Bus kommt auf jungen Beinen zur Schule

Von: Markus Bienwald
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Lukas an der Spitze des „Lauf
Lukas an der Spitze des „Laufbusses”, der durch ein selbstgemaltes Schild und die umgelegten Leuchtschärpen allen anderen Verkehrsteilnehmern zeigt, wie ein Schulweg auch aussehen kann. Foto: Markus Bienwald

Gangelt-Birgden. Der „Laufbus” ist das neueste Verkehrsmittel in Birgden. Etwas für Ausgeschlafene wie Walter Beckers und Theo Brender. Die beiden Rentner aus Gangelts größtem Ortsteil Birgden sind 68 und 73 Jahre jung. Doch an diesem Dienstagmorgen stehen sie, mit einem Anhaltestab und einer roten Warnweste ausgerüstet, vor der Katholischen Grundschule (KGS) Birgden und warten auf die Busse.

Es werden viele sein, und sie werden nicht die üblichen Abgase ausstoßen, die beim Verbrennen von Treibstoffen zu messen sind. Denn die Busse, auf die Walter und Theo warten, funktionieren nur mit Körperkraft und hören auf den schicken Namen „Laufbus”. Damit sind Gruppen und Grüppchen von Kindern aus den gleichen Straßenzügen gemeint, die sich morgens gemeinsam zum Schulweg treffen und das Ritual nach Schulende beim Heimgehen wiederholen.

Zumindest in dieser Woche ist das so, wie die Leiterin der „Schule der Begegnung”, Claudia Storms-Übachs, berichtet. „Wir nehmen damit an den Aktionstagen Zu Fuß zur Schule teil”, sagt sie. Doch es steckt weitaus mehr dahinter. Aufgrund des permanenten Bring- und Abholverkehrs - Schulbeginn und Schulende - herrscht regelmäßig drangvolle Enge auf den Verkehrsflächen vor der KGS.

Dass das nicht nur ökologisch eine Sünde ist, sondern neben dem unnötigen Stress für alle Beteiligten auch noch Gefahrenpotenziale birgt, bestätigen auch Walter Beckers und Theo Brender. „Sonst herrscht hier das totale Chaos”, bestätigen sie. Doch bevor er weitersprechen kann, rückt schon der erste „Laufbus” an.

An seiner Spitze geht Lukas, der mit einem selbst gestalteten Schild klar macht, wer hier denn anrückt. Zehn Leute sind sie insgesamt, so sparen sie, rechnen die Kinder schnell mal vor, Sprit, Abgase und Abnutzung von bis zu zehn Pkw. Und das gleich doppelt, wegen des Rückwegs.

Gemeinschaft erleben

„Früher gab es das nicht”, erinnert sich Theo Brender, damals seien alle zu Fuß gelaufen. Sich austoben, Gemeinschaft erleben, mit den anderen schon vor Schulbeginn kommunizieren: All das fällt weg, wenn statt des „Laufbusses” der alltägliche „Elternbus” angefordert wird. Den Rentnern - sie sind eine gemischte Gruppe von zehn Leuten mit Initiator Heinrich Aretz an der Spitze - macht das Ganze mindestens genauso viel Freude wie den Kindern.

Kekse als Dankeschön

Das ist nicht nur an diesem sonnigen Herbstmorgen so, wie die beiden berichten. „Eine gute Sache, die wirklich viel Spaß macht”, sagt Theo Brender über seinen neuen, ehrenamtlichen „Nebenjob”. Und Walter Beckers hat sogar schon einmal ein paar Plätzchen als Dankeschön für seine freiwillige Tätigkeit mit nach Haus genommen. Ob mit oder ohne Kekse: Den Helfern gibt die Tätigkeit nicht nur Sinn, sie freuen sich, etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Die Gemeinde Gangelt steuert zum Gelingen der Aktion auch etwas bei. So wird derzeit, direkt in dem Wendehammer für Busse, eine Querungshilfe eingebaut. Helfen soll sie dabei, dass das Ziel vom „Laufbus” - Reduzierung von Verkehr, weniger Stress, mehr Gemeinsinn - auch in den Köpfen der Eltern ankommt.

Denn da soll es hin, bestätigen vor allem die Erwachsenen, die früher auch schon mal die Busspur blockierten, nur um den Nachwuchs zur Schule zu bringen. Die Zeiten sind vorbei, durch die bauliche Einschränkung der Querungshilfe wird das nicht mehr möglich sein. Theo Brender und Walter Beckers soll es recht sein, denn ihnen sind „Laufbusse” mit Kindern eh lieber. Denn helfen sie gerne über die Straße.

„Rot” für den Weg zur Schule mit dem Auto

Die Aktionstage „Zu Fuß zur Schule” gibt es seit fünf Jahren. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und das Deutsche Kinderhilfswerk wollen damit Probleme offenlegen. So erfüllen laut einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums von 2010 nur 15 Prozent der vier- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Mindest-Bewegungsdauer von 60 Minuten pro Tag.

Dazu erleben die Kinder einen selbstbewussteren Umgang in der Gruppe und im täglichen Straßenverkehr. Auch die Eltern werden entlastet, denn in ihrem meist prall gefüllten Terminkalender entfallen mindestens zwei Autofahrten.

Für Sicherheit ist gesorgt: Nicht nur das selbstgemalte „Laufbus”-Schild erregt Aufmerksamkeit, auch kleine Leuchtschärpen, die um den Hals gelegt werden, zeigen die Gruppe als Einheit. In dieser Woche die Schülerinnen und Schüler an der KGS Birgden erleben ein „Selbstmonitoring”: Anhand eines DIN-A4-Blattes tragen sie ein, auf welchem Weg sie zur Schule gelangt sind. Und wie bei den Farben einer Ampel gibt es da Grün für Fuß- und Radweg, Gelb für den motorbetriebenen Bus - und Rot für das Auto.

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