Bürgermeister Schmitz zieht ein erstes Fazit

Von: Udo Stüßer
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Bürgermeister Georg Schmitz sucht einen Generalinvestor, der die leer stehenden Ladenlokalen mit neuen Geschäften füllt: Auch eine touristische Attraktion soll die Stadt bereichern. Foto: Markus Bienwald
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Georg Schmitz will Geilenkirchen zum Anziehungspunkt für viele Menschen aus dem Umland machen.

Geilenkirchen. Am 21. Oktober wurde Georg Schmitz als neuer Bürgermeister von Geilenkirchen vereidigt. Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert er sich über die ersten Wochen seiner Amtszeit und über Pläne im neuen Jahr.

Herr Schmitz, Sie haben ein abwechslungsreiches Leben geführt: Besitzer eines Schallplattengeschäfts, Strandbar-Besitzer in Thailand, freier Journalist und jetzt Bürgermeister. Wie hat sich Ihr Leben durch dieses Amt verändert?

Schmitz: In erster Linie zeitmäßig. Jetzt arbeite ich zwischen elf und 13 Stunden am Tag. 50 Prozent meiner täglichen Arbeit habe ich auch vorher schon gemacht. Die repräsentativen Dinge kenne ich durch meinen Reporterberuf. Ich bin jetzt an den gleichen Stellen, nur mit dem Unterschied, dass ich früher mit der Kamera da war und heute fotografiert werde. Für einen Fotografen ist das schrecklich. Ein Fotograf fotografiert, lässt sich aber nie selbst gerne fotografieren.

Wann wurde Ihnen so richtig bewusst, dass Sie Bürgermeister von Geilenkirchen sind?

Schmitz: Eigentlich bei der ersten Ratssitzung. Ich war schwer aufgeregt, weil ich eine Antrittsrede halten musste. Zu Beginn hatte ich eine zittrige Stimme, wurde aber von Minute zu Minute ruhiger und habe gedacht: Jetzt bist du Bürgermeister und musst dich dementsprechend benehmen. Aber ich will mich in diesem Amt nicht verbiegen.

Kritiker haben Ihnen vorgeworfen, dass Sie keine Führungs- und Verwaltungserfahrung haben. Wie sieht denn nun Ihre tägliche Arbeit im Rathaus aus?

Schmitz: Die Verwaltungsarbeit ist Neuland für mich. Dabei finde ich von Beginn an Unterstützung durch die Kolleginnen und Kollegen. Bisher habe ich noch keine einzige negative Erfahrung gemacht. Bei Fachfragen gehe ich zu dem zuständigen Mitarbeiter oder Dezernenten, die können mir meine Fragen perfekt beantworten. Morgens muss ich mich meist durch einen 30 bis 40 Zentimeter hohen Aktenstapel arbeiten und als Hauptverwaltungsbeamter täglich Dutzende Unterschriften leisten.

Geht es um Baumaßnahmen für das Hallenbad, unterschreibe ich manchmal für Aufträge in Höhe von 100.000 Euro und mehr. Aber ich hinterfrage alles. Kürzlich wurde mir ein Auftrag für den Erwerb von Überwachungskameras vorgelegt. Da habe ich auf Nachfrage erfahren, dass sie für die Überwachung des Hallenbad-Geländes geplant sind, weil immer wieder Diebstähle vorkommen.

Ich muss auch Urlaube und Überstunden der Mitarbeiter abzeichnen, da arbeite ich aber mit Personalamt und Personalrat eng zusammen. Da zwei Hausmeister und ein Sozialarbeiter gesucht wurden, sind über 100 Bewerbungen eingegangen.Auch wenn ich das letzte Wort bei den Einstellungen hätte, überlasse ich die Entscheidung lieber dem Personalamt. Ich halte mich da ganz raus, weil viele Leute auf mich zugekommen sind und mich nach einem Job gefragt haben.

Es würde ein Geschmäckle übrig bleiben und sich doch schnell in Geilenkirchen rumsprechen, wenn ich gute Freunde von mir einstelle. Ansonsten habe ich natürlich jede Menge Außentermine bei Jubiläen und Vereinen, Antrittsbesuche und Besuchstermine in Firmen. Ich kenne zwar alle Firmen aus meiner früheren Arbeit, will aber weiterhin engen Kontakt zur Wirtschaft halten. Das ist auch wichtig für die Weiterentwicklung unserer Stadt.

Hat sich die Stimmung im Rathaus geändert?

Schmitz: Ich habe gehört, dass gute Laune eingetreten sein soll. Aber da müssen Sie die Mitarbeiter selbst fragen.

