Carolus-Magnus-Gymnasium bietet Sprachunterricht für Flüchtlinge an

Von: Katrin Fuhrmann
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Keine leichte Aufgabe: Die Schüler helfen sich bei der Aufgabe „Hör zu und lies“ gegenseitig. Dabei merken sie, dass sie in den vergangenen Wochen schon viele Wörter gelernt haben. Foto: Markus Bienwald
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Alle sind gleich: Im Deutschunterricht am Carolus-Magnus-Gymnasium spielt es keine Rolle, welche Sprache man spricht und welche Kultur man hat. Die Klasse ist inzwischen ein gutes Team geworden. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. „Mama, ich geh zu Hannes“, „Und was ist mit den Hausaufgaben? Bist du schon fertig?“ – Immer wieder lesen Anjela (14) und Klodiana (15) diesen Satz laut vor. Nach jedem Mal klappt es besser. Aber Hans Münstermann, Schulleiter des Carolus-Magnus-Gymnasiums, ist noch nicht zufrieden.

Bei der Aussprache hapert es noch. Zur Verdeutlichung schreibt er den Satz noch einmal an die Tafel. Mit leiser und ruhiger Stimme liest er den beiden Mädchen den Satz ein weiteres Mal vor. Die 15-jährige Klodiana spricht den Satz nach. Und dann klappt es. „Gut gemacht“, sagt Münstermann und macht mit der Aufgabe „Hör zu und lies“ weiter.

Diese Übung ist Teil des Deutschunterrichts für nicht deutschsprachige Schüler am Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach Palenberg. Jeder der 18 Schüler in diesem Kurs ist auf einem anderen sprachlichen Niveau. Doch sie alle sind zum Teil erst seit ein paar Wochen in Deutschland. Sie sind Flüchtlinge aus Guinea, Syrien und dem Irak. Es sind aber auch Schüler aus Nato-Mitgliedsstaaten dabei, deren Eltern bei der Nato Air Base in Geilenkirchen stationiert sind.

Zurzeit nehmen mehr als 30 Schüler in zwei Gruppen an dem Deutschunterricht teil. Für Münstermann und sein Kollegium ist das kein Problem. „Heute sind es 30 Schüler, nächste Woche vielleicht 40, und wie viele es in einem Monat sind, das wissen wir nicht“, sagt Münstermann. Er ergänzt: „Mit einem Zustrom von Asylsuchenden dieser Größenordnung, konnte niemand rechnen. Auch wir nicht. Aber uns war von Anfang an klar, dass wir uns engagieren wollen und die Integration vorantreiben wollen“, so Münstermann.

In den Reihen finden sich auch ältere Frauen und Männer wieder, deren zur Zeit größter Wunsch es ist, möglichst schnell Deutsch zu lernen – damit auch die Integration besser und vor allem schneller gelingt.

Sechs Stunden die Woche werden die nicht deutschsprachigen Schüler von ihren Klassen getrennt unterrichtet. In den übrigen Fächern wie Mathematik, Biologie Musik oder Kunst werden die Schüler gemeinsam mit den anderen Schülern des Gymnasiums unterrichtet, und das, obwohl einige von ihnen erst ein paar Tage in Deutschland sind. „Die meisten sind gerade erst in Deutschland angekommen. Sie und auch ihre Eltern haben ein großes Interesse daran, schnell in Deutschland Fuß zu fassen. Und ohne die deutsche Sprache zu beherrschen, funktioniert das eben nicht“, erklärt Münstermann. Für ihn und seine Schule sei es eine Ehrensache, die Schüler zu integrieren.

Bei dem einen oder anderen Schüler will es mit dem Schreiben und dem Sprechen noch nicht so richtig klappen. Das scheint aber kein Problem zu sein. Die Schüler helfen sich gegenseitig – sie verständigen sich mit Händen und Füßen, auf Arabisch, Englisch oder in einer der Sprachen, die ein anderer Kursteilnehmer auch spricht. Schnell fällt auf: Es kommt auf die richtige Betonung, die Gestik und Mimik an. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weiß auch Münstermann. Denn wie zeigt man Schülern, die scheinbar die Bedeutung von dem Wort „zufrieden“ nicht verstehen, welche Bedeutung dieses Wort eigentlich hat? „Da muss man sich manchmal schon etwas einfallen lassen und kreativ sein“, sagt er.

Bei einigen Schülern hapert es noch an der Bildung der Verben. So wird aus „Jens lernt Englisch“ schnell einmal „Jens ‚lernen‘ Englisch“. Wiederum andere haben aber ein viel größeres Problem. Sie kennen nur die arabischen Schriftzeichen und können daher nicht einmal die Sätze entziffern, die Münstermann an die Tafel schreibt. Für sie ist das der reinste Buchstabensalat. Keine leichte Aufgabe also für Münstermann und sein Kollegium. „Man muss geduldig sein und sich immer wieder vor Augen führen, dass manche Schüler erst seit einigen Wochen hier sitzen. Die meisten müssen von heute auf morgen eine neue Sprache lernen. Manche sogar eine neue Schrift. Das braucht seine Zeit“, sagt Münstermann.

Doch die Schule kann in Sachen Integration auf ihre jahrelange Erfahrung zurückgreifen. Denn Schüler, deren Eltern bei der Nato in Geilenkirchen stationiert sind, werden am Übach-Palenberger Gymnasium schon längst unterrichtet.

Ein Grund, wieso das Konzept aufzugehen scheint. „Es ist doch nicht wichtig, woher jemand kommt und wie alt er ist. Es ist nur wichtig, was er kann beziehungsweise, was er eben nicht kann. An diesem Punkt müsse man ansetzen“, so Münstermann. Es gäbe zwar Hürden, aber keine, die nicht überwindbar wären. Ein Konzept an das auch die Schüler glauben. Die Schülervertretung hat dafür gesorgt, dass jeder nicht deutschsprachige Schüler einen Paten an die Seite gestellt bekommt, damit sie bei Fragen und Sorgen immer jemanden haben, der ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. „Das ist eine richtig gute Sache“, findet auch Nele Altana, stellvertretende Schülersprecherin.

Sie findet es besonders toll, die anderen Kulturen kennenzulernen. Ob Sitten, Bräuche oder auch das Essen, man lerne einfach dazu. „Manchmal stellt man fest, dass die andere Kultur gar nicht so unterschiedlich ist, wie man vermutet. Man findet auch immer wieder Gemeinsamkeiten“, erzählt die Schülerin. Die Integration scheint also zu funktionieren. „Das klappt auch deswegen so gut, weil hier jeder mit anpackt“, so Münstermann – ganz nach dem Motto der Schule „Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“.

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