Bürgermeisterwahl: Mit schnellem Sprinter zum Wähler

Von: Udo Stüßer
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Ronnie Goertz... Foto: Udo Stüßer
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Manfred Theves... Foto: Udo Stüßer
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... und Georg Schmitz sind mit großen und weniger großen Autos in der Stadt auf Wahlkampftour. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn in diesen Tagen ein Auto mit der Aufschrift „Christian Kravanja – www.mein-bürgermeister.de“ auf einem Behindertenparkplatz steht, gibt es keinen Grund, über den Bürgermeister-Kandidaten der Bürgerliste zu schimpfen. Dieses Fahrzeug gehört Kravanjas Parteifreundin Karola Brandt, die bekanntermaßen behindert ist.

Christian Kravanja setzt in seinem Wahlkampf nämlich nicht auf ein großes Wahlkampfauto, wie beispielsweise CDU-Kandidat Ronnie Goertz oder der unabhängige Kandidat Manfred Theves. Er lässt eine kleine Fahrzeug-Flotte für sich Werbung fahren. 17 Freunde und Unterstützer sind in diesen Tagen mit ihren Privat-Pkw unterwegs und buhlen in der ganzen Stadt um Stimmen. Natürlich auch Karola Brandt. „Ich setze auf den Wiedererkennungswert“, sagt Kravanja.

Während diese Autos lediglich ein schlanker Schriftzug ziert, setzt Ronnie Goertz auf Größe. Unübersehbar steht sein PS-starker Transporter mal hier oder mal da im Stadtgebiet. Auf dem von einem Autohändler zur Verfügung gestellten Sprinter prangt nicht nur das Konterfei des Kandidaten. Er bittet auch um des Wählers Gunst und verspricht dafür zukunftssichere Dörfer. Und er erklärt: „Eine lebendige und attraktive Innenstadt. Das ist mein Ziel.“ Er versichert aber auch: „Ihr Wohl liegt mir am Herzen. Ich setze mich für Sie ein.“

Der parteilose Georg Schmitz macht mit seinem kleinen Seat keine große Versprechungen. Er wirbt für sich lediglich als „Bürgermeister für Geilenkirchen“. Ein Bild von ihm darf auf dem liebevoll gestylten Gefährt natürlich auch nicht fehlen. Aber irgendwie scheint er sich nicht so richtig entscheiden zu können: Wahlkampfauto oder kleines rotes Feuerwehrfahrzeug? Von seinen gelben Streifen hat er sich jedenfalls nicht trennen können. Im Herzen ist und bleibt Georg Schmitz auch ein Feuerwehrmann.

Auch Manfred Theves, der Grillstubenbetreiber und Inhaber eines Partyservices, hat aus seinem Renault-Transporter ein Wahlkampffahrzeug gemacht. Aber der Hinweis, dass es bei ihm kulinarische Gaumenfreuden gibt, konnte nicht ganz verschwinden.

Die heiße Phase des Wahlkampfes hat jetzt begonnen. In allen Orten und im Stadtkern hängen jetzt die Wahlplakate. In der City ist kaum ein Baum zu finden, von dem nicht ein Porträtbild um Wählerstimmen bittet.

Zwar hat Schmitz das kleinste Auto, dafür legt er großen Fleiß an den Tag. Exakt 400 Plakate schmücken nun das Stadtgebiet. Einzig und alleine sein Freund Heribert Donné ist ihm an knapp zehn Arbeitstagen zur Seite gestanden. Seinen Wahlkampf betreibt Schmitz zum großen Teil im Internet.

Sein Video-Clip „Geilenkirchen schläft“, so sagt er stolz, sei in allen Foren 120.000 Mal angeklickt worden, sein zweites, nachfolgendes Video in 24 Stunden 6000 Mal. Mit 400 bis 500 Leute komme er täglich ins Gespräch: in Cafés, Bistros und Tankstellen, also da, wo viele Menschen sind. Georg Schmitz setzt auch auf Show: Am 5. September um 18 Uhr steht er mit dem Schlager-Barden Norman Langen am Wurmfenster, wo es dann Autogramme gibt. Von Norman Langen wohlgemerkt, obwohl er bei DSDS rausgeflogen ist. Denn Georg Schmitz hat noch keinen Grund, seine Signatur zu setzen. Er ist nämlich noch nicht drin im Rathaus.

Und was macht CDU-Kandidat Ronnie Goertz, wenn er nicht gerade im schnellen Sprinter in der Stadt auf Wahlkampftour ist? Er setzt nicht auf Show, im Seichten zu fischen ist nämlich gar nicht so sein Ding. Er dreht keine Filmchen fürs Netz und lässt keinen Sänger für die CDU seine Stimme erheben. Er widmet sich ernsten und auch wichtigen Themen. Am Montag, 24. August, 17 Uhr, diskutiert er mit der Parlamentarischen Staastsekretärin Ingrid Fischbach und der hiesigen Ärzteschaft im Hotel Jabusch über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung.

Eine Woche später, am Montag, 31. August, 17 Uhr, geht es im Teverener Vereinsheim um die Sicherstellung der Nahversorgung in den Dörfern. Zugesagt haben auch schon Leonhard Kuckart, Landesvorsitzender der Senioren-Union, und Landrat Stephan Pusch. Zwar ist sein Wahlkampfauto größer als das von Georg Schmitz, dafür hat Ronnie Goertz an Plakaten gespart. Aber dennoch ist sein Bild 300 Mal in der Stadt zu sehen.

Christian Kravanja hat 240 Werbeplakate drucken lassen. Auf 100 weiteren Plakaten versichern auch Geilenkirchens Sozialdemokraten, dass sie Kravanja unterstützen. Dazu gibt es von der SPD noch Kugelschreiber und Notizblöcke und auch Unterstützung an den Wahlkampfständen. Kravanja will sich übrigens an Infoständen in jedem Dorf vorstellen.

Und zum guten Schluss wird die SPD-Parteispitze vor den Wahlen in ihrer Zeitung „Ins Schwarze“ auffordern, am 13. September das Kreuzchen bei Christian Kravanja anzubringen.

Manfred Theves führt da einen eher leisen Wahlkampf. Mit seiner Familie und zwei guten Freunden hat er 150 Plakate in der Stadt verteilt. „Als Gastronom hat man keine Zeit, um große Veranstaltungen zu arrangieren. Ich muss arbeiten“, sagt er. Aber er wolle mit vielen Menschen in der Stadt sprechen.

Der Parteilose Horst Grunert hingegen steckt als Hartz IV-Empfänger keinen Cent in den Wahlkampf. Er sucht lediglich das Gespräch mit den Menschen.

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