Geilenkirchen - Conny Banzet: „Vergesst die Frauen nicht“

Conny Banzet: „Vergesst die Frauen nicht“

Von: Udo Stüßer
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Conny Banzet ist nicht nur in der Politik aktiv: Einen großen Teil ihrer Freizeit widmet sie dem Geilenkirchener Karnevalsverein und ihrer Hühnerzucht. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Conny Banzet ist eine rheinische Frohnatur: Die temperamentvolle Geilenkirchenerin tanzt in der Showtanzgruppe und in der Garde des Geilenkirchener Karnevalvereins. Sie trainiert die kleinste Garde und übernimmt Verantwortung als Jugendleiterin. Prinzessin war sie auch schon.

Ansonsten liebt sie Bücher, die Natur, ihren schönen Garten an der Heinsberger Straße und ihre Hühnerzucht. Ihre Antwerpener Bartzwerge präsentiert sie, Mitglied des Geflügelzuchtvereins Alsdorf und Umgebung, gerne bei Ausstellungen.

Vater war CDU-Stadtverordneter

Es ist aber nicht nur der Karnevalverein, dem die Leiterin der Kommunikationszentrale einer Anwaltskanzlei viele Abende opfert. Viel Zeit nimmt die Politik in Anspruch. Die 49-Jährige ist als Beisitzerin im Ortsvereinsvorstand der Geilenkirchener SPD, gehört seit fast zehn Jahren dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Kreis Heinsberg an und hat vor mehr als einem halben Jahr die AsF-Ortsgruppe Geilenkirchen gegründet, deren Vorsitz sie übernommen hat.

„Wir sind der mahnende Zeigefinger in der SPD. Wir fordern auf: Vergesst die Frauen nicht! Durch die AsF sind die Frauen in der SPD sichtbarer geworden“, zieht Conny Banzet Bilanz.

Nein, Conny Banzet ist nicht ihrem Mann zuliebe in die SPD eingetreten. Auch wenn Marko Banzet den Geilenkirchener SPD-Ortsverein als Vorsitzender anführt, fiel die Entscheidung für die Sozialdemokraten schon wesentlich früher. Ihr Vater, Eckhard Kubetschek, saß für die Christdemokraten im Übach-Palenberger Stadtrat. Politik war in ihrem Elternhaus immer ein Thema, mit ihrem Vater hat sie oft lebhaft diskutiert.

Aber Conny Banzet wusste lange Zeit nicht, wo sie selbst stand: „Ich fragte mich: Bin ich eine linke Rechte, oder bin ich eine rechte Linke? Ich war lange Zeit unentschlossen“, blickt sie zurück. Im Jahre 2002 heiratete sie ihren Mann Marko, vier Jahre später trat auch sie in die SPD Geilenkirchen ein.

„Ich hatte Norbert Spinrath kennengelernt und war einfach von ihm und der SPD begeistert“, sagt sie und begründet, warum sie in die Partei eingetreten ist: „Man kann doch nicht immer nur meckern. Wenn man etwas bewegen will, muss man in die Kommunalpolitik oder in die Vereine gehen.“

Kaum hatte sie das rote Parteibuch in der Tasche, nahm der Kreisvorstand der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Kontakt zu ihr auf. Seit einigen Jahren schon gehört sie dem Kreisvorstand an. Bereits im Jahre 2009 versuchte sie, eine Ortsgruppe Geilenkirchen ins Leben zu rufen. „Leider waren zu wenig Frauen in der SPD aktiv. Es waren neben mir nur Karin Hoffmann und Gabi Kals-Deußen. Mit drei Frauen etwas aus dem Boden zu stampfen, macht keinen Sinn“, sagt sie.

Die meisten Frauen seien mit Beruf und Familie ausgelastet gewesen. Zwar hätten sie sich für einzelne Themen interessiert, aber sich nicht in einer Partei binden wollen. Viele Frauen hätten ihre eigenen politischen Interessen zugunsten ihrer Männer zurückgestellt.

Die Zeiten haben sich aber geändert: „Wir haben jetzt junge, aktive Frauen in unseren Reihen. Jetzt konnten wir den Start wagen“, sagt Banzet. 18 Frauen gehören mittlerweile der AsF an, acht bis zehn sind recht aktiv. „Manche Frauen sind aufgrund von Problemen bei der Suche nach einem Kita-Platz zu uns gestoßen, andere wollten damit der AfD Flagge zeigen. Das ist natürlich ein ganz toller Ansatz“, sagt sie.

Sicherlich weiß sie, dass sie mit ihren Mitstreiterinnen keine Berge versetzen kann. Allerdings kann sie auf frauenspezifische Themen und Probleme aufmerksam machen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei für Frauen im Kreis Heinsberg schwierig, hat sie festgestellt.

Frauen müssten oft einen langen Weg zum Arbeitsplatz zurücklegen, der Öffentliche Personennahverkehr sei im Kreis nicht optimal. „Heute sind die Frauen älter, wenn sie Kinder bekommen. Und kaum sind die Kinder erwachsen, müssen sie möglicherweise ihre Eltern pflegen. Das Umfeld wird für Frauen immer schwieriger“, nennt sie frauenspezifische Probleme.

Die will sie in die Politik einbringen: die Situation der Hebammen, die Bereitstellung von Kita-Plätzen, die Situation der Tagesmütter, günstiger Wohnraum für Alleinerziehende, Arbeitsplätze für arbeitslose Frauen, Wiedereinstieg in den Beruf sind so ihre Themen. Nicht zu vergessen der Weg in die Altersarmut: „Davon sind Frauen weitaus häufiger betroffen als Männer“, hat sie festgestellt.

Einmal im Monat lädt die AsF zu einem Stammtisch ins Café Fleur ein. An jedem 2. Donnerstag im Monat ist hier ab 20 Uhr jede Frau herzlich willkommen. Hier geht es nicht nur um Politik, hier geht es auch um Klön. Und kommt jemand mit Sorgen hinzu, findet sie sicherlich auch guten Rat.

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