Geilenkirchen - Bürgertreff nicht barrierefrei: Behindertenbeauftragter verärgert

Bürgertreff nicht barrierefrei: Behindertenbeauftragter verärgert

Von: Udo Stüßer
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Für Rollstuhlfahrer ist der neue Bürgertreff nicht zugänglich. Zwei Stufen und die Eingangstüre sind Hindernisse. Foto: Udo Stüßer
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Er ist stinksauer: Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter.

Geilenkirchen. „Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“ Mit diesem Spruch wurden die Besucher des neuen Bürgertreffs im Eingangsbereich bei der Eröffnungsfeier im Oktober begrüßt. Dem Behindertenbeauftragten der Stadt Geilenkirchen, Heinz Pütz, ist mittlerweile das Lachen vergangen. Denn: Der neue Bürgertreff ist nicht barrierefrei.

 „Wenn man mit einem Bundesprogramm Kompetenz stärkt und Toleranz fördert, muss man so tolerant sein, dass das Gebäude für alle zugänglich ist. Hier aber grenzt man Menschen mit einer Behinderung aus“, ärgert sich Pütz nicht nur als Behindertenbeauftragter, sondern auch als Geilenkirchener Bürger mit einem Handicap.

Grundsätzlich begrüßt er die Einrichtung dieser Begegnungsstätte für alle Generationen. Auch lobt er den Einsatz der Verantwortlichen in der Stadt Geilenkirchen für behinderte Menschen. Die Politik nehme die Anliegen der Menschen mit Behinderung sehr ernst. Das werde auch durch die Einrichtung der Position eines Behindertenbeauftragten deutlich. „Aber ich kann nicht verstehen, dass man nun auf ein Gebäude ausweicht, das nicht annähernd bar­rierefrei ist.“

Besondere Kritik übt Pütz am Grünen-Fraktions- und Parteichef Jürgen Benden und an Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin der Caritas in Geilenkirchen: „Nachdem man eine Liegenschaft für den neuen Bürgertreff ausgeguckt hatte, habe ich mich an alle Fraktionen gewandt und darauf hingewiesen, dass sie nicht barrierefrei ist. Benden sagte nur: ‚Dann ist sie eben nicht bar­rierefrei‘. Das war für mich wie ein Stich ins Herz“, sagt Pütz. Abels-Schell habe ihm mitgeteilt, dass die ehemaligen Räume des Friseursalons „Indira“ auf der Konrad-Adenauer-Straße lediglich eine „Übergangslösung“ sei.

Doch nachdem jetzt ein Verein gegründet worden ist, der den offenen Bürgertreff tragen soll, glaubt Pütz nicht mehr an eine „Übergangslösung“. Unverständnis herrscht bei Pütz auch darüber, dass in dem Bürgertreff Beratungsstunden stattfinden, unter anderem für behinderte Menschen, die behinderten Menschen allerdings selbstständig keinen Zugang bieten würden. „Mit meinem Anliegen bin ich nicht überall auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich bin sogar von Leuten, die maßgeblich am Bürgertreff beteiligt sind, regelrecht angegriffen worden. Die meiste Unterstützung erhielt ich von CDU und Bürgerliste.“

Ein behindertengerechter Umbau sei aufgrund der alten Bausubstanz nur sehr schwierig oder vielleicht gar nicht möglich. Das könne allerdings nur ein Architekt entscheiden. Nach einer Alternative würde allerdings nicht gesucht. „Auf jeden Fall vermisse ich die Toleranz der verantwortlich politisch Tätigen und der Menschen, die dem Verein angehören und schon aufgrund ihrer beruflichen Funktion diese Toleranz leben müssten.“

Weder die Landesbauordnung noch die UN-Behindertenrechtskonvention oder das Behindertengleichstellungsgesetz NRW würden hier angewendet. Pütz zitiert Paragraf 55 der Landesbauordnung NRW: „Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen in den dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teilen von Menschen mit Behinderung, alten Menschen und Personen mit Kleinkindern barrierefrei erreicht und ohne fremde Hilfe zweckentsprechend genutzt werden können.“

Ganz anders sieht dies Jürgen Benden, Partei- und Fraktionschef der Geilenkirchener Grünen und mit Nicole Abels-Schell Vorsitzender des Vereins „Bürgertreff Geilenkirchen“. „Der Vorstand hat sich zum Ziel gesetzt, zeitnah Barrierefreiheit herzustellen.“ Er und auch Abels-Schell hätten mit Heinz Pütz viele Gespräche geführt. „Wir haben ihm immer wieder erklärt, dass wir uns in einer Erprobungsphase befinden und in dieser Phase natürlich nicht mehrere tausend Euro in die Hand nehmen, um einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Mit einem Architekten haben wir schon gesprochen. Er sagte, ein barrierefreier Zugang ist möglich, aber teuer.“

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