Macht Ihnen die Arbeit Spaß?

Schmitz: Ja, sicher! Die erste Woche war spannend. Alles war neu. Ich war oft nervös, vor allem bei Reden. Mittlerweile gewöhne ich mich daran, ich gehe entspannter ran. Ich will für diese Stadt etwas tun, und ich will etwas erreichen. Wenn die Arbeit Spaß macht, geht man mit Freude und Elan an die Sache ran und erreicht mehr, als wenn man unmotiviert zur Arbeit kommt. Und wenn man freundlich mit den Mitarbeitern umgeht, helfen die auch.

Vor Ihrer Wahl haben Sie gesagt, die Menschen seien es satt, von oben herab regiert zu werden. Können die Geilenkirchener jetzt mitreden?

Schmitz: Ja, ich bekomme viele Anrufe von normalen Bürgern. Sie wissen, dass sie mich direkt ansprechen können. Ich höre mir die Sorgen der Menschen an. Es sind auch schon Leute ins Rathaus gekommen. Im nächsten Jahr werde ich eine Bürgersprechstunde einrichten. Es gibt aber auch Leute, mit denen ich nicht mehr rede. Beispielsweise wenn es um Nachbarschaftsstreit geht und sie schon fünfmal angerufen haben.

Dann gibt es auch Eltern, die sich mit Maßnahmen des Jugendamtes nicht einverstanden erklären, obwohl eigentlich die Gutachtenlage eindeutig ist und auch Gerichtsurteile vorliegen. Einige protestieren schon mal vor dem Rathaus und wollen dann auch den Bürgermeister sprechen. Wenn es sich um laufende Verfahren handelt, kann auch ein Bürgermeister sich nicht einmischen.

Bis Sie ins Rathaus eingezogen sind, hatten Sie in der Stadt schätzungsweise 28.000 Freunde. Haben Sie die heute noch?

Schmitz: Ich glaube, ich habe noch die 28.000 Freunde. Aber man muss das erste halbe Jahr und die ersten unbequemen Entscheidungen abwarten. Bei einigen Entscheidungen werden auch manche meiner Freunde „buh“ rufen. Das ist halt so. Nach fünf Jahren werde ich dann sehen, wie viele Freunde ich noch habe, weil ich es nicht allen recht machen kann.

Inwieweit sind Sie in diesem Amt CSB-Chef Dr. Peter Schimitzek verbunden?

Schmitz: Das hat nichts mit dem Amt des Bürgermeisters zu tun. Peter bleibt immer ein Freund von mir. Warum sollte diese Freundschaft auseinandergehen? Ich habe ihn jetzt aber seit vier Wochen nicht mehr gesehen. Peter Schimitzek hat mich im Wahlkampf verbal unterstützt. Er hatte im Gegensatz zu vielen Politikern das Ohr am Volke und wusste, dass ich Chancen habe.

Die Unterstützung kam auch von seinem Mitarbeiter Albert Baeumer, mit dem ich ebenfalls über 30 Jahre befreundet bin. Er hat in seiner Freizeit und seinem Keller zu Hause die Video-Filme für mich gemacht, gute Ideen gehabt und damit auch zum Wahlsieg beigetragen. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand und hat mir versprochen, dass er weiter seine guten Ideen mit mir teilt. Daneben stehen mir aber eigentlich alle Geilenkirchener immer mit Rat zur Seite, und ich kann gute Vorschläge mit ins Rathaus nehmen.

Für Ihre frühere Arbeit haben Sie stets viel Lob erfahren. Können Sie auch mit Kritik umgehen?

Schmitz: Ich hoffe es. Wenn ich den Wahlkampf mit Kritik, die teilweise unter die Gürtellinie ging, überstanden habe, werde ich auch mit der Kritik umgehen können, die einem Bürgermeister entgegenschlägt. Im Wahlkampf war ich ab und zu mit den Nerven am Ende. Das wird sicherlich auch in Zukunft noch mal der Fall sein. Man schaue auf die Kritik mit der Baumfällaktion am Johann-Plum-Platz. Ich bin gerade mal vier Wochen im Amt gewesen, da wurde mir das angelastet.

Keiner hat mehr daran gedacht, dass die Umgestaltung des Dorfplatzes in Bauchem schon vor mehr als einem Jahr diskutiert wurde und deshalb in den letzten Monaten Gespräche geführt wurden, bei denen ich gar nicht dabei war. Pech für mich: Die Bäume wurden in meiner Anfangszeit gefällt, ohne dass mir jemand Bescheid gesagt hat. Ich hoffe, dass Derartiges in Zukunft nicht mehr vorkommt. Wichtig ist, mit allen Dingen offen umzugehen, dann merken die Leute, dass es ehrlich gemeint ist.

