Bundesweit einmaliges Projekt bietet kompetente Hilfe

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
michaele
Michaele Stolz und Elmar Jansweidt leiten die „Interdisziplinäre Frühförderstelle.

Geilenkirchen. Ein bislang bundesweit einmaliges Projekt wird derzeit im Euro-Service-Center im Geilenkirchener Gewerbegebiet Fürthenrode verwirklicht: Hier soll bis Sommer ein Ärzte- und Therapeutenzentrum für Kinder und Jugendliche entstehen.

Jetzt schon hat hier unter der Geschäftsführung des Ergotherapeuten Elmar Jansweidt und unter der pädagogischen Leitung der Heilpädagogin Michaele Stolz die „Interdisziplinäre Frühförderstelle im Kreis Heinsberg” (IFF) ihre Arbeit aufgenommen. „Interdisziplinäre Frühförderung bedeutet, dass viele Disziplinen, die kompetent sind, mit Kindern im Vorschulalter in einer Institution unter einem Dach zusammengefasst werden”, erklärt Jansweidt.

Sicherlich sei Frühförderung von Kindern kein neues Thema. „Bislang konnte jeder das Personal so zusammenstellen, wie es gerade auf dem Markt war. Jetzt ist aber die Interdisziplinäre Frühförderung ein geschützter Begriff, unter dem die Struktur und das Personal vom Gesetzgeber vorgegeben werden”, sagt der Gangelter Ergotherapeut.

Mit ins Boot haben Jansweidt und Michaele Stolz die Geilenkirchener Kinderärztin Dr. Ulrike Ruttert-Kanand, die Psychologin Christine Pirow, Heilpädagoginnen, Ergo- und Physiotherapeuten und Logopäden geholt. Die Zulassung gilt für den ganzen Kreis Heinsberg, im Frühjahr soll allerdings noch eine Filiale in Hückelhoven entstehen.

„Unser Angebot richtet sich an alle Eltern, die sich fragen, ob die Entwicklung ihres Kindes normal verläuft”, so Jansweidt. „Auffällig ist ein Kind, wenn es sich nicht so entwickelt wie andere, wenn es unruhig ist, wenn es nicht gut schläft oder sich nicht konzentrieren kann”, fügt die Heilpädagogin hinzu. Üblicherweise gehen Eltern mit ihrem Kind in solchen Fällen zum Haus- oder Kinderarzt. Dieser stellt dann ein Rezept für eine Eingangsdiagnostik aus.

Verschiedene Professionen ermitteln das in der Frühförderstelle den Förderbedarf. Das sind Entwicklungstest, mit denen in spielerischer Weise die geistige, sprachliche, motorische Entwicklung und die soziale und emotionale Kompetenzen ebenso wie die Wahrnehmung getestet werden. Ist der Förder- und Behandlungsbedarf ermittelt, wird beim Kreis Heinsberg als einer der Kostenträger neben den Krankenkassen eine pädagogische und medizinisch-therapeutische Komplexleistung beantragt. Alle medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Leistungen finden Eltern nun unter einem Dach vereint.

„Hier gibt es bei der Behandlung kurze Kommunikationswege. Wir bieten aber bei Bedarf auch eine ambulante Betreuung an oder fahren in die Kindergärten”, macht Michaele Stolz auf weitere Leistungen aufmerksam. „Diese Leistungen gehen übrigens nicht zu Lasten des Budgets des behandelnden Arztes”, sagt der Geschäftsführer.

Zur Zeit hat er elf Mitarbeiter in Haus 2 des ESC beschäftigt. Und er ist sich sicher: „Diese Frühförderstelle wird rasend schnell wachsen.” Der Gangelter nennt Zahlen: „Die Auffälligkeiten bei Kindern haben in den vergangenen acht Jahren um 20 Prozent zugenommen.”

Die Heinsberger Heilpädagogin kennt Kinder, die bei der Einschulung nicht ruhig sitzen können und nur „rumzappeln”. Und es gibt Kinder, die beim Einschulungstest so auffällig sind, dass sie gar nicht erst eingeschult werden können. „Die Kinder sind ein Spiegel der Gesellschaft. Keiner hat mehr Zeit. Viele Kinder werden zu wenig gefordert und gefördert”, bedauert Jansweidt.

„Kinder sitzen oft nur noch vor dem Computer. Sie sind bewegungsarm, und zur Therapie werden sie mit dem Auto gefahren”, meint Michaele Stolz. Und: „Oft fallen Störungen erst bei der Einschulung auf. Aber je früher man mit der Förderung anfängt, desto besser Aussichten habe ich auf Erfolg.”

Zwei Jahre lang hat Jansweidt an dem 200 Seiten umfassenden Konzept gearbeitet, hat die Kosten kalkuliert und den Kreis Heinsberg als einer der Kostenträger überzeugt. Sein Hauptargument: „75 Prozent der Kinder, die eine Förderschule besuchen, haben nie eine Frühförderung erhalten. Unser Angebot ist also billiger. Außerdem steht Prävention vor Heilung.” Jansweidt hat noch weitere Pläne: „Dr. Ruttert-Kanand wird ihre Kinderarztpraxis nach hier verlegen. Und dann entsteht hier ein medizinisches Zentrum für weitere Fachärzte.”

Hat Jansweidt, der nun als erster Therapeut in Nordrhein-Westfalen eine Interdisziplinäre Frühförderstelle eingerichtet hat, bislang 210 Quadratmeter in Haus 2 des ESC angemietet, wird er bald das komplette Haus 3 kaufen: Dann sind Frühförderung, Ärzte und Therapiezentrum unter einem Dach.

Auf die Arbeit der Frühförderstelle wurde jetzt auch das städtische Jugendamt aufmerksam: „Wir wurden ermutigt, das Angebot noch umfassender zu gestalten”, sagt Jansweidt. Wird bislang für Kinder bis sechs Jahre eine medizinisch-therapeutische und eine pädagogische Versorgung angeboten, fällt die pädagogische Betreuung für Kinder ab sechs weg.

Diese pädagogische Angebote sollen bald auch für Kinder ab sechs Jahre vorgehalten werden. „Dann haben wir ein komplettes Angebot für Kinder und Jugendliche”, freut sich Jansweidt, der auf einen „Tag der offenen Tür” am Samstag, 14. Februar, 10 bis 14 Uhr, hinweist.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert