Registrierung, um in das Asylverfahren einzusteigen. Nach etwa vier bis sechs Wochen werden sie die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen und auf die Kommunen verteilt. Dann werden weitere Flüchtlinge kommen. Während ihres Aufenthalts in Gangelt werden die Flüchtlinge auch von Sozialpädagogen betreut. „Wir sind in der Eingliederungshilfe und in der Jugendhilfe tätig. Wir können sozialpädagogische Betreuung leisten. Das ist unser Job“, erklärt Berger.

Sicherlich ist es nicht ganz unproblematisch, wenn so viele Menschen wochenlang gemeinsam in einer Halle leben. „Wir verfügen hier über einen Bolzplatz, über eine Inliner-Bahn und über ein Basketball-Feld. Wir werden Angebote machen. Und natürlich dürfen die Flüchtlinge das Camp auch verlassen“, sagt Berger.

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