Daniel Bulabula bestreitet ersten Profi-Boxkampf

Von: Danielle Schippers
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Schweisstreibend: Daniel Bulabulas Tag beginnt mit Konditionstraining und endet in der Sporthalle. Dazwischen muss Zeit bleiben für seine Ausbildung.

Geilenkirchen. Sein Werdegang klingt ein wenig wie ein Klischee: Daniel Bulabula wurde in Kinshasa (Kongo) geboren und kam im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Geilenkirchen. Mit 13 begann er mit dem Boxtraining beim VfR Übach-Palenberg, dessen Jugend-Box-Abteilung sehr erfolgreich ist.

Nur zwei Jahre später kämpfte er für die deutsche Nationalmannschaft des DBV (Deutscher Box Verband) in der Kategorie U15 und danach in der U17. Mit der Nationalstaffel reiste er zu Kämpfen in Russland, Aserbaidschan, England und die Ukraine und musste dafür oft in der Schule beurlaubt werden. Er gewann bislang unter anderem vier Mal die Mittelrheinmeisterschaft, war vier Mal Westdeutscher Meister und holte 2005 Bronze bei den Deutschen Meisterschaften. 2006 wurde Daniel Bulabula Deutscher Vizemeister. 2008 machte er seinen Realschulabschluss am Berufskolleg für Wirtschaft in Geilenkirchen und arbeitet seitdem neben seiner Ausbildung an seiner Karriere als Berufsboxer. Am 16. November wird der 23-Jährige im Münsterland seinen ersten Berufsboxkampf bestreiten – in der Gewichtsklasse Cruisergewicht (79,2 bis 90,7 Kilo).

Ihr erster Profikampf steht an. Fangen wir vorne an: Wie sind Sie zum Boxsport gekommen?

Bulabula: Das war 2003, mit 13. Mit ein paar Freunden entstand der Gedanke, wir hatten zusammen nur ein Paar Boxhandschuhe und haben dann immer nur mit einer Hand aus Spaß gekämpft. Dann hat mich ein Bekannter aus dem Jugendzentrum Zille mit zum Training nach Übach genommen. Zum Trainer habe ich gesagt: „Hallo, ich bin Daniel und will Profi-Boxer werden!“ Er erzählt noch heute davon und lacht darüber, wie entschlossen ich war. Er sagte, das ist nicht wie in den Rocky-Filmen, bis zum Erfolg dauert es und ist anstrengend, aber von dem Tag an wollte ich nur boxen.

Was fesselt Sie am Box-Sport?

Bulabula: Beim Boxen bist du auf dich alleine gestellt, du kannst dich auf keine Mannschaft verlassen. Ich habe auch Fußball und Basketball probiert, aber das war nicht meins.

Wie oft müssen Sie trainieren, um weiterzukommen?

Bulabula: Bisher habe ich sechs Mal die Woche trainiert, das wird aber jetzt mehr. Das heißt: Kraftraining, Boxtraining und natürlich Laufen für die Kondition. Ich laufe jeden Morgen vor der Arbeit um sechs Uhr, gehe dann arbeiten und nach der Arbeit steht Training an.

Macht Ihr Chef das denn mit?

Bulabula: Ja, zum Glück. Mein Chef in der Ausbildung, Mehmet Karakas, hatte von Anfang an Verständnis und unterstützt mich. Manchmal darf ich sogar ein bisschen früher gehen, damit ich es pünktlich zum Training schaffe.

Haben Sie sich durch den Sport verändert?

Bulabula: Schwer zu sagen, ich habe mit 13 angefangen, da verändert man sich ja sowieso. Aber ich bin durch das harte Training sehr diszipliniert und absolut immer pünktlich. Ich war noch nie zu spät bei der Arbeit, wenn ich mal nicht pünktlich bin, weiß mein Chef sofort, dass ich wirklich krank bin und gar nicht komme.

Bringt Ihr Training Sie auch im Beruf weiter?

Bulabula: Ja. Was die meisten nicht wissen: Boxen ist reine Kopfsache. Du musst schwer aufpassen und bis zur letzten Sekunde konzentriert bleiben. Das half in der Schule und hilft mir jetzt in der Ausbildung auch.

Glauben Sie, dass Ihr Leben anders verlaufen wäre ohne den Sport?

Bulabula: Ja, auf jeden Fall. Ich bin mir sicher: Ohne das Boxen wäre ich auf die schiefe Bahn geraten. Durch das viele und anstrengende Training hatte ich einfach nie Lust, die wenige Freizeit mit Rumhängen, Partys und Alkohol zu verbringen wie viele andere. Klar habe ich mir wie jeder Jugendliche gewünscht, endlich 16 oder 18 zu werden, um in die Disco zu können. Da war ich dann ein paar Mal und das wars. Und klar gab‘s auch mal Ärger, aber durch das harte Training hatte ich die Disziplin, Stress aus dem Weg zu gehen.

Was fällt Ihnen am Profi-Sport am schwersten?

Bulabula: (lacht) Abnehmen! Ich hasse Abnehmen. Wenn ich nicht in der Vorbereitung für einen Kampf bin, esse ich gerne und viel und alles. Auf Freizeit und Feiern zu verzichten fällt mir leichter.

Gab es Höhepunkte oder Tiefpunkte?

Bulabula: Ein besonderer Höhepunkt war 2005, da habe ich den Deutschen Meister bei ihm zuhause in Thüringen geschlagen, leider war es kein Titelkampf. Die Reisen in verschiedene Länder mit der Nationalmannschaft waren auch super. Rückschläge gab es natürlich, wenn ich den Kopf nicht freihatte, wenn es privat nicht lief. Aber da hat mein Trainer Detlef Dieckmann mir sehr geholfen. Ich wollte sogar mal aufhören, er hat mich bearbeitet, dass ich weiter mache. Er hat mich sportlich durch Höhen und Tiefen gebracht, ich habe ihm viel zu verdanken. Er war über zehn Jahre an meiner Seite wie ein Vater, ich kann mit ihm über alles reden, auch Privates.

Würden Sie rückblickend den gleichen Weg nochmal gehen?

Bulabula: Auf jeden Fall. Boxen ist mein Leben, ich liebe jeden Kampf. Als ich mit 13 meinen Eltern gesagt habe, dass ich zum Training möchte und eine Unterschrift brauche, haben sie sich zuerst lange geweigert, weil sie nicht wollten, dass ich verletzt werde. Das war schlimm für mich und ich musste ihnen versprechen, dass ich trotzdem gute Noten in der Schule schreibe und auf mich aufpasse. Mein Trainer und meine Brüder haben meine Eltern dann überzeugt, und heute sind alle stolz auf mich, weil ich ehrgeizig und erfolgreich bin.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an Ihren bevorstehenden ersten Profikampf denken?

Bulabula: Ich freue mich, bin stolz und gespannt auf meinen Gegner.

Wie bereiten Sie sich vor?

Bulabula: „Ich stelle meine Ernährung komplett um, damit ich abnehme und in meiner Gewichtsklasse bleibe. Ich trainiere mehr und härter, ab jetzt in Aachen bei meinem neuen Profi-Trainer und Manager Mario Guedes. Dort machen wir Videoanalysen vom Gegner. Das Sparring wird genau darauf abgestimmt, das heißt der Trainings-Partner simuliert die Stärken und Schwächen des Gegners. Ich habe mir sogar ein neues Handy gekauft, damit ich beim Pendeln im Zug zur Arbeit und zum Training noch mehr Kämpfe anschauen kann, um meine Technik zu verbessern. Ab jetzt geht es nur noch um den Kampf.“

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