Christian Kravanja: „Ich bin ein Mensch des Ausgleichs“

Von: Udo Stüßer
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Er möchte im September als Bürgermeister ins Geilenkirchener Rathaus einziehen: Christian Kravanja, Fraktionschef der Bürgerliste, sieht eine reelle Chance. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Er will mit politischer Erfahrung und als Verwaltungsfachmann punkten: Christian Kravanja, seit zehn Jahren Stadtverordneter für die Bürgerliste, Mitglied des Stadtrates und des Haupt- und Finanzausschusses und Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses und seit acht Jahren Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste, kämpft um das Amt des Geilenkirchener Bürgermeisters.

Am 13. September soll gewählt werden. Einziger Gegenkandidat ist bislang Ronnie Goertz, der für die CDU ins Rennen geht. Kravanja ist von Geburt an Geilenkirchener. Hier besuchte der heute 39-Jährige das St.-Ursula-Gymnasium. Nach einjähriger Bundeswehrzeit schlug er bei der Stadt Jülich die Laufbahn des gehobenen Dienstes in der Kommunalverwaltung ein.

Den Modellstudiengang Verwaltungs-Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln hat er als Diplom-Verwaltungsbetriebswirt abgeschlossen. Kravanja ist ledig. Widmet er sich in seiner Freizeit nicht der Politik, schnürt er für die Alten Herren in Süggerath die Fußballschuhe oder betreut die zweite Seniorenmannschaft. Für weitere Hobbys, wie ausgedehnte Touren mit dem Rennrad oder Ski fahren, bleibt kaum noch Zeit. Besonders nicht in einer Phase, in der er seinen Wahlkampf plant. In unserer Redaktion stand er jetzt Rede und Antwort.

Herr Kravanja, warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Kravanja: In Geilenkirchen kann man vieles besser machen. Ich würde nicht alles anders machen, aber vieles besser.

Zum Beispiel?

Kravanja: Ich halte die Mitarbeiterführung von Thomas Fiedler, vorsichtig ausgedrückt, für suboptimal. Es ist bereits außerhalb der Stadt bekannt, dass er zu Wutausbrüchen neigt. Seine schwierige Art spiegelt sich in allen Bereichen wider. Das Ergebnis ist die Abwanderung von Fachkompetenz. Man spürt die Unzufriedenheit, wie er mit dem Personal umgeht.

Gleiches gilt für den Umgang mit dem Stadtrat und der Presse. Fiedler ist in keinster Weise kritikfähig. Die vertrauensvolle Arbeit mit dem Rat, mit der Verwaltung, der Presse und sogar Geschäftsleuten ist beschädigt.

Warum glauben Sie, ein guter Bürgermeister zu sein?

Kravanja: Ich habe die nötige Fachkompetenz und bin ein Mensch des Ausgleichs. Man kommt inhaltlich weiter, wenn man Menschen nicht vor den Kopf stößt, sondern sachlich und kooperativ nach Lösungen sucht. Kooperation ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Der jetzige Bürgermeister hat eine autoritäre Führungsstruktur aufgebaut.

Sie aber haben doch Thomas Fiedler mit auf den Schild gehoben . . .

Kravanja: Damals hatten wir eine andere Rechtssituation. Im Jahr 2009 gab es noch keine Stichwahl. Hätte jede Partei einen eigenen Kandidaten aufgestellt, hätte die CDU gewonnen. Am Scheitern des damaligen Bündnisses war Fiedler sicherlich nicht ganz unschuldig. Letztendlich hat sich herausgestellt, dass er mit allen Fraktionen aneckt. Mit dem heutigen Wissen würde ihn keiner mehr aufstellen. Wir haben uns getäuscht.

Was werden Sie anders machen?

Kravanja: Die Wirtschaftsförderung wird das Wahlkampfthema sein. Das hat Fiedler damals zur Chefsache erklärt, und daran muss er sich nun messen lassen. Die Entwicklung der Stadt Geilenkirchen stagniert. Das neue Gewerbegebiet in Nieder-heid zwischen Geilenkirchen und Gillrath wird nicht vernünftig vermarktet. Die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung muss besser werden.

