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Darsteller spielen sich mit Herz und Witz in Topform

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Zeitweise steht ihm das Wasser bis zum Hals: Kartoffelhändler Plökke Tuen (rechts) hat zwei Frauen zur Auswahl, Bömmele Herm weiß hier noch nicht, von welch liebreizender Dame er heimgesucht werden wird. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Langbroich. Eine umgefallene Leiter mit erheblichen Folgeschäden, gebrochenes Deutsch aus Buchstabensuppe, eine aus den Fugen geratene Butterblume und eine rauchende Dachlatte in Dessous prägten das Bild im neuen Stück des „Langbröker Selfkanttheater“, das am Wochenende Premiere hatte.

„Botter, Jeld on Striet“ muss man sicherlich nicht übersetzen, zumal das alles auch nur eine untergeordnete Rolle spielte, als sich die Mitglieder des Mundartensembles so mit und mit in Topform spielten und am Ende von einem restlos zufriedenen Publikum gefeiert wurden.

Die Geschichten sind immer irgendwie die gleichen; die Charaktere auf der Bühne – im wirklichen Leben ehrbare Bürger der Dorfgemeinschaft – sind es, die das Herz und den Erfolg dieser Gruppe ausmachen: böse und liebreizend, hinterhältig und herzlich, jedem Rock nachstellend (die Männer) und das in die richtigen Bahnen lenkend (die Frauen). Gemixt wird das Geschehen mit Gemeinheiten, die aber nur in der Mundart so rüber kommen, dass sie ein Publikum restlos begeistern können. Diesmal war es Stefan Keulen, der, massiv leitergeschädigt, in der Rolle des Kartoffelhändlers Plökke Tuen glänzte. Seine Einfahrt in den Hafen der Ehe war ein Zickzackkurs, den er mit Bravour meisterte.

Das Stück beginnt mit einem Hauch von einer Damenunterhose, deren Passform Butter- und Eiergroßhändler Stuffele Küeb (Willi Jütten) nun so gar nicht mit dem Hinterteil seiner Gattin Zöff (Maria Horrichs) in Einklang bringen kann. Im wirklichen Leben wohnen die beiden Darsteller in Langbroich einige hundert Meter auseinander; auf der Bühne bilden sie seit Jahren das Traumpaar der Freunde des „Langbröker Selfkanttheater“.

Laufen hier die Geschäfte so lala, brummt es beim Butterfabrikaten Schüsterkes Fränz (Helmut Schürkens), der mit Gattin Hermine (Marianne Heutz) und dem liebreizenden Töchterchen Nelli (Sarah Horrichs) Nachbar der anderen Familie wird. „Jeld“ ist besprochen, „Botter“ ist vorgekommen. Jetzt geht es um den „Striet“ – und davon gibt es reichlich. Denn Stuffele-Tochter Frieda (Verena Lipphardt) ist ebenso im Verlobungsrausch wie Nelli von der anderen Fraktion. Da wären dann der edle buchhaltende Hobbykellner Krampe Lee (Fritz Sonnenschein) und besagter Kartoffelhändler Plökke Tuen (Stefan Keulen) auf dem Markt.

Grammatik bleibt auf der Strecke

Um diese beiden entbrennt ein Kampf der Töchter, in den sich unheilvoll auch der jeweilige Papa einmischt; da bleiben nicht nur die Feinheiten der Grammatik auf der Strecke. Dass man vorsichtig mit dem umgehen sollte, was in der Zeitung steht, erfährt Kleinstbuchhändler Bömmele Herm (Sebastian Arnusch). Er hat sich auf die Annonce einer gewissen „Butterblume“ gemeldet, die neben einem Barvermögen von 5000 Mark auch ihre vermeintlichen Liebreize in den Ring geworfen hat.

Herm muss erleben, wie aus einem zarten Wiesenblümchen eine deutsche Eiche wird und trifft auf Haushälterin Nettchen, die wunderbar facettenreich von Anja Wagner gespielt wird. Angetreten zum Scheitern bei den Schüsterkes ist der Knigge von Langbroich, Diener Johann (Leo Horrichs). Er soll dem Fränz Benehmen beibringen: „Verheerend“ endet das. Der letzte der drei Akte, also der, in dem sich alles und jeder findet, spielt in der Gaststätte Trautchen. Die gab es in Gangelt wirklich, und auf den ersten Blick war die Wirtin (Christel Schlebusch) so aufgemacht, wie die leibhaftige Trautchen wirklich ausgesehen hat. In Nebenrollen als Möbelpacker sind Hans-Josef Barion und noch einmal Sebastian Arnusch, diesmal mit einem Schnauzbart, zu sehen.

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