CDU schickt Ronnie Goertz ins Rennen

Von: Jan Mönch
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Er soll´s richten: Ronnie Goertz (rechts), hier zu sehen mit dem Landtagsabgeordneten Bernd Krückel, wurde von der CDU-Mitgliederversammlung als Bürgermeisterkandidat nominiert. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Es war knapp, es war wahrhaftig ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Allerdings nicht bei der Frage, wen die CDU als Bürgermeisterkandidaten nominiert. Sondern bei der Frage, wer mit Ronnie Goertz in die Stichwahl geht.

Die CDU Geilenkirchen hatte sich am Donnerstagabend zur Mitgliederversammlung in Immendorf getroffen, um sich per Abstimmung auf einen Bürgermeisterkandidaten zu einigen. Und Ronnie Goertz holte im ersten Wahlgang eine deutliche, gleichwohl für die Nominierung nicht ausreichende Mehrheit von 74 Stimmen. Abgeschlagen folgten in dieser Reihenfolge: Manfred Schumacher mit 39 Stimmen, Klaus Bales mit 36 Stimmen, Udo Röllenblech mit 34 Stimmen.

„Ich bin mir sicher, dass alle vier wirkliche Demokraten sind und wir nach diesem Abend geschlossen hinter unserem Kandidaten stehen“, hatte der stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Wilhelm-Josef Wolff die Versammlung eingeläutet. „Klar ist, dass Geilenkirchen etwas Besseres verdient als den Bürgermeister, den wir im Moment haben.“

Ronnie Goertz ist Banker und hat sich in der Region als Vorsitzender des Kreissportbundes einen Namen gemacht, Klaus Bales kennt man vor allen Dingen als Ortsvorsteher von Prummern. Manfred Schumacher ist der hiesige CDU-Chef, Udo Röllenblech, ein Verwaltungsfachmann aus Steinfurt und Brüssel-Lobbyist, war in Geilenkirchen bislang völlig unbekannt und somit als krasser Außenseiter ins Rennen gegangen. Dass Röllenblech im ersten Wahlgang auf dem letzten Platz landete, konnte somit niemanden überraschen – einen Achtungserfolg landete er mit seinem Ergebnis aber dennoch: Wären nur drei der Schumacher-Stimmen auf Röllenblech entfallen, wäre dieser mit Ronnie Goertz in die Stichwahl gegangen, nicht der CDU-Chef.

Wie auch immer: Diesseits des Konjunktivs musste ein zweiter Wahlgang für Goertz und Schumacher her. Neue Wahlzettel wurden gedruckt, neue Schlangen bildeten sich an den Wahlständen, erneut wurde ausgezählt. Anschließend marschierte die stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende Resi Hensen mit einem Blumenstrauß Richtung Bühne. Den durfte dann Ronnie Goertz mit nach Hause nehmen, der sich abermals recht deutlich mit 102 zu 74 Stimmen gegen Manfred Schumacher durchgesetzt hatte.

Es war das erste Mal, dass die CDU-Mitglieder die Wahl zwischen gleich vier Kandidaten hatten. Bislang war es Usus, dass der Vorstand der Versammlung einen einzelnen Kandidaten empfahl, die Wahl somit – de facto – im Alleingang traf. Man darf also sagen, dass der Verband am Donnerstag in der Gaststätte Werden-Pongs ein echtes Stück Basisdemokratie erprobte. Für Unruhe sorgte unmittelbar vor der Abstimmung Beisitzer Karl-Peter Conrads, der Fragen an die Kandidaten richten wollte – mit einer reichlich ausführlichen Einleitung allerdings bedenklich nahe in die Nähe einer Wahlempfehlung rückte. Landtagsabgeordneter Bernd Krückel, der als Versammlungsleiter fungierte, rief Conrads mit wenigen deutlichen Worten zur Ordnung – und erntete dafür zustimmendes Klopfen auf die Tischreihen.