Bei der Wirtschaftsförderung müssen wir aktiver werden, wir können nicht darauf warten, dass Firmen auf uns zukommen. Dieses Gewerbegebiet ist vielleicht das letzte, das wir in den nächsten zehn bis 20 Jahren ausweisen können. Das weitere Entwicklungspotenzial der Stadt liegt im Industriegebiet Lindern. Da muss man viel energischer rangehen. Da muss sich auch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises hinterklemmen.

Verlassen wir doch einmal die Gewerbegebiete und blicken auf die Stadt . . .

Kravanja: Wichtig ist ein Parkplatzkonzept für die Innenstadt. Parkplätze sind entweder nicht da oder sie sind besetzt. Das ist dann ein Problem für den Einzelhandel. Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, ob wir mehr Parkraum anbieten können. Am Ende der Straße „In der Au“ beispielsweise liegt ein städtisches Grundstück brach. Warum wird daraus kein Parkplatz? Kleine Neubaugebiete können wir wieder ohne Stadtentwicklungsgesellschaft entwickeln, nachdem wir aus der Haushaltssicherung raus sind. Gratis Wlan in der Innenstadt wäre sicherlich sexy für die Jugend.

Was natürlich wieder Kosten verursacht.

Kravanja: Die Kosten würden sich im Jahr auf etwa 4000 Euro belaufen. Ich bin davon überzeugt, dass man dafür Sponsoren findet.

SPD, Grüne und FDP haben keinen eigenen Kandidaten. Hoffen Sie auf deren Unterstützung? Führen Sie bereits Gespräche?

Kravanja: Wir haben diesen drei Parteien ein Angebot für Gespräche gemacht und hoffen auf ihre Unterstützung. Alle haben Gesprächsbereitschaft signalisiert.

Wie sieht Ihr Wahlkampf aus?

Kravanja: Die Bürgerliste hat nie eine Firma für ihre Wahlkämpfe beauftragt, wir haben alles selbst gestrickt. Wir werden auch jetzt wieder ein Wahlkampfteam bilden, das dann Ende Februar, Anfang März den Wahlkampf plant. Das reicht, schließlich haben wir jetzt noch acht Monate Zeit bis zur Wahl.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Kravanja: Wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass ich gewinnen könnte, würde ich nicht antreten. Ich habe viel Zuspruch bekommen, auch von Menschen, von denen ich es nicht erwartet habe. Ich sehe eine reelle Chance.

Sollte man als Bürgermeister nicht eine gewisse Führungserfahrung haben?

Kravanja: Bei der Stadt Jülich bin ich Amtsleiter. Zwar führe ich nur acht Mitarbeiter, aber auch dafür braucht man Führungserfahrung.

Ein Wort über ihren Gegenkandidaten?

Kravanja: Ich war überrascht von dem Wahlergebnis der CDU, weil ich Ronnie Goertz als den schwächsten der vier Kandidaten gehalten habe. Er hat keine Politikerfahrung, keine Verwaltungserfahrung, und ein Learning by doing reicht nicht aus. Wir müssen aufpassen, dass wir keinen Bürgermeister bekommen, der sich erst ein paar Jahre einarbeiten muss und Geilenkirchen dadurch ein paar Jahre verliert.

Was befähigt einen Banker ohne Verwaltungserfahrung zum Bürgermeister, lautet die Frage. Aus dieser Äußerung eines CDU-Stadtverordneten leite ich ab, dass selbst in der CDU relevante Bedenken bezüglich seiner Qualifikation bestehen. Merkwürdig ist doch auch, dass Ronnie Goertz parteilos ist und als CDU-Kandidat am Wahlabend von den politischen Parteien bei Facebook lediglich den FDP-Kreisverband Heinsberg geliked hat. Ob das heute so ist, weiß ich nicht, aber am Wahlabend war es so.

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