Bürgerinitiative: Noch immer Geruchsentwicklung durch Polythex

Von: Jan Mönch
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Beschert der Stadt Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen, sorgt aber auch für eine gewisse Geruchsentwicklung: die Firma Polythex. Foto: Jan Mönch
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Sie sehen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt (von links): Hartmut Winters, Hans-Josef Kleinen, Dr. Ilias Stoltidis und Norbert Forschelen. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Er hat sich getraut, er hat es gewagt: Hartmut Winters hatte Leute zum Grillen da. Nicht wenige etwa, nein, so um die 20 Personen waren es. Es war ein schöner Tag, na Gott sei Dank.

Hartmut Winters wohnt in der Kettelerstraße in Übach-Palenberg, und der Grund, warum er sich Freizeitaktivitäten zwei bis drei Mal oder noch öfter überlegt, liegt nur ein paar hundert Meter Luftlinie von seinem Eigenheim entfernt: es ist die Firma Polythex, immer noch. Das Unternehmen hat seinen Sitz an der Friedrich-Ebert Straße, doch planen Hartmut Winters und seine Nachbarn eine Form der Freizeitgestaltung, die sich im Freien abspielt, dann ist Polythex immer auch bei ihnen im Hinterkopf. Hartmut Winters sagt: Wäre es schlecht gelaufen, dann wäre er seine Gäste sehr schnell wieder losgewesen. Oder er hätte das Grillen ins Innere seines Hauses verlegen müssen, was natürlich keine vernünftige Alternative ist.

Die Universal Polythex Kunststoffe GmbH produziert in Übach-Palenberg seit 2001 Kunststoffplatten und -folien, das Problem daran ist, dass die nächste Wohnbebauung kaum mehr als einen Steinwurf entfernt liegt. Und die entstehenden Gerüche, verursacht durch den Kohlenwasserstoff Styrol, sind unzumutbar, ja: sie erregen Übelkeit. Das behaupten nicht nur Hartmut Winters, sondern auch Hans-Josef Kleinen, Dr. Ilias Stoltidis und Norbert Forschelen, die ebenfalls in der Kettelerstraße leben. Außerdem behaupten es 171 weitere Personen, die in der Nähe leben und sich auf einer Unterschriftenliste eingetragen haben.

Sie leben in der Thornstraße und Im Kauert, am Hohlbeinweg und am Sebastiansweg, in der Friedensstraße und in der Merksteiner Straße. „Wir haben keine Zeit, an jedem Haus zu klingeln“, sagt Norbert Forschelen. „Hätten wir sie doch, würden wir leicht ein Vielfaches zusammenkriegen.“ Der Gestank ist eine Zumutung, da sind die vier Männer sich einig. Sie fürchten allerdings, dass er darüber hinaus gesundheitsschädigend ist. Eine Befürchtung, die nicht nur Polythex, sondern auch der Kreis Heinsberg als Untere Umweltschutzbehörde bestreiten. Das Problem mit dem Gestank hingegen ist unumstritten.

Dass der Garten im Sommer nur eingeschränkt nutzbar ist, wäre ja schon lästig genug. Doch dabei bleibt es nicht. An extremen Tagen, so schildert es Ilias Stoltidis, traue er sich kaum, den Müll vor die Tür zu bringen. Denn dazu müsste er die Tür aufmachen. Er erinnert sich noch, wie er mal vergaß, das Schlafzimmerfenster zu schließen. In der folgenden Nacht schlief er lieber im Wohnzimmer.

Längst haben die Anwohner sich daran gewöhnt, einen wachsamen Blick auf die allgemeine Wetterlage zu haben. Westwind bespielsweise sei eine gute Sache, wenn man in der Kettelerstraße lebt, denn dann zieht das, was bei Polythex freigesetzt wird, über die B221 hinweg ab in Richtung Kreis Düren. Nebel hingegen sei besonders schlecht, denn er verhindere, dass die Abgase himmelwärts aufsteigen können. Und so weiter. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wissen, dass Polythex-Chef Nickolai Auflagen vom Kreis Heinsberg erhalten hat. Und daran halte Nickolai sich, das bestätigt der Kreis. Bloß bestreiten die Mitglieder der Bürgerinitiative die Wirksamkeit der Auflagen.

Wohlgemerkt: Die Belastung ist nicht durchgehend da. Aber sie kommt nach Darstellung der Anwohner unangekündigt und völlig unregelmäßig, auch die Länge der Zeitabschnitte variiere zwischen wenigen Minuten und vielen Stunden. Man muss sagen, dass Hartmut Winters und seine Nachbarn sich in Sachen Freizeitgestaltung und Lebensqualität stark eingeschränkt fühlen. „Rechtzeitig zu prüfen, was da auf uns zukommt, das hat man damals versaubeutelt“, schimpft Winters.

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