Geilenkirchen - Burg Trips: Eine Chance für Geilenkirchen

Burg Trips: Eine Chance für Geilenkirchen

Von: Georg Schmitz
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Die Studentinnen Jessica Blanc aus Moers, Anna Graff aus Langerwehe, Vermessungsingenieur Hans Meyer und die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kunsthistorischen Instituts, Heike Lehmann (v.l.), vermessen den Burgturm. Foto: Georg Schmitz
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Ricarda Altvater aus Castrop-Rauxel (l.) und Carina Sperber aus Nürnberg werten die Turmbegehung aus und digitalisieren die Daten.

Geilenkirchen. Die Familie Davids als Besitzerin von Burg Trips, aber natürlich auch Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler waren gespannt, welche Zukunfts-Perspektiven sich nach der Analyse durch die Studierenden aus ganz Deutschland der Burg eröffnen würden.

Fiedler lobte die Studenten für ihr Engagement, denn sie hätten etwas geleistet, was für die Stadt Geilenkirchen von großer Bedeutung sei. Bei einer Abschlusspräsentation im Burgsaal stellten die in den Disziplinen Restauration, Konservierung, Erhaltung, Architektur, Innenarchitektur, Archäologie, Kunstgeschichte, Völkerkunde, Stadtplanung, Bauingenieurwesen oder Bauforschung tätigen jungen Frauen und Männer dem versammelten Auditorium die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

„Das war Archäologie über Tage“, sagte Prof. Dr. Norbert Nußbaum. Für die Studierenden habe es sich um ein begeisterungsfähiges Projekt gehandelt, bei dem eine denkmalpflegerische Maßnahme im Planungsstadium vorbereitet worden sei. „Wie sieht nun der Genesungsverlauf der Burg aus?“, stellte der Professor die Frage und ließ die Studierenden zu Wort kommen.

Die Burg ist viel älter

Deren Moderatorin Marlene Lieback ging gleich auf die Zielsetzung ein: „Für die Burg gilt es, ein Nutzungskonzept für die Zukunft zu entwickeln.“ Dies bedürfe einer vorherigen genauen Kenntnis von Historie und Zustand des Gebäudes. Die Recherchen hätten unter anderem eine Vielzahl von Umbaumaßnahmen aufgedeckt. Die Studentengruppe „Inventarisation“ hat die Ergebnisse ihrer Bestandsaufnahme in einer Raumtabelle dokumentiert. Bei Trips handele es sich um eine mittelalterliche Wasserburganlage, die in vielen Teilen als Schloss erscheine.

Viele Indizien deuteten auf den Spätbarock, wobei aber auch übermalte Stuckarbeiten des Frühbarocks gefunden wurden. Im weiteren Verlauf sei eine neobarocke Ausgestaltung erfolgt. Die zehn Studierenden der Gruppe „Bauforschung“ hatten überraschende Befunde zu Tage gefördert. „Die Entstehung der Burg muss vom 15. auf das 14. Jahrhundert korrigiert werden“, machten die Sprecher klar. Dies gehe auch aus einem Bauphasenplan hervor, der auf die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts verweise. Der hohe Turm habe früher als Wehrturm gedient. Davon zeugten die noch vorhandenen Schießschachte, die aufgrund des vertikalen Schlitzes für die Verwendung von Armbrust sowie Pfeil und Bogen ausgelegt waren. Für die Bauforscher war klar: „Die Geschosse haben sich immer wieder verändert.“ Hier müsse unbedingt weiter geforscht werden, um die Entstehungsgeschichte besser zu beleuchten. Anhand von Visualisierungen zeigten die Studenten, dass sich in der Burg früher prunkvolle Räume befunden haben, die auf Zeiten von Wohlstand hindeuteten. Die Gruppe 3 befasste sich mit der „Konzeptentwicklung“, die zukünftige Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen könnte.

Die Studierenden hatten die Bürger von Geilenkirchen nach ihren Vorstellungen befragt. „Die Jugend wünschte sich in der Burg Disco, Kino oder Shoppingmall“, schmunzelte Lisa Freund. Das Klientel über 30 Jahre brachte Vorschläge wie gehobene Gastronomie mit Restaurant oder Café, Übernachtung, Event-Location unter Einbeziehung des Schlossparks, Unterhaltung, Museum oder Treffpunkt für Jung und Alt ins Spiel. Auch das Trauzimmer sei oft genannt worden. Die Studenten und ihre Workshopleiterin Dr. Dorothee Heinzelmann halten eine Verwendung der Burg im Rahmen eines überregionalen Tourismuskonzeptes mit Ausrichtung auf den Tagestourismus, eingebunden in eine noch zu erstellende Rad- und Wanderroute entlang der Burgen und Schlösser an der Wurm, für sinnvoll. Auch eine kleine Gastronomie wäre denkbar. Für die noch nicht einer Nutzung zugeführte Hauptburg von Trips bestehe die Möglichkeit, sie öffentlich zu machen.

Konzert und Lesungen

„Das ist eine Chance, die Geilenkirchen sich nicht entgehen lassen sollte“, so die Studentensprecherin.

Als weitere Idee brachten die jungen Studierenden ein Kulturzentrum für Kammerkonzerte, Lesungen und Ausstellungen ins Gespräch. Zudem könnten Geschichtsvereine hier eine zentrale Anlaufstelle einrichten. Alternativ sei auch die Einrichtung eines Erlebnishostels für Klassenstärken bis zu 32 Schülern in Betracht zu ziehen. Letztendlich könne auch eine gehobene Schlossgastronomie die Burg wiederbeleben. Zum Schluss blieb noch die Frage offen, die sich auch der Burgherr stellte: „Wer soll das bezahlen?“

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