Was waren die wichtigsten Entscheidungen in der relativ kurzen Amtszeit?

Schmitz: Dass der Bau von Flüchtlingswohnungen beschlossen wurde und ich Flüchtlinge in Arbeit gebracht habe. Diese Mitbürger wollen arbeiten. 17 Flüchtlinge helfen jetzt auf dem Bauhof und haben dadurch eine Beschäftigung. Wichtig war natürlich die Einbringung des Haushaltes. Bei der Beleuchtung des neuen Gewerbegebietes werden jetzt Energie und Kosten gespart. Da brannten nachts alle Lampen und beleuchteten nur leere Flächen und Kaninchen, obwohl es da noch keinen einzigen Betrieb gibt. Ich habe mich mit NEW in Verbindung gesetzt und erreicht, dass jede zweite Lampe ausgeschaltet wird.

„Man soll nicht auf die Parteien hören, sondern auf die Bürger“, haben Sie vor Ihrer Wahl gesagt. Als Parteiloser werden Sie von keiner Partei gelenkt. Allerdings müssen Sie mit sechs Ratsfraktionen und einigen „Einzelkämpfern“ zusammenarbeiten. Ist es da nicht schwierig, zu einem Konsens zu kommen?

Schmitz: Nach jetzigem Stand müsste es leichter sein. Die jüngsten Rats- und Ausschussitzungen verliefen harmonisch, es gab fast nur einstimmige Beschlüsse. Im Moment wird miteinander verhandelt, um Mehrheiten zu suchen. Die richtig problematischen Punkte wie Fliegerhorstsiedlung und Bürgerhaus Bauchem werden neu beraten. Die ersten interfraktionellen Gespräche verliefen ebenfalls harmonisch.

Wirtschaftsförderung und die Beseitigung von Leerständen standen ganz oben auf Ihrem Wahlprogramm. Wie werden Sie das konkret umsetzen? Sie haben baldige Vorschläge angekündigt.

Schmitz: Im Januar will ich dem Rat und den Bürgern ein Konzept vorstellen. Ich möchte alle Immobilienbesitzer und Makler an einen Tisch holen. Man kann nicht mehr die Mieten durchsetzen wie vor zehn Jahren, aber etliche Hausbesitzer gehen nur ungern mit der Miete runter und lassen ihre Ladenlokale lieber leer stehen. Ich werde versuchen, die Immobilienbesitzer zu überzeugen, eine Staffelmiete einzuführen, um den Mietern nach Eröffnung eines Geschäfts etwas Luft zu verschaffen. Natürlich kann ich einem Vermieter keine Vorschriften machen, ich will ihn überzeugen.

Und wie wollen Sie an Mieter für diese Ladenlokale kommen?

Schmitz: Unsere Wirtschaftsförderin Susanne Köppl und ich suchen Investoren in Investorenpools. Leute aus aller Herren Länder stecken in solche Pools Geld rein und möchten mit Geschäftsneugründungen Rendite machen. Solche Investoren befüllen leer stehende Geschäfte mit bekannten Marken. Ich will an einen Generalinvestor heran, der dann einen Großteil der leer stehenden Geschäftslokale füllen soll. Wir brauchen in Geilenkirchen außerdem eine touristische Attraktion, die die Menschen in die Stadt holt. Viele Städte haben ein Alleinstellungsmerkmal, Geilenkirchen hat nur das Wurmfenster.

Was erwartet die Bürger im neuen Jahr?

Schmitz: Vielleicht Schnee. Aber es wird auch kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Stadt gearbeitet, um Geilenkirchen wieder zu dem zu machen, was Geilenkirchen früher einmal war: nämlich Einkaufsstadt und Anziehungspunkt für viele Menschen aus dem Umland. Dazu gehört, dass wir mehr Außengastronomie bekommen, die belebt die Stadt.

Und was haben sie sich privat vorgenomen?

Schmitz: Ich werde mich weiter feste einarbeiten, im Moment geht die Arbeit vor meinem Privatleben. Ich werde jetzt auch nicht den Wohlhabenden raushängen lassen, ich werde meine Wohnung weiterhin behalten und auch mit meinem kleinen Auto fahren. Das Dienstauto benutze ich nur auf weiten Strecken, bisher nur sechs Mal.

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