Ob der Bürgermeisterkandidat bei dem althergebrachten Prozedere – Vorstand schlägt vor, Versammlung stimmt zu – nun Schumacher hieße, bleibt für alle Ewigkeit Spekulation. Das gilt auch für die Frage, wie viele der Mitglieder schon vor der Versammlung die Entscheidung über ihr Votum gefällt hatten und wie viele diese erst in Werden-Pongs trafen. Dort stellten die vier Kandidaten sich nämlich mit einer Ansprache vor – in ausgeloster Reihenfolge und zwecks Chancengleichheit jeweils unter Ausschluss der drei Konkurrenten.

Ronnie Goertz: Warb insbesondere mit seinem sehr jungen Alter für seine Person. Geilenkirchen brauche endlich wieder einen Bürgermeister, der länger als für eine Amtsperiode die Geschicke der Stadt führt. Mit seinen nur 38 Jahren seien fünf oder sogar sechs Amtszeiten denkbar, Führungserfahrung bringe er dennoch aus dem ehrenamtlichen wie aus dem beruflichen Bereich mit. Ging neben vielen weiteren Punkten auch auf die Wirtschaftsförderung verstärkt ein – und blickte dabei über die Kreisgrenzen hinaus. Bad Münstereifel beispielsweise biete mit der Schaffung eines Outlet-Centers ein „zukunftsfähiges Beispiel“. Geilenkirchen hingegen verkaufe sich unter Wert. Kritisierte das „Misstrauen“, das zwischen dem amtierenden Bürgermeister Thomas Fiedler und dem Rat herrsche. Will – auch ermöglicht durch seine Parteilosigkeit – „traditionelle CDU-Wähler abholen, aber auch neue Wählergruppen mobilisieren“.

Manfred Schumacher: Ist Polizist und tätig im gehobenen Dienst, widmete dementsprechend einen Teil seiner Rede dem Thema Sicherheit. In Geilenkirchen gebe es „No-go-Orte“, die zu betreten vielen Bürgern Angst mache. Ging auch stark auf den Führungsstil des amtierenden Bürgermeisters gegenüber der Verwaltung ein. Das Verhältnis sei „zerrüttet, um es vorsichtig zu sagen“. Nicht umsonst liege ein ausgesprochen hoher Krankenstand vor. „Der Verwaltung muss wieder Lust auf Verwaltungsarbeit gemacht werden.“ Griff auch die Wirtschaftsförderung unter Fiedler an und schimpfte mit Blick auf das Gewerbegebiet Niederheid-Süd: „Da müsste nicht nur eine Liste mit 20 Interessenten liegen, da müssten schon die Bagger anrollen.“

Udo Röllenblech: Der gelernte wie studierte Verwaltungsprofi und Lobbyist bezeichnete sich als „einen sehr guten Netzwerker“. Schrieb sich breite und umfassende Erfahrung in zahlreichen Verwaltungsbereichen auf die Fahne. Wirkte freundlich und sympathisch, ging auf Geilenkirchen-spezifische Probleme und Herausforderungen allerdings praktisch gar nicht ein. Wies den Vorwurf von CDU-Beisitzer Karl-Peter Conrads, er wolle Geilenkirchen als „Sprungbrett“ für andere Aufgaben nutzen, entschieden zurück: „Da bin ich noch nicht einmal drauf gekommen.“

Klaus Bales: Wollte ebenfalls mit Führungs- und Verwaltungserfahrung, erworben bei der Knappschaft, punkten. Versprach einen „Kulturwandel“ in Sachen Mitarbeiterführung. „Ein Formel-1-Fahrzeug, das 1000 PS hat, gewinnt nicht automatisch das Rennen. Genau so ist es mit der Verwaltung.“ Erinnerte, ganz Ortsvorsteher, daran, dass nicht nur für den Stadtkern, sondern auch für die Dörfer viel getan werden müsse. Stellte in Aussicht, in jedem Dorf mindestens einmal pro Jahr eine Bürgersprechstunde abzuhalten. „Ich verspreche Offenheit, Fairness und Transparenz. Aus der Hüfte zu schießen bringt nichts.“

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