Geilenkirchen - Chirurgen befürchten „Katastrophale Auswirkungen für Patienten”

Chirurgen befürchten „Katastrophale Auswirkungen für Patienten”

Von: Udo Stüßer
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Die niedergelassenen Chirurgen schlagen Alarm, nachdem ihre Honorare gesenkt wurden: Sie befürchten nun lange Wartezeiten für Patienten. Foto. ddp

Geilenkirchen. Die niedergelassenen Chirurgen im Gebiet der Ärztekammer Nordrhein laufen Sturm: „Dabei geht es nicht um arme Ärzte. Es geht um arme Patienten, die trotz Krankenkasse nicht mehr versorgt werden können. Es sei denn, der Arzt steckt weiterhin seine eigenen finanziellen Mittel rein”.

Dies erklärt der in Geilenkirchen niedergelassene Chirurg Dr. Manfred Weisweiler, Vorsitzender der „Genossenschaft Niedergelassener Chirurgen Nordrhein” und Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Niedergelassener Chirurgen Nordrhein”.

Wenn heute, am 1. Juli, das neue Quartal beginnt, ist dies für die Chirurgen mit erheblichen Einbußen verbunden. „Die gesamte ambulante Versorgung für drei Monate inclusive Röntgen muss ab jetzt für 24 Euro erbracht werden. Das ist eine Flatrate für acht Euro im Monat”, sagt Weisweiler als Sprecher von 200 niedergelassenen Chirurgen.

Als er mit seinem Kollegen Dr. Michael Simons 1994 die chirurgische Praxis in Geilenkirchen gründete, war eine ambulante Versorgung der Patienten gut möglich. „Damals gab es noch zehn Pfennige je Punkt. Heute, 16 Jahre später, liegen wir bei 2,1 Cent je Punkt beim Röntgen”, klagt er und schimpft: „Zwischenzeitlich ist die ambulante Versorgung zwischen 30 und 50 Prozent unterfinanziert.”

Weisweiler verdeutlicht das Problem: Kommt beispielsweise ein Patient mit einem Knochenbruch in die Praxis, sind für die Behandlung vier bis fünf Kontakte mit dem Arzt erforderlich. Der Bruch wird mehrfach geröntgt, es werden Gipsverbände angelegt und Berichte an Hausarzt und Krankenkasse geschickt. Je nach Diagnose ist auch schon einmal eine kleine Operation erforderlich. „Und das alles für acht Euro im Monat.”

Dabei ist auch die Zahl der Patienten festgelegt. Weisweiler und seine Kollegen Dr. Michael Simons und Michael Schneiders dürfen pro Quartal nur 1650 Patienten versorgen. „Alle weiteren Behandlungen bekommen wir von der Krankenkasse nicht bezahlt. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren viele Patienten umsonst behandelt”, sagt Weisweiler und rechnet: 1650 Patienten im Quartal mal 24 Euro machen summa summarum 39.600 Euro Umsatz in drei Monaten. Für drei Ärzte und zwölf Kranken- und Op-Schwestern, Arzthelferinnen und Reinigungskräfte.

Und Miete und Strom müssen auch bezahlt werden. „Bisher gab es wenigstens noch 32 Euro pro Patient und pro Quartal. Da lagen wir schon weit unter einer Kostendeckung. Ab jetzt aber sind wir 50 Prozent von der Kostendeckung entfernt.” Geld verdienen die Chirurgen und ihre Mitarbeiter mit großen Operationen, mit plastischer Chirurgie und durch Privatpatienten. „Und mit diesem Gewinn haben wir die kassenärztliche Regelversorgung der Bevölkerung mitfinanziert. Aber nachdem die Vergütung für die kassenärztliche Regelversorgung abermals um 25 Prozent eingebrochen ist, können wir dies einfach nicht mehr.”

Weisweiler nennt die Konsequenzen: „Wenn es nicht zu einer schnellen Lösung kommt, müssen wir betriebsbedingt kündigen. Denn die Gewinnspanne bei einer großen Operation ist nicht so hoch, dass sie eine Subventionierung ermöglicht.” Weniger Personal in der Vogteipraxisklinik im Ambulanten Medizinischen Zentrum in der Vogteistraße bedeutet natürlich auch weniger Arbeitskraft für Dienstleistungen für Patienten.

Im Klartext: „Wir werden Kassenpatienten abweisen müssen, es wird kaum noch zeitnahe Termine geben. Nur eine Notversorgung kann dann noch gewährleistet werden.”

Um wirtschaftlich arbeiten zu können, so der Vorsitzende der Genossenschaft Niedergelassener Chirurgen Nordrhein, müsse eine Stunde Öffnungszeit im Unternehmen 526,30 Euro einbringen. „Bei drei Ärzten bedeutet dies etwa 200 Euro je Arzt-Arbeitsstunde. 24 Euro bedeuten 7,2 Minuten Arzt-Arbeitszeit in drei Monaten je Patient. Und in 7,2 Minuten kann ich keine Fraktur behandeln.”

Eine Lösung ist für Weisweiler nicht in Sicht. Aber eines weiß er: „Wir können die Bevölkerung nicht mehr versorgen.” Die Finanzierung müsse nun entweder bei der Kassenärztlichen Vereinigung oder bei der Krankenkasse geregelt werden. Er fordert: „Es muss mehr Geld ins Gesundheitswesen fließen. Notfalls über höhere Krankenkassenbeiträge. Ansonsten hat das katastrophale Auswirkungen für die Patienten.”

Ambulante Operationen, so Weisweiler, seien von den Beschränkungen unbeeinflusst und könnten weiterhin vorgenommen werden.
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