Busfahrer übersieht 34 Kita-Kinder an Haltestelle

Von: Jan Mönch
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Kann man diese Rasselbande wirklich übersehen? Oder sie für Schulkinder halten? Was als ein Ding der Unmöglichkeit erscheint, ist einem Busfahrer in Geilenkirchen-Beeck gelungen. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Im Grunde ist die Sache mit dem Busfahren ja nicht übermäßig kompliziert. Man wartet an der Haltestelle, setzt sich wenn möglich hin, und sobald das erwartete Fahrzeug naht, steht man auf und macht gegebenenfalls ein paar Schritte in Richtung Straße.

Der Busfahrer weiß dann: Aha, da will jemand mit – und hält an. Es kann auch vorkommen, dass eine große Gruppe Kinder an der Haltestelle steht. Auch das ist dann ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese eine Beförderung in Anspruch nehmen will. Sonst stünde sie nicht an der Haltestelle. So einfach ist das. Oder?

Beim Geilenkirchener AWO-Kindergarten Stadtmitte weiß man seit dem 2. Oktober, dass es nicht immer so einfach ist. Da nämlich warteten gegen Mittag exakt 34 Kinder mit fünf erwachsenen Begleitpersonen an der Haltestelle „Beeck Kreuz“ auf den Bus. Nach dem Besuch auf einem Bauernhof wollte man mit der Linie 494 nach Geilenkirchen zurück in den Kindergarten fahren, wo bereits das Mittagessen wartete. Der Bus kam dann sogar überpünktlich – hielt aber nicht an, sondern fuhr ohne anzuhalten oder auch nur abzubremsen an der entgeisterten Gruppe vorbei. So schildern es die Mitarbeiterinnen der Kita, die dabei waren.

Für einen Erwachsenen wäre das schon ärgerlich genug, allzu dicht geknüpft ist das ÖPNV-Netz im ländlichen Raum schließlich nicht. Mit 34 Kindern im Kindergartenalter im Schlepptau hingegen zieht so ein Vorfall für die Verantwortlichen eine Menge logistische Probleme nach sich. Weil der nächste Bus planmäßig erst eine Stunde später fahren sollte, entschied man sich, stattdessen in Gegenrichtung zum Bahnhof Lindern und von dort mit dem Zug nach Geilenkirchen zu fahren.

Der Busfahrer, der die Gruppe nach Lindern brachte, entschuldigte das Verhalten seines Kollegen damit, dass man sich vermutlich nicht hinreichend bemerkbar gemacht habe. Kann man 34 Kinder, die dazu noch Warnwesten tragen, tatsächlich übersehen? Schwer vorstellbar. Eine Anwohnerin der Bushaltestelle, die den Vorfall mitbekommen hatte, wusste dem Kita-Personal jedenalls zu berichten, derlei Vorkommnisse schon öfters erlebt zu haben.

Wie auch immer: Bis die Kinder des AWO-Kindergartens an ihrem Bestimmungsort eintrafen, war natürlich eine mehr als beträchtliche Verspätung zustande gekommen. Das Mittagessen für die Kinder, die ganztags betreut werden, wurde kalt.

Und von der Kita aus versuchte man fieberhaft, die Eltern der übrigen Kinder telefonisch zu erreichen. Denn die standen ja am Bestimmungsort der Linie 494 und wollten dort ihre Kleinen in Empfang nehmen. Kurz gesagt: Es herrschten ein ziemlicher Ärger und eine ziemlich Aufregung.

Schriftliche Beschwerde

Die Sache wäre wahrscheinlich trotzdem relativ schnell wieder vergessen gewesen, wenn man sich bei Kita-Leiterin Ingrid Grein und den Kindern entschuldigt hätte. Grein nämlich setzte unmittelbar nach dem Vorfall eine schriftliche Beschwerde an die West Energie und Verkehr GmbH auf. Keine Reaktion. Als Ingrid Grein vergangene Woche telefonisch nachsetzte, wurde ihr ein Rückruf versprochen.

Der kam aber bis heute nicht. Gegenüber unserer Zeitung weist West nun darauf hin, dass die Linie 494 allein durch die RVE Euregio Maas-Rhein, die zum Imperium der Deutschen Bahn gehört, bedient werde. Auch dort war jedoch eine Beschwerde eingegangen – wohlgemerkt erst vergangene Woche –, schriftlich aufgesetzt vom Vater eines der Kinder. „Dieses grob pflichtwidrige Fehlverhalten kann ich nicht hinnehmen“, schrieb der verärgerte Vater. Keine Reaktion.

Erst nachdem unsere Zeitung angefragt hat, wird der Sache nachgegangen. Ein RVE-Sprecher teilt mit, dass man erst am Mittwoch Kenntnis von der Angelegenheit erhalten habe. Der Fahrer des betreffenden Busses habe vorgegeben, die wartende Gruppe für Schulkinder gehalten zu haben, die auf den Schulbus warten.

Der Fahrer werde nun ermahnt – zumal beim Anfahren einer Haltestelle nicht von Mutmaßungen auszugehen sei. Vielmehr sei jeder Fahrer klar angewiesen, an einer Haltestelle stehen zu bleiben und die Türen zu öffnen, sofern dort jemand wartet. Wenn der Wartende nicht zusteigt, und zwar wirklich erst dann, dürfe die Fahrt fortgesetzt werden.

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