Das Bauchemer Labyrinth am Fußballplatz

Von: Johannes Gottwald
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Germania Bauchem hat schon auf diversen Spielstätten gekickt. Eine davon, war der alte Sportplatz, nach dem eine Straße benannt wurde.

Geilenkirchen. Wo sie genau anfängt und aufhört, lässt sich auf den ersten Blick nicht feststellen. An der Bauchemer Gracht zweigt die Straße „Am alten Sportplatz“ zunächst ganz normal Richtung Westen ab, taucht aber nach zweihundert Metern am Johann-Plum-Platz unerwartet wieder auf. Also eine Bogen- oder Hufeisenform, denkt man ganz spontan – aber so einfach liegen die Dinge nicht.

Denn sobald man in die Straße hineinfährt, stellt man fest, dass sie sich bald verzweigt. Man stößt auf verschiedene Sackgassen und Wendekreise und es dauert geraume Zeit, bis man sich einen Überblick verschafft hat.

Einfacher scheint es da schon mit dem Namen zu sein: Der alte Sportplatz, so mutmaßt der Laie, war wohl die erste Platzanlage von Germania Bauchem. Aber auch hier heißt es wieder: Falsch geraten, denn der alte Sportplatz war gar nicht so alt, wie der Name es ausdrückt.

Er wurde in der Nachkriegszeit angelegt und existierte nur 15 Jahre. Die elf fußballbegeisterten Burschen, die 1909 den Fußballverein Germania Bauchem gründeten, ahnten wohl nicht, dass ihnen eine Odyssee im Hinblick auf ihre Spielstätte bevorstand.

Der Fußball war zur damaligen Zeit in Deutschland noch eine junge Sportart. 1874 hatte der Braunschweiger Gymnasiallehrer Karl Koch das aus England stammende Spiel erstmals bei seinen Schülern eingeführt. Sein Kollege August Hermann hatte aus England einen Spielball mitgebracht und 1875 stellte Koch schon das erste Regelwerk auf.

Anfangs hatte es der Fußballsport schwer, sich durchzusetzen – in Deutschland bevorzugte man das Turnen. In höheren Gesellschaftskreisen war der Fußball als „Lümmelei“ oder „Englische Krankheit“ verpönt, fand aber zunehmend Anhänger. Neben dem Ruhrgebiet war auch die Reichshauptstadt Berlin ein Zentrum des neuen Sports. Hier wurde 1888 im Stadtteil Tempelhof der BFC Germania gegründet – der älteste heute noch bestehende Fußballverein. Von entscheidender Bedeutung war jedoch die Anerkennung des Fußballs als olympische Sportart und vor allem die Gründung des Deutschen Fußballbundes im Jahre 1900. Noch im selben Jahr wurden Vereine wie Borussia Mönchengladbach, Bayern München und Alemannia Aachen gegründet.

Damit war ein Dammbruch eingeleitet, jetzt erfasste das „Fußballfieber“ breite Teile der Masse und wurde zum Volkssport Nummer eins. Kurz vor 1910 war die Woge der Begeisterung auch in unserer Region angekommen.

Daher ist es kein Zufall, dass innerhalb von nur vier Jahren fast alle heute noch bestehenden Fußballvereine gegründet wurden: Außer Germania Bauchem entstanden 1909 auch der benachbarte FSV Geilenkirchen, Germania Süggerath und der SV Scherpenseel-Grotenrath.

In Würm trat man schon 1908 erstmals gegen den Ball, 1910 folgten dann Germania Teveren, und der SC Beeck, 1911 schließlich auch Rhenania Immendorf und Gillrath, Union Lindern erst 1912.

Die Gründung von Germania Bauchem war Bestandteil einer breiten, gesellschaftlichen Strömung.

Tortstangen im Keller gelagert

Der erste Sportplatz von Bauchem befand sich auf einer Viehweide im Bereich von „Welters Benden“. Die Torstangen wurden erst vor dem Spiel aufgestellt, sonst waren sie in einem Keller verstaut. Die Trikots der Germanen waren noch nicht schwarz-gelb, sondern zunächst rot-weiß gefärbt. Die Fußballschuhe bestanden aus Schweinsleder, sie wurden von dem Vereinsmitglied und Schuster Hermann-Josef Gerichhausen angefertigt.

Nach dem ersten Weltkrieg fusionierten die Bauchemer mit dem Verein Preußen Hünshoven, dann mit Gillrath, waren aber ab 1923 wieder selbstständig. Und sie mussten sich erstmals nach einem neuen Platz umsehen. Künftig wurde auf einer Wiese der Familie Steinbusch gespielt, die sich am Nierstraßer Weg hinter dem Wasserturm befand.

Erst jetzt scheint man die Vereinsfarben gewählt zu haben, denn bald machten die Germanen in der Gauklasse Aachen Furore. Die Auswärtsspiele, die mit dem Fahrrad angesteuert wurden, führten sie bis nach Rheydt, Odenkirchen, Elmpt und Wassenberg. Die Mannschaft war wegen ihrer Spielstärke und Kampfkraft gefürchtet, man sprach respektvoll von der „Gelben Gefahr vom Wasserturm“.

Um 1930 gehörten Spieler wie Franz Breuer, Johann Lammertz, Jakob Haups, Franz Windeck und Torwart Josef Simons zu den festen Größen. Aber schon wenige Jahre später brachte der Ausbruch des zweiten Weltkrieges den Spielbetrieb erneut zum Erliegen.

Diesmal dauerte es bis 1948, eher wieder regelmäßig Spiele ausgetragen wurden. Und erst jetzt nahm man das Projekt in Angriff, auf das sich der Straßenname bezieht. Mit erheblicher finanzieller Unterstützung durch den FVM und dem Einsatz vieler Mitglieder konnte an der Bauchemer Gracht ein neuer Sportplatz errichtet und 1951 eingeweiht werden. Vorher befand sich dort eine Müllgrube.

Doch auch diese Heimstätte sollte für den Verein nicht von langer Dauer sein. Neue Bauvorhaben der Stadt führten 1965 dazu, dass der „Alte Sportplatz“ aufgegeben werden musste. Für die nächsten neun Jahre mussten die Bauchemer Germanen auf einer Wiese an der heutigen Carl-Diem-Straße spielen, die der Sponsor Franz Conen zur Verfügung gestellt hatte.

Im Jahr 1974 erhielt der Verein einen Tennenplatz mit Flutlichtanlage und 1989 entstand das heutige Sportzentrum neben der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule mit einem Rasenplatz, auf dem Germania Bauchem heute die meisten Heimspiele austrägt.

Jetzt stellten sich die bisher größten Erfolge ein: Die Mannschaft stieg in die Kreisliga A Geilenkirchen auf und verpasste im Sommer 2000 nur knapp den Aufstieg in die Bezirksliga. An den „Alten Sportplatz“ an der Bauchemer Gracht erinnert heute außer dem Straßennamen nichts mehr – er wurde komplett mit neuen Häusern überbaut.

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